Gebäude und Glocken sind wichtig, Menschen sind wichtiger", sagte Borstendorfs Pfarrer Bernd Schieritz (links) als er mit Heinz Wolf vom Kirchenvorstand die beiden Stahlglocken aus dem Jahr 1954 begutachtete.Foto: Thomas Fritzsch
Kirche erhält nicht nur neue Bronzeglocken
Feierlicher Klang der Glocken fehlte während der Weihnachtstage, in diesem Jahr sollen sie wieder läuten
Borstendorf . Das Wort von einer Leere im Ort macht derzeit in Borstendorf die Runde. Denn das vertraute Läuten der Kirchenglocken begleitet die Menschen derzeit nicht durch den Tag. Da fehle schon etwas, vor allem bei Hochzeiten und Beerdigungen, meint Pfarrer Bernd Schieritz, der die Kirchgemeinden Leubsdorf, Borstendorf und Schellenberg betreut.
Die zwei Stahlglocken, 1954 geweiht, stehen derzeit auf dem Boden neben dem Gotteshaus. 2012 soll der Glockenstuhl in Betreuung eines Dresdner Ingenieurbüros komplett erneuert werden, erzählt Heinz Wolf vom Kirchenvorstand. Bei ihm laufen viele Fäden für das Vorhaben zusammen. Das 1820 entstandene Kirchenschiff erhielt im Jahr 1929 einen eisernen Glockenstuhl, der eine nur begrenzte Lebensdauer hat. Älter ist das ursprüngliche Geläut, es stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, so Wolf. Es hatte vier Glocken aus Bronze, die drei großen sollten im Zweiten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen werden. Eine davon wurde nach dem Krieg noch auf dem Glockenfriedhof von Hamburg wiedergefunden und nach Borstendorf gebracht.
Von den fünf vorhandenen Glocken wurden in Borstendorf drei elektrisch geläutet, zwei erklangen per Hand stets nur am Silvesterabend und in der Osternacht. Die zwei Stahlglocken - eine Interimslösung nach dem Krieg - mit hartem Klang sollen nunmehr durch bronzene ersetzt werden. Auch der Glockenstuhl werde wieder originalgetreu aufgebaut. Das erfolge durch eine Zimmerei aus Leubsdorf, die am Standort des alten Glockenstuhles einen völlig neuen aus Eichenholz errichtet. "Das ist eine Herausforderung an die Statik", meint Wolf. Auch die Aufhängung des Geläuts werde wieder aus Leder gefertigt.
Zwei neue Bronzeglocken werden wohl im ersten Quartal in der Glockengießerei Perner in Passau neu gegossen. "Wenn es klappt, will der Kirchenvorstand mit interessierten Borstendorfern beim Guss dabei sein", sagt Wolf. Doch zuvor müssen erst die reparaturbedürftigen alten Bronzeglocken von der Glockenschweißerei Nördlingen aufgearbeitet werden. Aber wahrscheinlich ist der Zustand einer Glocke so unzureichend, dass auch sie neu gegossen werden muss, erzählt Heinz Wolf. Nachdem die alte Glocke repariert ist, kann ihre Tonanalyse erfolgen. Dazu passend soll das neue Bronzegeläut stimmig gegossen werden, so der Kirchenvorstand.
Der Bau werde mit Fördermitteln des Regionalkirchenamtes Chemnitz, der Sparkassenstiftung, vom Denkmalschutz und aus Spendenmitteln der Borstendorfer finanziert. Insgesamt betragen die Kosten rund 71.000 Euro. Mit der weiterhin für 2012 vorgesehenen Erneuerung des Dachs und der Fenster des Kirchenbaus summiert sich das Vorhaben auf 270.000 Euro, so der Pfarrer.
Die beiden 1954 geweihten Stahlgussglocken bleiben vorerst ein Jahr neben der Kirche in Borstendorf stehen. Sollte es Interesse von einer Kirchgemeinde in Osteuropa oder vom Balkan an den Glocken geben, würden die Borstendorfer diese abgeben. "Man kann geweihte Glocken nicht einfach einschmelzen", macht Heinz Wolf aufmerksam. Sollte es keine derartige Anfrage geben, würden die zwei Stahlglocken in die Erde neben der Kirche eingebracht.
2002 hat Pfarrer Schieritz bereits in der Leubsdorfer Kirche zwei neue Bronzeglocken geweiht. Das sei ein besonderer und feierlicher Moment. Er hofft, dass er in diesem Jahr die neuen Borstendorfer Glocken weihen kann. Viele Borstendorfer wünschen sich, dass zu Ostern die Glocken wieder erklingen, sagt Heinz Wolf. Das sei aber noch ungewiss.


