Der Melkroboter der Großvoigtsberger Böhnisch GbR kommt normalerweise ohne Personal aus. Chefin Ina Böhnisch wertet am Computer nur die Daten aus.
Foto: Eckardt Mildner
Großvoigtsberger Böhnisch GbR setzt auf automatisches Melksystem
Im Betrieb von Ina Böhnisch gibt's außerdem jede Menge "Kuhkomfort"
Großvoigtsberg. Wasserbetten, breite Laufgänge, ein ständig gedeckter Tisch und Massagen nach Lust und Laune - wenn es glückliche Kühe gibt, stehen sie im neuen Stall der Großvoigtsberger Böhnisch GbR. "Kuhkomfort" nennt Ina Böhnisch das Rundum-Wohlfühlpaket für die Wiederkäuer. Und das hat ganz bestimmt nichts mit übertriebener Tierliebe zu tun, sondern mit artgerechter Haltung und wirtschaftlichem Rechnen: Fühlt sich die Kuh wohl, gibt sie mehr Milch und bleibt gesund.
Seit 2010 "wohnen" die 145 Milchkühe in ihrem neuen Stall, der ein Prototyp ist. "Die Licht- und Luftverhältnisse werden automatisch gesteuert," erklärt Ina Böhnisch, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Falk und einem Angestellten in vierter Generation das Unternehmen führt. Die Liegeboxen haben wassergefüllte Unterlagen. Breite Laufgänge mit Gummibelag sorgen dafür, dass die Tiere "wie auf einer Weide gehen".
Automatische Kuhbürsten ermöglichen jederzeit eine wohltuende Körperpflege. Ein sogenannter Futterranschieber - er sieht aus wie ein übergroßer Staubsaugerroboter - schiebt stündlich das Futter heran, sodass sich die Kühe jederzeit bedienen können. "Das Wohlfühlpaket wirkt sich schon aus", sagt die Chefin. So sei die Milchleistung pro Tier und Jahr um durchschnittlich drei Liter gestiegen, die Tierarztrechnung gesunken. Zudem würden die Tiere schneller brünstig und tragend.
Doch die Vierbeiner können nicht nur selbst bestimmen, wann sie fressen, schlafen oder dösen, auch ihre Melkzeit suchen sie sich aus. Möglich macht's ein Melkroboter. "Die Kühe müssen gerne zum Melken gehen", erklärt Ina Böhnisch. Und das tun sie am liebsten in Gruppen, denn auch bei ihnen gibt es eine Hierarchie. Höherrangigen Tieren wird der Vortritt gelassen, das "wirkt stressreduzierend", erklärt die 42-Jährige.
Aber auch für Böhnischs selbst hat das automatische Melksystem, wie es fachlich richtig heißt, einen entscheidenden Vorteil: Zeitersparnis. "Früher begann der Tag 4 Uhr, jetzt um 6, die zwei Stunden machen schon was aus", begründet sie. "Durch den Melkroboter genießen wir die flexiblere Arbeitszeit", sagt Ina Böhnisch, denn immerhin umfasst der Betrieb insgesamt 400 Rinder und 240 Hektar Ackerfläche. Das Auswerten der Daten am Computer muss sie jedoch selbst erledigen.
Gesunde Tiere, höhere Milchleistung, flexiblere Arbeitszeit - Böhnischs haben die Entscheidung für den neuen Stall nicht bereut. Auch wenn sie mindestens noch 20 Jahre arbeiten wollen, haben sie schon an die nächste Generation gedacht. Das sind vor allem die beiden Söhne, elf und 24 Jahre alt. Letzterer studiert derzeit Landwirtschaft in Bernburg (Sachsen-Anhalt). Ob einer oder beide tatsächlich einmal den Betrieb übernehme, sei zwar offen, aber "sie müssen zumindest die Chance bekommen." Zukunft ist für den Familienbetrieb aber auch die Nutzung erneuerbarer Energien angesichts der ständig steigenden Energiepreise. Die Überlegungen gehen in Richtung Biogas oder Windenergie. "Aber dafür brauchen wir erst das richtige Bauchgefühl, genau wie bei der Entscheidung für den Stall."


