Schneeweiß & Rosenrot mit Sängerin Lucia Cadotsch jazzten am Samstag im Freiberger Theater.
Foto: Eckardt Mildner
Barfuß im Jazz-Märchenland
Die 37. Freiberger Jazztage präsentierten eine märchenhafte Mischung zeitgenössischer Musik
Freiberg. Freiberg. Sängerin Lucia Cadotsch tänzelt barfuß über die Bühne, die die deutsch-schweizerisch-schwedisch-luxemburgische Band Schneeweiß & Rosenrot in ein Märchenland verwandelt hat. "Ein schönes Theater ist das hier", sagt sie. Das Quartett mit Johanna Borchert am Klavier, Petter Eldh am Kontrabass und Marc Lohr am Schlagzeug verbindet komplexe Pop-Songs mit jazzigen Improvisationen, einer Stimme wie Seide, die ganz überzeugend singen kann "be with me, my prince", einem Schlagzeug, das sich immer dann blechscheppernd zu Wort meldet, wenn es allzu sanft zu werden droht, einem Klavier, das sich fast heimlich in die Lieder hineinschleicht, einem Bass, der sich mal an die Worte schmiegt und sich ihnen mal kontrastreich widersetzt.
Songs wie Prosageschichten
Die Songs des bezaubernden Quartetts sind wie kleine Prosageschichten, in die sich unvermittelt lyrische Passagen mischen, oder Gedichte, die sich plötzlich in der Stille auflösen und abrupt verstummen. Eine Entdeckung ist diese Band, wie sie dem Freiberger Jazzclub schon häufiger gelungen ist, der in einem der Hauptkonzerte seiner Jazztage am Samstag auf Kontraste setzte.
Den märchenhaften Pop-Jazz-Miniaturen folgte mit dem Jazz Orchestra Dresden namens Con'trust eine "kleine" Bigband junger Dresdner Musiker unter der Leitung von Paul Berberich, die als ein Orchester der Solisten glänzt. Von der ersten Minute an wird jedes Solo mit begeistertem Szenenapplaus bedacht - und es gibt viel zu applaudieren. Die 15 Musikerinnen und Musiker fühlen sich dem Sound des bekannten tschechischen Band-Leaders Milan Svoboda verpflichtet, interpretieren aber auch neue, eigens für sie geschriebene Stücke in überzeugenden Arrangements, die sowohl Raum für den kraftvollen gemeinsamen Klang als auch für ausschweifende Soli und überraschende Effekte lassen.
Daran mangelt es auch bei den ebenfalls aus Dresden kommenden Funkhop Allstars nicht, die das abschließende Foyer-Konzert bestreiten und nicht nur am besten angezogen sind - fast alle im schwarzen Jackett - sondern auch mit Bekenntnissen und Lebenshilfe für unaufgeräumte Küchen nicht sparen: "Wenn der Charakter verdirbt, ist das fast so schlimm, wie wenn der Regenwald stirbt", "Ich bin der Küchen-Man, lass das Geschirr immer lange stehn", rappt Tobias Tanneberger alias Tanne M.C. zu den Jazz-Hip-Hop-Funk-Klängen seiner drei Musikerkollegen und bietet auch ein paar Atemübungen an.
Luft geht nicht aus
Einen langen Atem haben die Freiberger Jazztage. Und angesichts des abwechslungsreichen und entdeckungsfreudigen 37. Jahrgangs ist auch nicht zu befürchten, dass ihnen die Luft ausgeht. Zumal sich Gert Schmidt namens des Jazzclubs über die Förderung durch den Kulturraum und die Unterstützung von Freibergern freuen kann, die damit allesamt ein Jazz-Märchen am Leben erhalten.
Die 37. Freiberger Jazztage enden am Montagabend, 20 Uhr, mit dem Film "Sounds And Silence" im Audimax in der Freiberger Winklerstraße.


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Emma0815: Das Eröffnungskonzert am Donnerstag war der Wahnsinn, Bitte mehr davon!!!!!!!!