Kinderstation der Kliniken Erlabrunn wird am Jahresende geschlossen
Schon jetzt macht sich das Fehlen von Kinderärzten schmerzlich bemerkbar
Erlabrunn/Schwarzenberg. Die zehnjährige Rahil hatte sich eine Nierenbeckenentzündung eingefangen und vom Kinderarzt ein Antibiotika verordnet bekommen. "Doch das schlug offenbar nicht an. Das Fieber stieg weiter, sie bekam Schüttelfrost, dann setzten ihr noch starke Kopfschmerzen sowie Erbrechen zu - und wenn man die Beipackzettel der Medikamente auf mögliche Nebenwirkungen liest, kriegt man wirklich Angst. Also bin ich mit ihr los gefahren, in die Kliniken nach Erlabrunn", berichtet der vierfache Vater Daniel Mauersberger aus Schwarzenberg, der sich und seine Familie dort stets gut behandelt und umsorgt fühlte.
Nur diesmal hatte er schon an der Pforte das Gefühl, "dass man mich gar nicht durchlassen wollte", so der 36-Jährige. Zwar seien die Ärzte und Schwestern in der Notaufnahme alle wie gewohnt freundlich gewesen und hätten seine Tochter sofort untersucht. Aber im Ergebnis wurde er mit dem Kind ins Klinikum nach Aue geschickt. Grund: Es sei kein akuter Notfall, und im Haus wäre derzeit kein Kinderarzt verfügbar. Zudem, so habe die Internistin gesagt, die seine Tochter untersucht hat, bedürfe es in dem konkreten Fall kindgerechter Medikamente. Und auch die habe man momentan nicht da.
Also fuhr Daniel Mauersberger mit seinem Kind nach Aue. Tags darauf wandte er sich an die Presse. Schließlich hatte er in der Zeitung gelesen, dass die Kinderklinik erst Ende 2012 schließt und darüber hinaus auch künftig eine Notfallversorgung von Heranwachsenden gewährt werde. Zumindest hatte dies die Klinikleitung im Mai zugesichert. "Auch im Internet war bis jetzt kein Verweis darauf zu finden, dass es schon jetzt keine kindgerechte Versorgung mehr gibt", kritisiert der Vater und will verhindern, dass andere Eltern - vielleicht mit tatsächlichen Notfällen - sich derzeit umsonst auf den Weg nach Erlabrunn machen.
"Leider befindet sich die Klinik derzeit in einer personellen Ausnahmesituation. Es werden in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin gegenwärtig keine stationären Fälle aufgenommen", erklärt Manuela Trillitzsch, Assistentin der Geschäftsleitung der Kliniken Erlabrunn, auf Nachfrage der "Freien Presse". Momentan sei eine kinderärztliche Rund-um-die-Uhr-Betreuung im stationären wie im ambulanten Bereich nicht möglich. Nichtsdestotrotz sei die Notversorgung sichergestellt.
Das Verweisen auf andere Behandlungskapazitäten in der Region diene, in Ermangelung eigener Möglichkeiten, ausschließlich der Gesundheit und Fürsorge der Kinder. "Sie sind und bleiben auch für die Verantwortlichen der Kliniken Erlabrunn höchstes Gut", versichert die Sprecherin.
Die mangelnde Auslastung und Effizienz der Klinikklinik mit zehn Betten, vier Ärzten und zwölf Pflegekräften sei seit Jahren problematisch. Mit Blick auf die Demografie und die Zumutbarkeit von Entfernungen zu anderen Krankenhäusern in der Region hatte die Klinikleitung zu Jahresbeginn beim Sozialministerium den Antrag gestellt, die Kinderstation ab 2013 zu schließen. Zwei der vier Ärzte hatten sich daraufhin um andere Stellen bemüht. Die Urlaubszeit verschärft die aktuelle Situation zusätzlich.
Für Familie Mauersberger sei dies generell "eine nicht nachvollziehbarer Entscheidung der Klinik", die er sehr bedauert. "Dort sind all unsere vier Kinder zur Welt gekommen. Dort hatten wir immer das Gefühl, dass die Kinder nicht nur eine Nummer sind, sie stets liebevoll umsorgt wurden. Ich befürchte, dass dies nicht ohne Folgen für die Geburtenstation bleibt", sagt er. Seiner Tochter Rahil geht es mittlerweile auch wieder besser.
Manuela Trillitzsch stellt in Aussicht: "Ab Mitte August wird sich die Situation bessern und ab Mitte September auch die für die Zukunft gewünschte Qualität bringen."

