Mann Der 97-jährige Walter Schröter aus Borstendorf ist stolz auf die Waldpyramide, die sein Vater Max von 1951 bis 1956 geschnitzt hat und für die er die Elektrik bastelte. Er erlebte als Junge die Vereinsgründung, denn Vater Max Schröter war einer der Initiatoren.

Foto: Thomas Fritzsch

Schnitzer bereiten sich selbst ein Jubiläumsgeschenk

Zum Geburtstag laden Vereinsmitglieder erneut zu ihrer traditionellen Schau ein

Borstendorf. Alle fünf Jahre, immer in der zweiten Januarhälfte, findet in Borstendorf die Große Schnitz- und Bastelausstellung statt. Sie lockte zu DDR-Zeiten mitunter gar über 20.000 Besucher an. Die Warteschlangen der Freunde erzgebirgischer Volkskunst vor dem Kulturhaus waren legendär. Und selbst zu den vergangenen Ausstellungen kamen noch Tausende Interessierte. 4700 Gäste waren es 2007, da wurden die Schnitzarbeiten erstmals in der frühere Schule präsentiert.

Unter den etwa 400 Exponaten, die vom 21. bis zum 29. Januar 2012 wieder in der Schule gezeigt werden, sind etliche neue Arbeiten, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind. Manche wurden in diesen Tagen erst fertig. Aber ebenso repräsentiert die Schau 85 Jahre Vereinsgeschichte. Sie zeigt, wie mit Liebe zur Schnitzkunst dem Holz Leben eingehaucht werden konnte; ergänzend sind Klöppelarbeiten zu sehen.

Denn die Ausstellung ist immer zugleich das Geschenk, das sich die Schnitzer und Bastler mithilfe der Klöpplerinnen selbst zum Geburtstag bereiten. Am 27. Januar 1927 haben elf Schnitzer des Ortes die Weihnachtsbastelgruppe Borstendorf gegründet. Wie der stellvertretende Vereinsvorsitzende Matthias Aurich schildert, hat der heute 97-jährige Walter Schröter das Ereignis damals bereits miterlebt. Denn sein Vater, Max Schröter, war einer der Hauptinitiatoren der Vereinsgründung. So ist auch die von Vater und Sohn geschnitzte und gebastelte Waldpyramide eine der Attraktionen der Ausstellung 2012. Vom ältesten noch aktiven Schnitzer, dem 82-jährigen Alfred Grimmer, sind sogar etliche neue Stücke dabei.

Ein Anziehungspunkt werden ebenso die einzigartigen Miniaturen von Horst Schreiter sein. Seine Pyramide in einem Kirschkern, die sich dreht, ist ebenso ein Wunder wie die filigranen Bäumchen im Kern und andere geschnitzte Kunstwerke en miniature. Der 85-Jährige, der als erster im Erzgebirge mit dem "Goldenen Schnitzmesser" ausgezeichnet wurde und vorerst wegen eines Augenleidens nicht mehr schnitzen kann, hat über vier Jahrzehnte den Verein geleitet.

Zudem hat er in fünf Jahrzehnten in der Kinderschnitzgruppe Generationen von Borstendorfern die Fertigkeiten und die Geduld zum Schnitzen und die Freude daran vermittelt. So war auch der heutige Leiter der Kinderschnitzgruppe Wolfgang Wagner einst ein Schüler von Horst Schreiter. Er setzt die Tradition der Gemeinschaftsarbeiten fort. Der Nachwuchs hat beispielsweise die Schulschließung in Holz gebannt und ebenso einen Ausflug zum Fuchsturm. Überhaupt, so schildert Matthias Aurich, sei es eine Spezifik der Borstendorfer Schnitzer, Szenen aus dem dörflichen Leben festzuhalten. Von den 30 Mitgliedern trifft sich ein knappes Drittel mehr oder weniger regelmäßig donnerstags im Vereinshaus zum Austausch, darunter Rentner, aber auch Vertreter vieler Berufe vom Tischler, über IT-Netztechniker, Elektriker, Schlossermeister bis zum Geotechniker. Daneben gibt es eine Jugendgruppe, die seit 1980 von Christian Groschupp geleitet wird.

So ist die Begeisterung am Schnitzen überall im Schachdorf, das auch Schnitzdorf heißen könnte, gegenwärtig. Die traditionelle Ausstellung sei der kulturelle Höhepunkt im Ort, sagt Vereinschef Bernd Neubert, der seit mehr als zehn Jahren die Truppe zusammenhält. "Wir werden auch das 100-jährige Bestehen noch feiern", ist er überzeugt. Dafür gibt es gute Chancen, er ist 38 und seine Stellvertreter 36 Jahre - auch an Nachwuchs mangelt es nicht. So darf man sich nicht nur auf die Ausstellung im Januar, sondern auch auf weitere freuen.

 
erschienen am 29.12.2011 ( Von Gudrun Müller )
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