Zum Benefizkonzert in der Stadtkirche in Augustusburg spielten Matthias Neubert (v.l.), Renate Golde-Haase und Susanne Klotz.
Foto: Toni Söll
Die Orgel erklingt für sich selbst
Musik zum Heiligabend in der Augustusburger Kirche diente einem guten Zweck
Augustusburg. In Augustusburg ist in den zurückliegenden Jahren ein neuer Weihnachtsbrauch daraus entstanden, dass sich am Heiligabend ab 22 Uhr in der Kirche St. Petri viele Leute zu einer kleinen musikalischen Feier treffen. Mit den Konzerten soll zwar in erster Linie Geld gesammelt werden, um die Orgel restaurieren zu können. Der schöne Zweck aber ist ein Erlebnis geworden, mit dem die Menschen für die späten Stunden des Abends rechnen wie mit dem Krippenspiel am Nachmittag. An die 200 Besucher waren diesmal gekommen, um Musik zur Heiligen Nacht zu hören, die von Renate Golde-Haase, Orgel, Susanne Klotz, Violine und Matthias Neubert, Flöte, gespielt wurde. Zwischen den einzelnen Musikstücken las die Augustusburgerin Simone Lantzsch mit ausdrucksvoller Stimme besinnliche Texte, die sich mit dem Ereignis der Geburt Christi literarisch befassen wie auf musikalische Weise die Kompositionen.
Programm wirkte wie aus einem Guss
Das Programm hatte Renate Golde-Haase komplett selbst zusammengestellt, maßvoll und wie aus einem Guss alles aufeinander abgestimmt, natürlich unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Spielmöglichkeiten der Orgel. Das war der Fall sowohl in den solistischen Orgelstücken wie etwa einer Pastorale Johann Sebastian Bachs oder den beiden Choralfassungen "Lobt Gott, ihr Christen" - einmal von Dietrich Buxtehude, zum anderen ebenfalls von Bach. Die Jehmlich-Orgel gibt trotz der fehlenden Register, die zum bereits ausgebauten Manual gehören, noch immer einen schönen Klang her, sie lieh dem Weihnachtsfest in der St. Petrikirche musikalisch nach wie vor ihren Dienst.
Polyphone Klangwirkung von Geige, Flöte und Orgel
Renate Golde-Haase hatte die Orgelstimmen im Zusammenspiel mit Susanne Klotz und Matthias Haase in gebotener Zurückhaltung registriert, damit die schöne polyphone Klangwirkung von Geige, Flöte und Orgel zustandekam. Das Pastorale des Italieners Francesco Manfredini wurde so zu einem verwunderten dreifachen Hirtengesang, wie ihn der Zeitgefährte Bachs in einem Concerto grosso hinterließ, das als Weihnachtssinfonia seinen Namen berühmt machte. Die drei musizierten die Pastorale in einem gesanglich konzertierenden Ton, den sie auch in anderen Stücken von Telemann oder Mozart anschlugen.
Der Augustusburger Ärztin Susanne Klotz und dem Flöhaer Musiklehrer Matthias Neubert muss man wie auch der Kantorin i.R. Renate Golde-Haase die Bereitschaft hoch anrechnen, am Heiligabend Musik zu spielen, die der Orgel zugutekommt, weil sie Freude bereitet und Menschen zusammenführt, ebenso Simone Lantzsch mit ihren Lesungen.
Die Idee dieser Benefizkonzerte, die vor ein paar Jahren aus dem Orgelverein kam und von mehreren einheimischen Musikern schon mitgetragen wurde, hat gute Resonanz in der Stadt gefunden.

