Pfarrer Andreas Dohrn.Foto: A. Tannert/Archiv
Stollberger Pfarrer eröffnet gegen Gebühr Filiale vom "Arbeitsamt Gottes"
Deutschlands erste christliche Arbeitsvermittlung expandiert: Im Vogtland wird das Modell als Franchise-Projekt umgesetzt
Stollberg. Franchise bedeutet übersetzt etwa, dass ein Unternehmer das Geschäftskonzept einer Firma ebenfalls nutzt. Dafür muss er meist eine Gebühr bezahlen, kann sich im Gegenzug aber auch mit der guten Marke des bereits bestehenden Unternehmens schmücken. Dies wird oft im Bereich großer Fast-Food-Unternehmen, bei Tankstellen, der Gastronomie oder in der Hotelerie praktiziert.
Doch nun kommt ein neues Geschäftsfeld hinzu: Deutschlands erste christliche Arbeitsvermittlung in Stollberg wird ein sogenannter Franchise-Geber. "Auch in diesem Punkt ist unsere Kirchgemeinde die erste in Deutschland", sagt Andreas Dohrn, Pfarrer der St.-Jakobi-Kirchgemeinde Stollberg. Der Franchise-Nehmer ist der Obervogtländische Verein für innere Mission (OVV) in Oelsnitz/Vogtland. Start der Zusammenarbeit: 1. Juni.
Die Stollberger nehmen für die Weitergabe ihrer Idee von "Gottes Arbeitsamt" - Arbeitslose werden vornehmlich an christliche Einrichtungen vermittelt - keine am Markt übliche Eintrittsgebühr. Dafür aber eine Monatsgebühr: "Wie hoch die ist, darf ich aus vertragsrechtlicher Sicht nicht nennen. Aber soviel sage ich: Sie ist dreistellig, also übersichtlich", so Dohrn.
Und dann erzählt der Pfarrer weiter: "Unsere christliche Arbeitsvermittlung ist ein bundesweit ausgezeichnetes Modellunternehmen. Wir vergeben nun in einem Radius von 35 Kilometer die Markenrechte und unser Konzept an Franchise-Partner. Wir freuen uns, dass wir mit dem OVV und damit einem großen Diakonieträger als erstem deutschen Franchise-Partner beginnen." Zusammen mit der Berliner Stiftung "Bürgermut" habe die Stollberger Kirchgemeinde das Franchisekonzept entwickelt.
In den Räumen vom vogtländischen OVV-Sozialwerk "Das Netz" in Oelsnitz werden - ähnlich wie in Stollberg - geeignete Bewerber an passende Arbeitgeber vermittelt. Unter Leitung des Sozialpädagogen Thomas Kebschull sind laut Dohrn zwei christliche Arbeitsvermittler hauptsächlich für die Branchen Gesundheit, Soziales, Handwerk, Reinigung und Gastronomie tätig.
Rückblick: Die hiesige Kirchgemeinde, die Stadt Stollberg und ein großes Wohnungsunternehmen haben vor Jahren gemeinsam das Bürgerbegegnungszentrum "Das Dürer" entwickelt und damit beim Deutschen Stadtumbau-Forum den ostdeutschen Modellvorhaben-Preis gewonnen. "Unsere dort angesiedelte Arbeitsvermittlung war und ist und bleibt unser Beitrag zum Stadtteilzentrum", sagt Dohrn. Sie vermittele Arbeitslose vornehmlich an christliche Einrichtungen wie Wohlfahrtsverbände, Kliniken, Sozialstationen und andere.

