Sindy Richter und ihre Kinder Klara und Luc haben am Dienstag bereits den ersten Schnee in Holzhau zum Rodeln genutzt. Dass das schon möglich ist, erfahren die "Flachländer" über das Internet.
Sindy Richter und ihre Kinder Klara und Luc haben am Dienstag bereits den ersten Schnee in Holzhau zum Rodeln genutzt. Dass das schon möglich ist, erfahren die "Flachländer" über das Internet.

Foto: Eckardt Mildner

Wichtig ist der Schnee von heute

Liftbetreiber und Hoteliers im Erzgebirge vermitteln Weihnachtsstimmung

Holzhau/Sayda/Neuhausen. Mittelsachsen ist groß und landschaftlich vielfältig. Allein im Altkreis Freiberg gibt es einen Höhenunterschied von fast 600 Metern. Während in Siebenlehn (tiefster Punkt 227 Meter über dem Meeresspiegel) in der vergangenen Nacht die ersten Schneeflocken dieses Winters gefallen und gleich wieder verschwunden sind, gibt es auf der Steinkuppe in Holzhau (806 Meter hoch) bereits eine geschlossene Schneedecke. Und auf dem Skihang kann schon gerodelt werden.

Nachdem die Wintersportfreunde in der Saison 2010/2011 mit Schnee und Kälte von Dezember bis März verwöhnt wurden, machte sich im viel zu warmen November dieses Jahres schon erste Panik breit. Nun aber ist der erste Schnee da und die Liftbetreiber und Hoteliers im Erzgebirge hoffen auf die Gäste.

Damit die sich vor einer Fahrt in den Süden auch daheim informieren können, setzen immer mehr Gemeinden auf das Internet. "Man muss immer aktuell sein und auf das Wetter reagieren können", sagt Alexander Richter vom Skihang in Holzhau. Er hat schon vor vielen Jahren eine Webcam am Hang installiert, die über die Wetterbedingungen informiert. "Aktuell kann man dort sehen, dass eine dünne Schneedecke liegt", sagt er. "Wenn Kinder in Freiberg nach den ersten Flocken Lust aufs Rodeln bekommen haben, ist das hier möglich."

Sammeln für den Kunstschnee

Für das Einschalten des Liftes reicht der Schnee allerdings noch lange nicht. "Dazu brauchen wir 20Zentimeter oder wenigstens kältere Temperaturen, um die Schneekanonen anschalten zu können", sagt er. Mit der Aktion "Gemeinsam Schnee machen" will Richter eine weitere Schneelanze für die künstliche Berieselung anschaffen. Die Idee: Jeder der knapp 60 Tourismusanbieter, also Pensionsbetreiber zum Beispiel, zahlt 180 Euro. Dafür bekommt der Kinderhang des größten Skigebiets in Mittelsachsen Schnee und die Zahlenden neben hoffentlich mehr Gästen Skipässe und eine Werbefläche am Hang. Mit einem Café aus Neurehefeld hat sich bisher erst ein Unternehmen, das nicht einmal aus dem Ort kommt, daran beteiligt.

Internet als Fenster ins Gebirge

In anderen Gebieten müssen die Tourismusverbände nach wie vor auf natürlichen Schnee hoffen, um die Loipen für den Langlauf präparieren zu können. Um dann vor allem die spontanen Touristen anzulocken, müssen die Schneehöhen schnell abrufbar sein. "Sobald Skifahren durch den Wald möglich ist, wird das im Internet auf der Homepage des Vereins Silbernes Erzgebirge veröffentlicht", sagt Gerhard Mondon, der die Internetseite www.neuhausen.de betreut. Eine Webcam, die aktuelle Bilder aus dem Ort oder von Skipisten zeigt, hält er für übertrieben. "Das wäre zu viel Aufwand", sagt er.

Auch aus Sayda und anderen erzgebirgischen Orten werden die aktuellen Schneehöhen an den Verein Silbernes Erzgebirge gemeldet. "Sobald sich bei den ersten Betreibern die Lifte drehen oder Langlauf möglich ist, kann das auf unserer Internetseite nachgelesen werden", sagt Birgit Drechsler vom Verein.

Private Webcam als Werbemittel

Dass sich die Anschaffung von Webcams aber auch als Werbung lohnt, zeigt ein Beispiel aus Seiffen, wo Udo Gläser nicht nur sein Geschäft "Weihnachtshaus", sondern auch drei Kameras betreibt, die das aktuelle Wetter zeigen. "Viele Leute klicken dort drauf, denn sie wollen Schnee haben, wenn sie ins Erzgebirge kommen. Und da sie dann auf meiner Seite landen, kommen auch viele von ihnen in mein Geschäft."

Ritta Bieber, Chefin im Hotel "Kreuztanne" im Saydaer Ortsteil Friedebach, kann das nur bestätigen: "Wir haben seit sieben Jahren eine eigene Webcam, es ist die beste und modernste Art, Touristen anzulocken." Die Anzahl der Klicks auf die Seite mit den ständig aktualisierten Bildern beweise, dass sich die Spontanurlauber mit Bildern über die Bedingungen vor Ort informieren.

"Man muss sich etwas einfallen lassen, denn auf langfristige Buchungen kann man nicht mehr vertrauen", bestätigt Martina Matthes vom Fremdenverkehrsamt Rechenberg-Bienenmühle/Holzhau/Clausnitz den Trend hin zur modernen Werbung. Wichtig beim Betreiben einer Webcam ist jedoch, dass Persönlichkeitsrechte gewahrt werden. Personen oder Autokennzeichen zum Beispiel dürfen nicht erkannt werden.

 
erschienen am 06.12.2011 ( Von Thomas Reibetanz )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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