Petra Reichel hat als Leiharbeiterin von Randstad über drei Jahre bei der Deutschen Solar GmbH in Freiberg gearbeitet. Jetzt weiß sie nicht, wie es weitergeht. 
Petra Reichel hat als Leiharbeiterin von Randstad über drei Jahre bei der Deutschen Solar GmbH in Freiberg gearbeitet. Jetzt weiß sie nicht, wie es weitergeht.

Foto: Eckardt Mildner

Leiharbeiter fühlen sich wie Schachfiguren

An die 200 der 500 Leiharbeiter sind bei der Deutschen Solar GmbH frei gestellt - Weitere könnten folgen

Freiberg. Freiberg. Als Petra Reichel vor einer Woche zur Frühschicht bei Solarworld an der Berthelsdorfer Straße antreten wollte, gab es für sie keine Arbeit mehr. Sie gehörte zu den knapp 200 entliehenen Zeitarbeitern, die laut Mario Behrendt, Sprecher der Geschäftsführung der Deutsche Solar GmbH, freigestellt wurden. Im Gegensatz zu der 60-Jährigen sah Behrendt darin keine "Nacht- und Nebelaktion": "Dass wir Personal abbauen und die Lohnkosten unter zehn Prozent halten müssen, war aufgrund des zunehmenden Preiskampfes vor allem mit Asien nötig und geplant", meinte er. Betroffen aber seien nur Zeitarbeiter und keiner der Festangestellten.

1500 Mitarbeiter hat Solarworld am Standort Freiberg. Bis vergangene Woche kamen 500 Leiharbeiter dazu. Für den Sprecher der Geschäftsführung bleibt Zeitarbeit wichtig, um neue Technologien hochzufahren und alte abzuschalten. Immer wieder würden qualifizierte Arbeitskräfte auch eingestellt. Die wenigstens seien laut Behrendt länger als zwei Jahre als Leiharbeiter tätig. Angesichts der niedrigen Arbeitslosenquoten dürften die jetzt Freigestellten bald wieder Arbeit finden.

Nicht nur Petra Reichel hat da andere Erfahrungen gemacht. Über drei Jahre war sie bei Solarworld in Freiberg beschäftigt, ausgeliehen von der Zeitarbeitsfirma Randstad. In den letzten Wochen sei sie auf Grund von Umstrukturierungen versetzt worden, habe sogar fünf Schichten bei Takata gearbeitet. Dabei sei ihre Arbeit anerkannt gewesen. In der Endkontrolle musste sie nach eigenen Aussagen auszuliefernden Produkten Qualitätsstempel aufdrücken. Trotzdem erhielt sie mit 6,89 Euro pro Stunde den niedrigsten Tarif für Zeitarbeiter. "Die Arbeit hat mir trotzdem Spaß gemacht", sagte sie. Bei der Aktion vergangenen Freitag aber sei ihr der Kragen geplatzt. "Wir Leiharbeiter fühlen uns wie Schachfiguren." Einige Minuten Zeit habe sie bekommen, um ihren Spind zu räumen. Andere Kollegen, die bis aus Chemnitz kamen, seien ebenso ahnungslos erschienen, um dann ihre "Freistellung" zu erhalten. Petra Reichel hatte noch gehofft, als sie Ende 2010 eine Unterschriftenaktion initiierte. Zeitarbeiter hatten von Randstad gefordert, die Beschäftigten in die Entgeltgruppe einzugruppieren, die der tatsächlichen Tätigkeit entspricht. Außerdem sollte es für Urlaubstage nicht nur einen Ausgleich geben. Bis heute sei nichts passiert. Jetzt hat die 60-Jährige eine Woche Urlaub. Wie es dann weitergeht, weiß sie nicht.

Vom Randstad-Büro bei Solarworld an der Berthelsdorfer Straße war dazu keine Aussage zu bekommen. Nach Rücksprache mit der Geschäftsleitung der Deutschen Solar GmbH wolle und dürfe man sich weder dazu noch zur Zukunft der "Freigestellten" äußern, hieß es.

 
erschienen am 09.09.2011 ( Von Gabriele Fleischer )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
3
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  • 09.09.2011
    21:20 Uhr

    fpLeserJens: Wo sind sie denn jetzt die aufgeregten Politiker, wenn es um die Sicherung von Arbeitsplätzen geht. Ist doch im Mai 2011 noch das "Größte(s) Problem in Freiberg bleibt laut Schramm (Bürgermeister von Freiberg) die auch für Solarworld wichtige Umgehungsstraße". Was sagen sie denn jetzt? Wie es aussieht bei Randstand, sagen ja die "Hilfsarbeiterlöhne" wo die Beschäftigten Qualitätssiegel auf die von ihnen hergestellten Produkten versehen. Welche Meinung hat der Betriebsrat von Randstand, (betriebsrat.region.ost@de.randstad.com) der auch für die orndungsgemäße Eingruppierung der Beschäftigten mit zuständig ist. Und ehrlich, wenn die Beschäftigten endlich sich auch selbst organisieren würden in der Gewerkschaft, wie die IG-Metall, würde sicher die Welt nicht einbrechen, es aber ein bißchen gerechter zugehen. Denn alleine ist man ziemlich wehr- und machtlos. weis ich selber als Leih-und Lohnsklave und 30-jähriger Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Ebenso helfen da auch keine Bitt- und Bettelbriefe an die Geschäftsleitung von Randstand. Auch die Beschäftigten von Solarworld sollten sich ebenfalls solidarischer gegenüber den Leiharbeitern zeigen, denn das nächste Viertel was geht sind keine Leiharbeiter mehr.

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  • 09.09.2011
    15:30 Uhr

    Moderator: @commonman: Die "Freie Presse" hat bereits mehrfach darüber berichtet. So beispielsweise am 3.9.: Solar-World setzt viele seiner Leiharbeiter vor die Tür - Link: http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/FREIBERG/Solar-World-setzt-viele-seiner-Leiharbeiter-vor-die-Tuer-artikel7748353.php

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  • 09.09.2011
    14:30 Uhr

    commonman: der von herrn brüderle ausgerufene xxl-aufschwung wirkt offenbar schon. genauso wie die immer wieder postulierte lüge, dass leiharbeit das sprungbrett in feste anstellung sei.

    herr asbeck als eigentümer von solarworld ist i.ü. milliardär und die mehrheit der firmensteuern werden nicht am produktionsstandort freiberg sondern am verwaltungssitz bonn entrichtet.

    ausserdem hätte die freie presse auf den umstand des abbaus von arbeitskräften bei guter recherche schon früher hinweisen können, die pressemitteilung von solarworld datiert vom 02.09.2011 / 11:34

    > http://www.solarworld.de/investor-relations/news-amp-veroeffentlichungen/corporate-news/

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