Die gute Nachricht kam am frühen Morgen: Nach dem Ende seiner Schicht hat Maschinenführer Uwe Syhre (Mitte) am Mittwoch von den Gewerkschaftern mit Steffen Krößig (2. v. r.) an der Spitze ein Infoblatt mit den Ergebnissen der dritten Tarifverhandlung erhalten.
Foto: Eckardt Mildner
Tarifkampf in Papierindustrie ist beendet
Nach Verhandlungsmarathon in Darmstadt positives Ergebnis verkündet
Weissenborn. Die Beschäftigten in der papiererzeugenden Industrie bekommen 4,6 Prozent mehr Lohn und Ausbildungsvergütung. Das haben die zähen Verhandlungen zwischen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) und der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) am Dienstag in Darmstadt ergeben. "Punkt Mitternacht war der Haken dran", sagte Matthias Größig, Betriebsratsvorsitzender der Felix Schoeller Gruppe Deutschland und des Schoeller-Werkes in Weißenborn. Mit diesem Ergebnis könne man sehr zufrieden sein, betonte Größig, der selbst bei den Verhandlungen vor Ort war.
Ursprünglich hatte die IG BCE deutschlandweit sechs Prozent mehr Lohn gefordert und dieses unter anderem mit den gestiegenen Anforderungen an die Mitarbeiter der Papierindustrie und der Kompromissbereitschaft in Krisenzeiten begründet.
Die ersten zwei Tarifverhandlungen waren noch gescheitert. Mit zahlreichen Versammlungen und Demonstrationen vor der dritten und entscheidenden Tarifverhandlung am Dienstag haben die Arbeitnehmer nun erreicht, dass sie für den Monat Dezember 2011 eine Einmalzahlung von 70 Euro erhalten (Auszubildende 35 Euro), im kommenden Jahr werden die Gehälter dann um drei Prozent, bis Ende Mai 2013 um weitere 1,6 Prozent erhöht.
"Damit können wir zufrieden sein, zumal es in unserem Interesse war, die verfahrene Situation nicht eskalieren zu lassen. Einen Streik wollte niemand", sagte Matthias Größig erleichtert. "Der Kampf hat sich gelohnt. Ich danke allen Kollegen, die sich engagiert haben." Besonders die Mitarbeiter des Weißenborner Schoeller-Werkes hatten in den vergangenen Wochen zahlreiche Aktionen gestartet, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Nach betriebsinternen Versammlungen kam es in der vergangenen Woche zum Treffen aller Papierfirmen aus Sachsen, wo noch einmal auf den aus Sicht der Arbeitnehmer indiskutablen Vorschlag der VAP eingegangen wurde. Die hatte in der zweiten Tarifverhandlung eine Aufstockung der Bezüge um 2,2 Prozent als Obergrenze genannt.
Noch in der Nacht zum Mittwoch liefen beim Betriebsrat in Weißenborn die Drucker heiß, damit pünktlich zum Schichtwechsel über die Erfolge informiert werden konnte. "Bisher kamen nur positive Reaktionen", sagte Matthias Größig Mittwochvormittag: "Das haben wir gemeinsam erreicht."


