Dicht hintereinander fuhren am Sonntag die beiden ausverkauften Dampflokzüge parallel die Tharandter Rampe hinauf. Im Bild ist die 18 201, die schnellste noch betriebsfähige Dampflok der Welt, zu sehen.
Foto: Peter Hertel
Mit Volldampf auf die Tharandter Rampe
Spektakel für Fans historischer Dampflokomotiven
Tharandt/Freiberg. Mehr als tausend begeisterte Eisenbahnfans haben am Sonntagnachmittag im Freiberger Land ein ganz besonderes Spektakel miterlebt. Zwei historische Dampflokomotiven fuhren ab Tharandt fast parallel auf den Gleisen in Richtung Freiberg und passierten dabei die sogenannte Tharandter Rampe. Schon eine Stunde vor der Passage drängten sich die Neugierigen rechts und links an den Gleisen. Der Anblick erinnerte vor allem am ehemaligen Stellwerk "Seerenteiche" an ein Volksfest. Leute, die das Ereignis mit dem Fotoapparat festhalten wollten, kämpften um die besten Plätze.
Nach zwei kurzen Signalen tauchten die Loks mit je drei Wagen und über 500 Passagieren an Bord gegen 15Uhr auf. Schon 15 Sekunden später war das Ereignis Geschichte. Die Fans packten Video- und Fotoausrüstungen zusammen und fuhren wieder nach Hause.
Vorgespannt waren die kohlegefeuerte Dampflok 03 1010 und die 18 201, die als schnellste noch betriebsfähige Dampflok der Welt gilt. Damit wollten die Chemnitzer Organisatoren um Andreas Knaak vom Eventorganisator "Sonderzugveranstaltungen Chemnitz" den Besuchern ein einmaliges Erlebnis bieten und gleichzeitig an das 150-jährige Jubiläum dieses Streckenabschnitts erinnern.
Nachdem 1855 die Albert Bahn von Dresden bis Tharandt in Betrieb ging, konnte die Strecke bis Freiberg 1862 eingeweiht werden. Das war vor 150 Jahren. Nach der Durchtunnelung eines Felsmassivs bei "Edle Krone" wartete damals eine weitere ingenieurtechnische Herausforderung auf die Bauleute. Mit einer Steigung von 1:40 war und ist die Tharandter Rampe die steilste Hauptstrecke Sachsens. Auf 11,6 Kilometer Länge wird bis Klingenberg-Colmnitz ein Höhenunterschied von 228 Metern überwunden.
Reisende aus Zeiten der Dampfloks erinnern sich bestimmt noch daran, dass die meisten Züge in Tharandt eine Schiebelok angehangen bekamen. Dann pfiff die Zuglok und danach die Schiebelok und los ging es auf die Rampe. Von Klingenberg fuhr die Schiebelok wieder leer nach Tharandt zurück. Als Schiebelok kam meist die Güterzug-Dampflok BR 58 zum Einsatz. Schnellzüge konnten den Gleisabschnitt nur mit Schiebelok passieren und hielten deshalb immer in Tharandt.

