Löscharbeiten Kurz vor 4 Uhr ist am Freitag die Feuerwehr zu einem Scheunenbrand in Leukersdorf gerufen worden. Die Flammen drohten, auf das angrenzende Wohnhaus überzugreifen. Es war nicht der erste Einsatz in dieser Nacht. Ein Pkw-Brand in Leukersdorf und ein brennender Kiosk am Jahnsdorfer Freibad mussten unmittelbar zuvor gelöscht werden.

Foto: Härtelpress

Jagt die Polizei einen Serienbrandstifter?

Auto, Scheune und Kiosk werden Opfer der Flammen

Jahnsdorf. Die Leukersdorferin kämpft an diesem Freitagvormittag mit den Tränen: "Ich hoffe nur, dass sie gefasst werden. Hier standen Menschenleben auf dem Spiel. Wäre ich nicht aufgewacht, wäre meine Tochter vielleicht erstickt." Fassungslos blickt die 34-Jährige auf die Scheune an ihrem Wohnhaus. Nur noch ein verkohltes Gerippe ist davon übrig. Stroh, Heu und Holz waren hier gelagert. Zerstört auch der Schuppen, der die Scheune mit dem Wohnhaus verbindet. Im Kinderzimmer im Obergeschoss, in dem die elfjährige Tochter schlief, sind die Wände rußgeschwärzt.

Die Familie hat Glück, dass das Martinshorn bereits durch Leukersdorf heult. 1.30 Uhr war der Brand eines Autos gemeldet worden. Knapp zwei Stunden später ein Feuerschein im Freibad Jahnsdorf. "Irgendwann zwischen halb und um vier bin ich wachgeworden", berichtet die Mutter. Sie riecht Verbranntes, rüttelt ihren Vater (56) und die Tochter wach, ruft die Feuerwehr. Dann rennt sie hinunter, öffnet die Tür zum Schuppen und sieht die Flammen. Mit ihrem Vater versucht sie, mit dem Gartenschlauch zu löschen - vergeblich.

"Zum Glück war die Feuerwehr so schnell da, sonst hätte hier vielleicht alles gebrannt.", erzählt sie. Flammen und Hitze haben Auto und Carport zugesetzt, Scheiben bersten lassen. Auch ein Nachbarhaus mit Carport ist betroffen.

Brandorte Links und rechts der A 72 brannte es in der Nacht zum Freitag dreimal.

Foto: Tilo Steiner

Rund 60 Einsatzkräfte der Wehren aus Jahnsdorf, Leukersdorf, Pfaffenhain, Adorf, Neukirchen und Lugau eilen zum Unglücksort. Als sie eintreffen, steht die Scheune vollständig in Flammen. Etwa eine Stunde brauchen die Männer, bis das Feuer mit Wasser aus dem Dorfbach, einem Swimmingpool und einem Hydranten gelöscht ist.

"Drei Brände Schlag auf Schlag - das hatten wir noch nicht in einer Nacht", sagt Jahnsdorfs Gemeindewehrleiter Frank Voitel. Wo in der Nacht an der Ursprunger Straße in Leukersdorf ein Ford völlig ausbrannte, ist am Tag darauf nur noch ein schwarzer Fleck auf dem Boden zu sehen. Das Fahrzeugwrack hat die Polizei abtransportiert, es wird nun kriminaltechnisch untersucht.

Auch vom Kiosk auf dem Gelände des Jahnsdorfer Freibades ist nicht viel übrig. Wieder waren die Ortswehren im Einsatz. Seit 2010 wird der Kiosk nicht mehr betrieben. "Ich wollte ihn der Gemeinde verkaufen", sagt der Besitzer (51). Nun ist das Innere des Holzbaus ausgebrannt, Ausschank, Absauganlage, zwei Kühlschränke dahin. "Das konnte sich nicht selbst entzünden, hier lag kein Strom mehr an", sagt der Mann.

"Wir gehen in allen drei Fällen von Brandstiftung aus", sagt Frank Fischer, Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. Zeiten und Orte lägen den Verdacht nahe, dass die Brände in Zusammenhang stehen. Zur Schadenssumme kann Fischer noch nichts sagen. Bereits von Mitte April bis Anfang Juni hatten sich Brände mit unbekannter Ursache in der Gemeinde gehäuft, so brannten unter anderem das Rittergut in Leukersdorf sowie, auch an der Ursprunger Straße, eine Gartenlaube. Die Polizei prüft nun mögliche Zusammenhänge. Viele Menschen in Jahnsdorf zeigen sich geschockt - nicht nur die Betroffenen. "Ich bin sprachlos", bekennt Bürgermeister Carsten Michaelis. "Wir wissen im Moment nicht, was mit uns geschieht."

 
erschienen am 19.08.2011 ( Von Franziska Muth )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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