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Seiteneinsteiger wichtig für Unterricht

Die aktuelle Situation an Grund-, Ober- und Förderschulen ist prekär. Es fehlt an ausgebildeten Lehrern. Und das Angebot von einem, der helfen will und Mathe-Lehrer ist, versickert im Aktenberg.

Von Beate Kindt-Matuschek
erschienen am 21.04.2017

Chemnitz/Falkenbach. Viele Lehrer sagen es selbst, aber nur hinter vorgehaltener Hand: "Es ist ein Trauerspiel." Und damit meinen sie die aktuelle Situation in den Schulen. An etlichen Grund-, Förder- und Oberschulen in der Region kann der Unterricht ohne Seiteneinsteiger derzeit nicht mehr abgesichert werden. So lautet auch die aktuelle Einschätzung von Burkhardt Heinze, der seit Februar die Regionalstelle Chemnitz der Sächsischen Bildungsagentur (BA) leitet. Im Landtag fand eine Gesprächsrunde statt, wo dies genau so eingeschätzt wurde. Die Daten liegen vor.

171 Stellen waren im Februar von der BA Chemnitz zu besetzen. Doch von den 60 Grundschullehrern, die eingestellt wurden, waren 29 Seiteneinsteiger. Noch schlimmer ist das an den Oberschulen, hier waren es 41 Quereinsteiger der 59 unter Vertrag Genommenen. An den Förderschulen sogar 15 von 22, die benötigt wurden.

Richtig ist: Seiteneinsteiger bringen andere Lebens- und Berufserfahrungen ein. Die meisten geben sich sichtlich Mühe. Jedoch fehlt ihnen zunächst jegliche pädagogische Methodik. Viele stoßen daher auch sehr schnell an persönliche Grenzen. Etliche schmeißen wieder hin.

Auch die Seiteneinsteiger müssen begleitet und befähigt werden. Dazu dient nicht nur der dreimonatige Crashkurs, den sie absolvieren müssen. Die Schulleiter, Lehrerkollegen und Fachberater sind angehalten, die Seiteneinsteiger zu betreuen. Bleibt noch die berufsbegleitende, pädagogische Qualifikation binnen der nächsten zwei Jahre, zu der sich alle verpflichten müssen.

Und dann wäre da noch die Option der "Vertretungslehrer", um Unterrichtsausfall zu vermeiden. Die werden laut der Runde im Landtag "dringend gesucht". Damit gemeint seien etwa Lehramtsstudenten nach der ersten Staatsprüfung oder dem Masterabschluss oder ehemalige Kollegen im "Aushilfeprinzip". Problem sei, dass zu wenige ehemalige Mitarbeiter das auch wollen.

Doch es gibt sie. Peter Siedersleben aus Falkenbach ist so einer. Zwar ist der Grundschullehrer für Mathematik und diplomierte Kunsterzieher längst Rentner, aber gesundheitlich absolut fit. "Ich bin zwar schon 1992 aus dem Schuldienst ausgeschieden und in die Wirtschaft gewechselt, aber als ehemaliger Schulleiter weiß ich sehr wohl, wie wichtig pädagogisches Geschick speziell in der Grundschule ist", sagt er. Bereits im März 2016 habe er sich zunächst beim Landratsamt gemeldet: "Damals ging es speziell um die Grundschule in Buchholz", sagt Siedersleben. Im Landratsamt habe man sich euphorisch gefreut und ihn bezüglich einer Bewerbung an die BA Chemnitz verwiesen. Dort hat der damals 71-Jährige sofort vorgesprochen und alle Unterlagen eingereicht mit polizeilichem Führungszeugnis und allem. Im August 2016, kurz vor Schuljahresbeginn, hatte er noch immer keine Reaktion. Wieder las er in der Zeitung vom Bedarf an Seiteneinsteigern. Da schrieb er im August eine Mail ans Kultusministerium. Von dort ging der Ball zurück an die BA Chemnitz, wo seine Unterlagen zwischenzeitlich auch mal weg waren. Zwei Tage später teilte die BA Chemnitz ihm mit, dass seine Offerte samt Unterlagen in einem Pool für Vertretungslehrer liegen, bisher aber noch kein Einsatzbedarf bestünde. "Ich wollte ja nur helfen. Mir geht's nicht um Geld. Ich hätte auch einen Seiteneinsteiger betreut. Aber offensichtlich braucht keiner Hilfe", sagt Siedersleben feinzynisch.

 
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