Kita Die Deutschrocker von Engel in Zivil mit den Sängerinnen der Erzgebirgsgruppe auf der Bühne im Jahnsdorfer Vereinssaal. Zur guten Stimmung haben natürlich auch die Kinder beigetragen. Denn vor der Show hatte sich schon ein kleines Mädchen fast unbemerkt ans Schlagzeug gesetzt - und sorgte ebenso für Lacher wie ein kleiner Junge, der sich ein Moped vom Weihnachtsmann wünscht. Ansonsten: Mitgesungen haben natürlich auch alle.

Foto: A. Tannert

Schneeflöckchen rockt die Kita

Deutschrocker von Engel in Zivil singen vor Kindern Weihnachtslieder

Jahnsdorf. Das derbe Leder atmet. T-Shirts, schwarz, nassgeschwitzt. Die Bühne ist eine singende Kampfansage aus tiefen Kehlen - gegen das Normale der vielen Tage zwischen den Wochenenden. So leben die Deutschrocker von Engel in Zivil. Es ist immer dunkel draußen, wenn sie drinnen auftreten. Und für ihre Fans sind sie eh die härtesten fünf Kerle, die das Erzgebirge zu bieten hat.

Die Ehrenfriedersdorfer können aber auch anders. Schneeflöckchen Weißröckchen. Im Dreivierteltakt.

Es ist 16.10 Uhr. Der Vereinssaal im kleinen Jahnsdorf. Eigentlich eine Un-Zeit für die Rockbühne. Es sei denn, die Engel in Zivil geben eine Weihnachtstour, bei der die fünf Männer mit ihren Tattoos und ihren Ohrringen vor Kitakindern auftreten. Die wie alle Knirpse dieser Welt das kritischste Publikum überhaupt sind. Es wird nicht abgerockt, sondern musiziert. Heute ist Engel in Zivil eine Musikkapelle, mit Schmiss.

Seit Anfang Dezember ist die Band unterwegs und gereicht mit der bekannten Erzgebirgsgruppe Ehrenfriedersdorf Kindern schöne Weihnachtslieder zum Genuss - in Annaberg-Buchholz, Thum, Mühlau, Ehrenfriedersdorf und nun in Jahnsdorf bei Stollberg. "Wir sind überrascht, dass wir - zusammen mit den Mädels der Erzgebirgsgruppe - so gut ankommen", so Holger Rockstroh über diese ganz und gar andere Tour. Dieser Bassgitarrist, der auch als Bass mitsingt, aber nur über eine Oktave. Ja, diese Auftritte seien schon ein "wenig herausfordernd". Allein dieses Stillstehenmüssen, dort am Verstärker. Eigentlich verboten, bei harten Gigs strikt verboten. Aber da will ja auch niemand "Leise rieselt der Schnee" hören.

Im Vereinssaal schon. Vor zwei Jahren ist die Idee entstanden, vor Kindern "Kling, Glöckchen, Klingelingeling" mit seichten Gitarrenriffs zu spielen. "Wir bekamen nur positive Kritiken. Dieses Jahr haben wir intensiv geprobt", sagt Carmen Krüger, Chefin der Erzgebirgsgruppe Ehrenfriedersdorf. Gitarrist Christian Bös hat Lieder neu arrangiert. Fast verwunderlich, dass das Projekt keinem eher einfiel. Schließlich geben die Deutschrocker Musikunterricht für Kleine. Vier von ihnen sind stolze Papas von vier Töchtern.

Das Konzert am Mittwoch vor mehr als 100 Leuten war der Abschluss eines Projektes, welches auch "Jauchzet und rocket im Arzgebirg" hätte heißen können - und immer von den Machern als eine Art Dankeschön für alle Kinder und Eltern und Großeltern galt. In Jahnsdorf etwa war es die Papiersammelaktion übers Jahr. "Immerhin ist das Papiersammeln Teil eines ausgeklügelten Finanzsystems, um etwa Spielzeuge zu kaufen", sagt Michael Knauth. Da der Mann mit dem Pferdeschwanz die Engel in Zivil schon eine halbe Ewigkeit kennt - auch aus der Schule, auch aus 20 Konzerten - hat er als Elternbeirat die Jahnsdorfer Kita "Sonnenschein" und den Hort "Tintenklecks" noch rasch in die Konzertliste der Deutschrocker eingetragen.

Am 4. Dezember hatte die Tour der Engel in Zivil mit den fröhlichen Frauen der Erzgebirgsgruppe im Annaberger Spieleland "Anamania" begonnen. Ein guter Einstand, wie dessen Chefin, Isabel Pohrt, damals sagte. "Die Mischung aus rockigeren Klängen und dem Erzgebirgischen hat gepasst." Und am Mittwoch? "Jingle Bells" und "White Christmas", vor allem aber das "Heiligohmdlied" oder der Song vom Raachermännl wurden gesungen, mit verzerrten Gitarren gespielt und von Kinderhänden beklatscht. Um 17.14 Uhr sangen die Kinder noch ein eigenes Lied. Die Weihnachtstour ist zu Ende. Bis zum nächsten Jahr? "Bestimmt", so Bassist Rockstroh. Bis dahin atmet er wieder das derbe Leder auf den Rockerbühnen. Mit nassgeschwitzten T-Shirts. (mit dit)

 
erschienen am 21.12.2011 ( Von Jan Oechsner )
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