Die Mitarbeiter "Freien Presse" Flöha, Eveline Rößler, Ulli Schubert, Franziska Pester, Verena Toth (v. l.) und Gudrun Frohmader (hinten), blicken auf das Jahr zurück und erzählen sich ihre lustigen Pannen. 
Die Mitarbeiter "Freien Presse" Flöha, Eveline Rößler, Ulli Schubert, Franziska Pester, Verena Toth (v. l.) und Gudrun Frohmader (hinten), blicken auf das Jahr zurück und erzählen sich ihre lustigen Pannen.

Foto: Toni Söll

Mit welchen Tücken Journalisten kämpfen

Für die Redakteure der "Freien Presse" war 2011 ein ereignisreiches Jahr - Auch Pannen gehörten dazu

Flöha. Zum Ende eines Jahres wird Bilanz gezogen. Neben zahlreichen Terminen, Texten und Themen, über die die Macher der Flöhaer Lokalausgabe viel zu erzählen haben, hat jeder auch ganz persönliche, lustige Episoden erlebt.

Katrin Kablau

Mich bringt so leicht nichts aus der Ruhe: Dieser Eigenschaft verdanke ich meinen ersten kriminalistischen Einsatz. Beim 3. Freiberger Fahrradzickzack, einer Aktion von "Freie Presse", landeten im Wettkampfbüro die Problemfälle auf meinem Tisch. Was war passiert? Die FFZ-Teilnehmer hatten sich drei Stunden lang im Regen abgestrampelt. Die Kleidung war so durchnässt, dass auch die Fahrtenbücher gewässert waren. So lag nicht ein Problemfall, sondern ein glibbriger Haufen vor mir. Er erinnerte an einen missglückten Versuch, Papier zu schöpfen als an gefaltete Fahrtenbücher. Doch die Radfahrer wegschicken, das brachte ich nicht übers Herz. Stück für Stück entschlüsselte ich die Zeichen auf dem Papierbrei und verhalf ausgerechnet der späteren Siegerin in der Frauenwertung mit diesem Recherche-Sondereinsatz zu ihrem Pokal.

Ulli Schubert

Es mag altmodisch erscheinen, ich aber bin für Pünktlichkeit. Wenn ich diese von anderen verlange, muss ich selbst auch pünktlich sein. Daher überlege ich stets, wann ich mich auf den Weg mache. Dass Sonntagsfahrer auch mittwochs unterwegs sind, hatte ich aber nicht bedacht. Es war schon einige Minuten nach zehn, als ich in Hohenfichte die Autotür zuschlug. Der Hausherr öffnete die Tür mit einem gewissen Lächeln um seinen Mund. "Ach, der Herr Schubert, wir hatten Sie schon gestern erwartet", sagte er. Und ich hatte keinen Grund mehr, mich wegen vier Minuten Verspätung zu entschuldigen.

Verena Toth

Die digitale Foto-Technik ist eine super Sache. Schnell ist ein Foto im Kasten und auf der Speicherkarte. Wichtig ist, immer auf einen geladenen Akku zu achten, denn ohne ausreichend Energie verweigert die Kamera stur ihren Dienst. Also wird vor jedem Termin kontrolliert, was die Batterieanzeige sagt. Sollte das trotzdem schief gehen, hat man einen Ersatzakku dabei. So auch bei einem Termin in der Erdmannsdorfer Grundschule. Mit gutem Gewissen - die Akkus waren voll geladen - komme ich zum Gespräch mit dem Schulleiter an. Jetzt noch ein Foto. Der Auslöser klickt, das Bild erscheint im Display und ... verschwindet wieder. Das Problem: die Speicherkarte fehlt. Sie steckt zu Hause im Kartenleser. Sehr peinlich. 15 Minuten und eine schnelle Einkaufsaktion im nächsten Fachgeschäft später, ist das Foto dann tatsächlich gemacht. Seither steckt neben dem Ersatzakku auch eine Ersatzspeicherkarte in der Tasche.

Eveline Rößler

Schriftsteller, so heißt es, sind oft nicht ganz einfach. Reden nicht gern über ihr Werk, das doch eher für sich sprechen soll. Hüllen sich bei Fragen nach dem Privatleben oft ganz in Schweigen. Also hieß es bei einem Termin mit einem der Großen der Branche in diesem Jahr: Vor dem Gespräch gründlich recherchieren, vorbereiten, Gesprächsverlauf in Gedanken aufbauen, notieren. Und dann sitze ich ihm gegenüber. Schlage mein Buch mit etwa 30 Fragen auf und lese ... Unbedingt Toilettenpapier einkaufen, Nachbarn anrufen, auch mit Sohn telefonieren ... Mein Haushaltsbuch! Im Eifer des Gefechts hatte ich danach gegriffen. Kurzer Schreck, schwarzes Loch im Kopf, dann sagt der Schriftsteller: "Schön haben sie es hier in der Stadt, sie hat sich gemausert, als ich hier als Kind lebte, sah das ganz anders aus." Wir kommen ins Plaudern, und nacheinander fallen mir alle 30 Fragen wieder ein. Es war ein schönes Gespräch, und man merkte wieder einmal: Künstler sind auch nur Menschen.

Gudrun Frohmader

Das Bauwerk 8 der neuen Bundesstraße 173 in Flöha sollte per langen Pumpenrüssel betoniert werden. Das roch nach einem spektakulären Foto. Doch wo zum Fuchs liegt Bauwerk 8, zu dem ich den jungen Fotografen aus Chemnitz schicken sollte? Also machte ich mich an einem schönen, trockenen Spätsommerabend mit meinem dunkelblauen Fiesta auf die Pirsch. Zum alten Güterbahnhof. Fehlanzeige. Danach über staubige, abenteuerliche Pisten Richtung Golfplatz. Die Rallye Dakar war ein Sch ... dagegen. Doch auch hier kein Anzeichen künftiger Betongroßaktion. Ich habe die Brücke ganz in der Nähe der Augustusburger Straße dann doch noch gefunden. Allerdings war danach mein blaues Auto verschwunden: unter einer dicken braunen Schicht Dreck. Und der nächste Regen war noch weit, weit weg ...

Franziska Pester

Ich habe in diesem Jahr mit der Bundeswehr gekämpft. Ich wollte einen der neuen Freiwilligen Wehrdienstleistenden interviewen. Das Kreiswehrersatzamt in Dresden kann mir einen Soldaten aus Mittelsachsen vermitteln - dachte ich. "Derartige Daten existieren nur in Papierform. Wir können nicht so viele Akten durchgucken", hieß es. Man verwies mich an verschiedene Kasernen in Sachsen - vielleicht kenne man dort einen freiwilligen "Bundi". Fehlanzeige. Unglaublich, dass die Bundeswehr Daten über ihre Freiwilligen nicht in digitaler Form erfasst. Also ein Anruf im Verteidigungsministerium in Berlin. "Wo liegt denn Flöha?", fragte mich der Presseoffizier der höchsten Behörde. Als ich meine Geschichte dann schon als gestorben ansah, erhielt ich einen Anruf von der Wehrbereichsverwaltung Ost. "Schicken Sie uns Ihre Anfrage. Wir leiten alles weiter." Einige Tage später hatte man einen Mittelsachsen gefunden - die Antwort kam von der Luftwaffe aus Köln.

 
erschienen am 30.12.2011 ( Von unserer Redaktion )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 31.12.2011
    05:57 Uhr

    brenti: das sind ja tolle Dinge die sieso erlebt haben !!!!!

    Bin beim lesen fast eingeschlafen.

    0 1
     

 
 
 
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