Beim Tag der offenen Tür zeigte Konrad Grunig seiner Familie, wie seine Arbeit in der Metallwerkstatt aussieht. Beim Achsenbohren hilft eine spezielle Schablone, die Maße einzuhalten. Foto:
Foto: Sandra Schlosser
Einblick in eine wertvolle Arbeit
Gäste schauten beim Tag der offenen Tür behinderten Menschen bei ihrer Arbeit über die Schulter
Freiberg. Die Pforten der Freiberger Werkstätten "Friedrich von Bodelschwingh" waren am Sonnabend wieder weit geöffnet. Mehr als 400 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich einen Einblick in das Arbeitsleben geistig, körperlich und seelisch behinderter Menschen zu verschaffen. Der Gebäudekomplex in der Hainichener Straße beherbergt unter anderem eine Metall- und eine Holzwerkstatt, eine Druckerei, eine Kerzenwerkstatt, Bereiche für die Montage und Verpackung unterschiedlicher Kleinteile, Entspannungsräume und eine Großküche mit Speisesaal.
"Alles ist mit Farbe und viel Leben gestaltet, die behinderten Menschen sind zufrieden und fühlen sich wirklich wohl", schwärmte eine ehemalige Betreuerin, die das Wiedersehen mit ihren mittlerweile erwachsenen Schützlingen genoss. Unter den Gästen waren auch viele Familienangehörige, mehrere Konfirmandengruppen und immer wieder ehemalige Mitarbeiter und Zivildienstleistende. Das befürchtete Ausbleiben von Helfern durch den Wegfall der Zivistellen ist hier dank erfolgreicher Werbung nicht eingetreten. "Es lief schleppend an, aber nun sind alle Plätze mit jungen Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr und über den Bundesfreiwilligendienst besetzt", freute sich Roland Liebschner, Geschäftsführer der Diakonie Freiberg. Mit diesem Zusatzpersonal sind es etwa 40 Betreuer, die für die 280 behinderten Menschen da sind.
Anja Zeiß, amtierende Leiterin der Werkstätten, betont, "dass die Gruppenleiter einen entsprechenden handwerklichen Grundberuf und eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation haben". So auch Horst Naumann, Leiter der Metallwerkstatt. In dem großen hellen Arbeitsraum entsteht eine breite Palette an Produkten für die Industrie, aber auch individuelle Anfertigungen für Privatkunden sind möglich. "Viele Betriebe lassen schon seit Jahrzehnten hier fertigen", erklärte Horst Naumann, "aber nach wie vor wissen viele nicht, was für wertvolle Arbeit geleistet wird."
Eine Familie aus Chemnitz war von der angenehmen Atmosphäre angetan: "Wir freuen uns, dass so viel für behinderte Menschen gemacht wird." Die Besucher durften sich auch selbst ausprobieren, so beim Kerzenziehen in der Wachswerkstatt. Diese ist Teil der Nordwerkstatt, wo chronisch psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen ihren eigenen Bereich haben. Pro Tag entstehen bis zu 30 Kerzen: Ob als Tannenbaum, Käsekerze oder Regenbogenstumpen - jede ist ein Unikat. Man bekommt sie und viele andere Produkte ganzjährig im Werkstattladen auf der Petersstraße sowie auf dem Weihnachtsmarkt.


