Vier Orte surfen auf Superdatenautobahn
Einwohner profitieren vom Bundesmodellprojekt Breitbandausbau
Grünhainchen. Die superschnelle Datenautobahn, die Übertragungsraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erlaubt, verbindet seit vier Tagen das Internet mit dem Rechner von Detlef Granz. "Wahnsinn. Ein leichter Druck auf die Maus, und die Seite erscheint sofort. Eine Datei ist fix hoch geladen", schildert Granz, der die Antennengemeinschaft in Grünhainichen leitet. Den schnellen Zugang ins weltweite Netz können in Grünhainichen, Waldkirchen, Börnichen und Borstendorf seit wenigen Tagen Mitglieder der Antennengemeinschaften nutzen. Der Verwaltungsverband "Wilden-stein" war eines von deutschlandweit 26 Modellprojekten des Bundeswirtschaftsministeriums für Breitbandausbau und bekam dafür 450.000 Euro Fördermittel.
"Das ist eine feine Sache, das verschafft unseren Antennengemeinschaften Zulauf. Den Mitgliedern steht nicht nur das schnelle Internet, sondern zugleich ein teilweise erneuertes Netz zur Verfügung", hebt Granz hervor. Christian Steiner von einer der beiden Antennengemeinschaften Waldkirchens sagt, er sei diese Woche auf der Straße von Einwohnern angesprochen worden, die sich über das neue Angebot freuen. Er relativiert aber, dass die 100 Megabit wohl nur Spezialisten benötigen, vor allem junge Leute, die viel runterladen. Das sei zudem eine Kostenfrage. Für die meisten würden 25 Megabit reichen. Wer bis 100 will, braucht das Modem Docsis 3.0
Granz beschäftigt sich auch beruflich mit Kommunikationstechnologie und weiß, dass die Superdatenautobahn ein wichtiger Standortvorteil ist. Das bestätigt die Waldkirchner Steuerberaterin Heike Ullmann. Das schnelle Internet erleichtere jetzt ihre Arbeit und verringere den Zeitaufwand, sagt sie.
Andere Antennengemeinschaften interessierten sich für die Herangehensweise im Verwaltungsverband. Die Anfragen könnten noch zunehmen, denn der Verwaltungsverband hat mit dem Modellprojekt im ländlichen Raum Erfahrungen bei der Nutzung des Koaxialkabels der Antennengemeinschaften sammeln können. Obwohl das Kabel meist über 20 Jahre in der Erde liegt, ist es für Günter Rötzer vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Marienberg, der das Vorhaben begleitete, ein Mercedes unter den Möglichkeiten für den Ausbau der Datenübertragungsleitung. Und damit ein großes Plus auch für diese fünf Antennengemeinschaften, deren Arbeit er mit Nachdruck würdigt. Diese würden nun auch eine Form suchen, wie die neue Datenautobahn künftig betreut werden kann.
Weitere Orte - vor allem im grenznahen Marienberger Raum - würden mit Mitteln aus dem Fördertopf für Integrierte ländliche Entwicklung (Ile) die Voraussetzungen für eine vergleichbar schnelle Datenautobahn schaffen, sagt Rötzer. Das seien Satzung, Reitzenhain, Kühnhaide, Lauterbach, Pobershau, Rübenau, Gebirge, Gelobtland, Niederlautenstein. Auch in der Stadt Marienberg sei der Ausbau geplant, allerdings ohne Ile-Förderung, so Rötzer.

