16-jähriger Schüler legte Stollberger Gymnasium lahm

Der frustrierte Tatverdächtige wählte sein Ziel offenbar rein zufällig aus

Stollberg. Es hätte auch eine Rentnerin aus Regensburg oder einen Geschäftsmann aus Hamburg-Altona oder sonst wen treffen können. Doch der Zufall wollte es, dass an jenem 2. Dezember 2011 eine bizarre E-Mail ausgerechnet das Postfach eines jungen Referendars vom Carl-von-Bach-Gymnasium in Stollberg (Erzgebirgskreis) erreichte. Der angsteinflößende Inhalt: Eine verbale Drohung mit einem Bombenanschlag und einer ominösen Liste, auf denen der Adressat ganz, ganz oben stehe - alles in einer direkten Du-Anrede verfasst. Der Absender: Ein 16-jähriger Schüler aus dem Landkreis Meißen. "Der Text der E-Mail war so geschrieben, dass sich der Leser bedroht gefühlt haben muss. Aber laut unseren Ermittlungen hat der junge Mann zu dem betroffenen Gymnasium in Stollberg gar keine Beziehung", sagte Heidi Hennig von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. Der Schüler kennt sich nach Polizei-Angaben gut mit Computer und Internet aus. So habe er einfach irgendwo das Passwort einer E-Mail-Adresse geknackt. Dann habe er seinen Text abgeschickt. "Er hatte Frust wegen seiner schulischen Leistungen", sagte die Sprecherin zum Motiv der Tat.

Doch damit hat er auch eine Welle aus Angst und Schrecken in Stollberg ausgelöst. Der junge Referendar informierte die Schulleitung, diese wiederum Eltern und Schüler. Schnell war das Thema im sozialen Netzwerk Facebook in aller Munde. Die Polizei reagierte sofort. Besagter Schriftverkehr im Internet wurde von Facebook komplett gelöscht. Die Schulleitung hatte für den dar-auffolgenden Montag, den 5. Dezember, den Unterricht für die etwa 600 Schüler und 70 Lehrer komplett abgesagt - zudem waren 25 Polizeibeamte mit fünf Sprengstoffspürhunden an jenem Morgen im Schulgebäude. Gefunden wurde nichts.

Parallel zum Einsatz vor Ort nahm die Polizei auch die Suche nach dem Absender der Droh-E-Mail auf. Schließlich konnten die Ermittler eine Spur zu dem 16-Jährigen finden und verfolgen. Bei einer späteren Durchsuchung seines Zimmers wurden aber auch keinerlei Waffen oder explosive Stoffe gefunden. "In seiner Vernehmung bedauerte der 16-Jährige sein Handeln und entschuldigte sich bei den Betroffenen", sagte Polizeisprecherin Hennig weiter. Über den genauen Inhalt der E-Mail wolle die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sprechen. Über weitere Maßnahmen gegen den 16-Jährigen werde nun die Staatsanwaltschaft entscheiden, hieß es. Der mutmaßliche Täter wird im Fall eines Strafverfahrens wegen seines Alters nach dem milderen Jugendstrafrecht verurteilt. Dabei steht nicht die Strafe, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Wäre er erwachsen, würden ihm bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe drohen.

Kerstin Lange, die Direktorin des Stollberger Carl-von-Bach-Gymnasiums, zeigte sich im Gespräch mit der "Freien Presse" erleichtert über den Ermittlungserfolg der Polizei. "Wir sind froh, dass der Tatverdächtige nicht von uns ist. Es war in den vergangenen Wochen doch Misstrauen in der Schule spürbar, dass in einer der Klassen jemand sitzen könnte, der dem Haus Schaden zufügen wollte", sagte Lange.

 
erschienen am 10.01.2012 ( Von Jan Oechsner )
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