Kleingartenvereine stehen unter Beobachtung
Im Kreis Mittelsachsen müssen fünf Sparten um ihre kleingärtnerische Gemeinnützigkeit bangen
Flöha. Das Landratsamt schaut jetzt genauer hin: Bei jeder siebenten der 35 Kleingartenanlagen, die voriges Jahr kontrolliert wurden, wackelt der besondere Schutz durch das Bundeskleingartengesetz. Zu hohe Hecken, zu viele Nadelbäume, fehlende Bewirtschaftung - das waren die Hauptkritikpunkte bei den Begehungen. Die Anerkennung der kleingärtnerischen Gemeinnützigkeit wurde bei der Hand voll Vereine ausgesetzt, sie werden dieses Jahr erneut kontrolliert.
Betroffen sind vorerst offenbar nur Anlagen im Regionalverband der Gartenfreunde Freiberg, wie dessen Geschäftsführer Günter Howitz bestätigt. Ihm gehören 118 Gartenvereine von Rechenberg-Bienenmühle im Süden des Landkreises Mittelsachsen bis Siebenlehn, von Naundorf im Osten bis Niederwiesa an. Konkrete Namen nennt Howitz aber nicht: "Wir wollen die Vereine nicht an den Pranger stellen."
Das Thema ist durchaus ernst, betont Peter Paschke vom Landesverband Sachsen der Kleingärtner: "Der Grundstückseigentümer kann dann viel leichter kündigen und die Pacht erhöhen." Bei Kleingärten würden im Jahr etwa 8 Cent pro Quadratmeter verlangt, bei sogenannten Erholungsgrundstücken werde in bestimmten Lagen in Dresden mehr als das Zwanzigfache dieses Betrages fällig, weiß der Präsident. In der Landeshauptstadt hätten bereits sechs Anlagen den Kleingarten-Status verloren, darunter die "Gitterseer Höhe" nach einem Rechtsstreit mit der Kirche als Landeigentümerin. "Die Vereine sollten wenn irgend möglich die Nutzung anpassen oder ein paar Bäume fällen", rät Paschke den betroffenen Mittelsachsen. Dieses Jahr werde auch beim Territorialverband der Kleingärtner Brand-Erbisdorf kontrolliert, weiß Geschäftsführerin Regina Ludwig: "Die Kreisverwaltung legt die Gesetze jetzt besonders strikt aus." Seit der letzten Kontrolle vor fünf Jahren sei immer wieder mit den Vereinsvorständen geredet worden: "Wir sind keine Gartenpolizei, aber wir weisen auf die Konsequenzen hin."
Auch Rolf Steinert vom Regionalverband Borna, Geithain, Rochlitz kennt seine Pappenheimer. "Manche geben irrsinnig viel Geld für Teiche oder Gipsfiguren aus, statt eine Motorfräse zu kaufen, mit der ein Beet ratzfatz ordentlich hergerichtet ist", ärgert sich der Geschäftsführer.


