Sabine Schlißio (rechts) hatte Myoung Hee Hong (links) in die Kirchgemeinde Lippersdorf eingeladen.
Foto: Kristian Hahn
Landschaft weckt Erinnerungen an die Heimat
Myoung Hee Hong, eine Theologin aus Südkorea, erzählte aus ihrem Leben
Lippersdorf. Diesen Gottesdienst werden die 80 Besucher in der Lippersdorfer Kirche so schnell nicht vergessen. Nicht Pfarrer Michael Escher hielt die Predigt, sondern ein Gast aus Südkorea. Die promovierte Theologin Myoung Hee Hong war für zwei Tage in dem Lengefelder Ortsteil zu Gast.
Die 49-Jährige hat einen langen Weg hinter sich, im Erzgebirge allerdings war sie zum ersten Mal. Aufgewachsen ist sie zwar in Südkorea, doch Myoung Hee Hong hat unter anderem knapp zehn Jahre in Tübingen Theologie studiert und vier Jahre lang in der Slowakei Roma missioniert. "Die Landschaft hier erinnert mich sowohl an Südkorea, als auch an meine Zeit in der Slowakei. Ich hatte und habe hier sofort ein Heimatgefühl", sagte Myoung Hee Hong, die seit knapp einem Jahr mit ihrem Mann und den zwei Töchtern in Dresden lebt.
Eingeladen hatte Sabine Schlißio die 49-Jährige. Die beiden Frauen haben sich an der evangelischen Akademie in Meißen kennengelernt. Auch die Lippersdorfer waren neugierig, was der Gast aus Südkorea zu erzählen hatte. Schon am Abend vor dem Gottesdienst kamen knapp 60 Interessenten zum Gemeindeabend, bei dem die Theologin Bilder über das Leben und die Leute in Südkorea zeigte. Sven Neuber war angetan: "Es war interessant zu hören, mit welchen Schwierigkeiten das Christsein in Südkorea verbunden ist, weil dort 70 Prozent der Einwohner dem Buddhismus angehören. Dort stehen ganz andere Wagnisse hinter dem christlichen Glauben als bei uns."
Myoung Hee Hong, die heute als ökumenische Gastvikarin in Dresden-Neustadt arbeitet, ließ die Zuhörer in ihrer Predigt an ihrem Weg zum Christentum teilhaben. "Ich bin in einer anderen Kultur und mit anderen Traditionen aufgewachsen. Doch schon immer wollte ich Luthers Land sehen", sagte die Frau, die in ihrer Heimat erstmals durch US-amerikanische Missionare mit dem christlichen Glauben in Berührung kam.
Vom winterlichen Erzgebirge war Myoung Hee Hong auf Anhieb begeistert: "Ich habe hier außerordentlich freundliche und herzliche Menschen kennengelernt. In der Stadt geht man distanzierter miteinander um. Meine Freunde beneiden mich um diesen Besuch. Ich werde ihnen davon berichten." Geht es nach Pfarrer Michael Escher, war dies auch nicht der letzte Besuch. "Von Südkorea wissen wir in Europa wenig. Wohl auch deshalb ging von dem Besuch eine gewisse Exotik aus", so Escher, der schon in die Zukunft blickt: "Ich hoffe und wünsche mir, dass sich aus dieser ersten Begegnung eine freundschaftliche Beziehung entwickelt."


