Öffentliche Hand vergibt weniger Aufträge

Baubranche im Erzgebirge steht vor einem gewaltigen Umbruch

Brand-Erbisdorf/Sayda. Den Baufirmen im Erzgebirge droht in den kommenden Jahren ein Auftragseinbruch. Davon geht Uwe Kretzer, Vizechef der mittelsächsischen Architektenkammer, aus. "Große Aufträge der Kommunen sind vor allem im ländlichen Raum Mangelware. Die Zahl dieser Bauvorhaben befindet sich bis 2015 auf einem absteigenden Ast", sagt er.

Das kann auch Steffen Schuck, Geschäftsführer der Andreas Adam GmbH Straßen-, Tief- & Ingenieurbau Sayda, bestätigen. "Wegen des milden Winters konnten wir vor allem unsere Aufträge des Vorjahres komplett abarbeiten. Dadurch haben wir kaum Überhänge, die jetzt noch erledigt werden müssten", erklärt der Geschäftsführer, der gegenwärtig neue Aufträge hereinholt. Sein Ziel: Ab April sollen seine Leute wieder reichlich Arbeit haben. Doch das gestalte sich derzeit eher mühsam. Nicht zuletzt warte die öffentliche Hand noch bei dem einen oder anderen Bauprojekt auf die Zusage für die Förderung. "Das kann sich bis Mai hinziehen", vermutet der Bauexperte. Dadurch wiederum kämen die Ausschreibungen der Bauherren ins Stocken. Und das bekommen nach Darstellung von Schuck inzwischen auch Baukonzerne zu spüren, die sonst mit Großaufträgen im Millionenbereich operieren und deshalb gezwungen sind, den Markt mit weniger Finanzmasse zu bearbeiten. Das treffe vor allem auf Baubetriebe aus dem Chemnitzer und Zschopauer Raum zu, die nun verstärkt versuchten, sich an diversen Ausschreibungen im Erzgebirge zu beteiligen. Obwohl Schuck das Jahr 2012 als ein schweres für die Baufirma bezeichnet, sei er verhalten optimistisch. Gleichwohl machte er um eines kein Geheimnis: Sollte die Talfahrt für die Branche weitergehen, müsse Personal abgebaut werden.

Landwirtschaft investiert weiter

Sebastian Müller, der mit seinem Vater Reinhold die gleichnamige Bau GmbH in Neuhausen leitet, zwangen die Finanzsorgen der Kommunen schon vor Jahren zum Handeln. Die schwächere Nachfrage habe den Betrieb genötigt, sich auf den Wirtschaftsbau und private Bauprojekte zu konzentrieren. "Die Landwirtschaft investiert wieder in neue Stallanlagen und andere Gebäude, baut aber gleichzeitig das eine oder andere Haus um", verdeutlicht der 38-jährige Juniorchef. Er sieht diese Bautätigkeit vor allem im Zusammenhang mit dem speziell für die Bauern aufgelegten Förderprogramm der Europäischen Union (EU). Deshalb seien die Auftragsbücher der Neuhausener für dieses Jahr einigermaßen gefüllt. Doch diese Sondereffekte, die zur Belebung geführt hätten, verpuffen früher oder später. Grund: Das EU-Förderprogramm läuft voraussichtlich schon Ende 2013 aus.

Ein ähnliches Bild zeichnet der Chef der Kreishandwerkerschaft Mittelsachsen, Mario Peisker, hinsichtlich des Konjunkturpaketes der Bundesregierung. Noch sei die Lage deshalb gut. "In den kommenden zwei bis drei Jahren wird die Wirtschaftskrise die Baubranche erneut ereilen", blickt Peisker nach vorn. Bauvorhaben im öffentlichen Sektor seien vorgezogen worden. "Davon zehren wir noch immer. Die fehlen aber in Zukunft." Jedoch nicht vor 2013, wie Andreas Heinrich, Inhaber des Baubetriebes TAA Heinrich und Partner GmbH Burkersdorf, glaubt. Der Bauunternehmer startet beruhigt in das erste Halbjahr der neuen Bausaison. "Die ersten Monate sind schon ganz gut mit Aufträgen belegt. Allerdings rühren einige davon noch von Ausschreibungen aus dem vergangenen Jahr ", sagt der Firmenchef. Sein Unternehmen ist vorwiegend im öffentlichen Bereich tätig. Und dort ist für seinen Bereich des Tief- und Ingenieurbaus bisher kein Einbruch zu verzeichnen. "Der ist vermutlich erst nächstes Jahr zu erwarten", sagt Andreas Heinrich. Aus seiner Sicht gibt es jedoch auch längerfristige Vorhaben, zum Beispiel im Straßen- und Hochwasserschutzbereich, die zu realisieren sind.

 

 
erschienen am 18.01.2012 ( Von Jochen Walther und Astrid Ring )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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