Evelin Dietrich und ihre Tochter Lina, hier bei den Bäckerglückswochen eines Radiosenders in Dorfchemnitz. Auch dort wurde für die Delphin-Therapie des kleinen Mädchens gesammelt.
Evelin Dietrich und ihre Tochter Lina, hier bei den Bäckerglückswochen eines Radiosenders in Dorfchemnitz. Auch dort wurde für die Delphin-Therapie des kleinen Mädchens gesammelt.

Foto: Eckardt Mildner

Familie kämpft für ihren "Engel"

Lina kann weder laufen noch sprechen - Delphin-Therapie soll Mädchen mit dem Angelman-Syndrom helfen

Brand-Erbisdorf. Blaue Augen, blonde Locken. Zerbrechlich und zart wirkt die kleine Lina, ein bisschen wie ein Engel. "Lina ist damit ein ganz typisches Kind mit Angelman-Syndrom", sagt ihre Mutter Evelin Dietrich. "Sie sehen sich alle sehr ähnlich. Sie lächeln viel, sind meist freundlich, lebensfroh und daher überall beliebt." Auf den ersten Blick scheint alles normal. Doch hinter dem engelhaften Wesen verbirgt sich ein schwerer Gendefekt, der es dem kleinen Mädchen verwehrt, sich normal zu entwickeln.

"Lina ist jetzt auf dem Stand eines etwa einjährigen Kindes, doch die Rückstände werden immer größer. Ihre geistige Entwicklung wird vermutlich auf dem Niveau eines Kleinkindes stehen bleiben", weiß ihre Mutter. Sie und ihr Mann stammen aus Brand-Erbisdorf, sind wegen der Arbeit vor einigen Jahren nach Siebenlehn gezogen. Dennoch gibt es viele Kontakte in die Bergstadt. Und so entstand die Idee, dort ein Benefizvolleyballturnier zu organisieren.

"Die Einnahmen wollen wir verwenden, um Lina eine Delphin-Therapie zu ermöglichen", sagt Evelin Dietrich. Etwa 15.000 Euro braucht die Familie dafür. Die Therapieform wird von keiner Krankenkasse unterstützt. "Wir versprechen uns neue Impulse für Linas Entwicklung und wollen nichts unversucht lassen, ihre Lebensqualität zu verbessern", greifen ihre Eltern nach diesem Strohhalm. So hoffen sie vor allem, dass sich Linas Kommunikationsmöglichkeiten und motorische Fähigkeiten durch diese Therapie verbessern.

Durch eine Muskelschwäche sei die körperliche Entwicklung ihrer Tochter eingeschränkt. Viele betroffene Kinder schaffen es nicht, zu laufen. Das schlimmste für Evelin Dietrich und ihren Mann aber ist die Tatsache, dass ihre Tochter nicht sprechen wird. Autistische Züge, ebenfalls typisch für die Entwicklungsstörung, erschweren es den Eltern, zu ihrem Kind vorzudringen. "Lina lebt in ihrer eigenen Welt. Sie reagiert zwar auf uns, hört auf ihren Namen, sie will auch kommunizieren, schafft es aber nicht, Worte zu bilden", erklärt Evelin Dietrich. Ihre Hoffnung ist, dass sich Lina später einmal mit Hilfsmitteln wie Gebärden oder einem Sprachcomputer verständigen kann. Vielleicht schaffe sie es auch, ein paar Worte wie Ja und Nein zu sprechen. "Dafür könnte die Delphin-Therapie Impulse geben", hofft ihre Mutter.

Die Diagnose Angelman-Syndrom - sie kam, als Lina 14Monate alt war - sei ein riesengroßer Schock gewesen. "Es ist so, als ob man sein Kind verlieren würde", beschreibt die 30-Jährige ihre damaligen Gefühle. Denn wie alle Eltern, die ein Wunschkind bekommen, hatten sie Pläne geschmiedet, sich vorgestellt, wo Lina mal die Schule besuchen wird, wie sich aus dem hilflosen Wesen nach und nach eine junge Frau entwickelt. "Die Träume sind mit einem Schlag ausgelöscht. Unser Kind wird ein Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen sein", sagt Evelin Dietrich, und für einen Augenblick wirkt sie tief traurig. Doch schon im nächsten Moment nimmt sie Lina in den Arm und knuddelt sie: "Du bist unser Sonnenschein", sagt sie lachend. und Linas blaue Augen strahlen.

Den Kampf gegen die körperlichen und geistigen Einschränkungen ihres Kindes gibt die Familie nicht auf. "Wir gehen reiten, schwimmen, zur Physiotherapie, nutzen alternative Methoden", erklärt Evelin Dietrich, die sich intensiv mit der Entwicklungsstörung beschäftigt und den Austausch mit anderen Betroffenen sucht. "Das ist meine Art, das immer noch Unfassbare zu verarbeiten", sagt die aufgeschlossene junge Frau, die in einer Softwarefirma in Dresden arbeitet. Lina besucht seit fünf Monaten die Tagesstätte "Kinderhaus" in Freiberg, wo sich eine Erzieherin allein um sie kümmert. "Von dort bekommen wir ganz viel Unterstützung, ebenso von unserer Familie, Freunden und Kollegen", ist Evelin Dietrich froh. Nun hoffen sie und ihr Mann, dass auch andere Menschen Anteil am Schicksal ihrer Tochter nehmen und die Benefizveranstaltung unterstützen.

Spendenaktion für Lina

Das Benefizvolleyballturnier findet am 10. Dezember von 15 bis 21 Uhr in der Bergstadthalle Brand-Erbisdorf statt. Geplant sind ein Kinderflohmarkt, Tombola, Unterhaltung, Imbiss und einige Überraschungen. Mannschaften, die mitspielen wollen, können sich bei Evelin Dietrich unter Telefon 0172 3487791, E-Mail edietrich@dualis-it.de melden. Wer Linas Delphin-Therapie mit einer Spende unterstützen möchte, kann dies bei der Sparkasse Zwickau tun. Kontoinhaber: Alternativ-Therapien für Kinder eV, Bankleitzahl 87055000, Konto 2242022000; Kennwort: Spendenaktion "Lina".

www.angelman-lina.de

 
erschienen am 16.10.2011 ( Von Kerstin Blossey )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Freiberg
Do

20 °C
Fr

18 °C
Sa

19 °C
So

20 °C
Mo

17 °C
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
 
Freie Presse vor Ort

09599 Freiberg
Kirchgäßchen 1
Telefon: 03731 376-14111


Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 8.00 - 18.00 Uhr, Sa. 8.00 - 11.30 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Freiberg und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Freiberg

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
vms
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


Der Partner für Ihren Kredit - Maxxkredit