Betriebsratsvorsitzender Peter Pautz (hinten links) und viele andere Frankenberger EPM-Mitarbeiter stehen zusammen, wollen weiter für ihre Interessen als Arbeitnehmer kämpfen.
Foto: Falk Bernhardt
Frankenberg: Betriebsratschef von Polizei abgeführt
Umgang beim Schaltanlagenbauer EPM zieht Kreise
Frankenberg. Hubert Timmel bleibt hart wie die Schränke, die seine Mitarbeiter an der Frankenberger Badstraße fertigen. Der Geschäftsführer der EPM Schaltanlagenbau GmbH hatte schon 2012 mit fragwürdigen Methoden versucht, die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern. Weil dies nicht gelang, will er nun die Betriebsräte und andere unliebsame Mitarbeiter über die Gründung einer neuen Firma loswerden. Dem frisch gewählten Betriebsratsvorsitzenden Peter Pautz kündigte er, sprach Hausverbot aus und ließ Pautz sogar durch die Polizei vom Betriebsgelände entfernen.
Seit November ohne Lohn
"Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher", sagt Pautz. Angesichts der Schikanen der letzten Monate kann er über die Ereignisse am Morgen des 25. Februar, als er zur Arbeit in die Firma kam und rausgeschmissen wurde, nur noch schmunzeln. Das Arbeitsgericht Chemnitz hatte festgelegt, dass Pautz bis zur Kündigungs-Entscheidung, die am 23. April fallen soll, weiterbeschäftigt werden muss. "Stattdessen wurde hier ein Kollege, der nichts Unrechtes getan hat, der die Rechte der Schwachen vertritt, für ordentliche Arbeitsbedingungen und faire Löhne kämpft, wie ein Krimineller zum Auto gebracht und nach einer Alkoholkontrolle, die 0,0 Promille ergab, vom Parkplatz verwiesen", ist auch Patrick Wohlfeld von der IG Metall Chemnitz fassungslos. "Seit November bin ich nun schon ohne Lohn. Aber wir wollen gerichtlich durchsetzen, dass der Betriebsrat arbeiten kann", bleibt Pautz konsequent.
Doch das dürfte schwer werden. Denn der Firmenchef hat nicht nur die Rechtmäßigkeit der Betriebsratswahl gerichtlich angefochten. Er hat zwischenzeitlich mit der EPS Timmel eine - nach Meinung der Gewerkschaft - "Scheinfirma" gegründet. "Vielen Mitarbeitern wurden neue Arbeitsverträge angeboten. Geändert aber hat sich nichts für die Betroffenen - außer, dass sie statt 7,40 nunmehr 7,70 Euro verdienen, aber dafür ihre Betriebszugehörigkeit von bis zu 20 Jahren verloren haben", kritisiert Wohlfeld. Dass die neue Firma immer noch die alte ist, liegt für Betriebsratsmitglied Christian Thierbach auf der Hand: "Es sind dieselben Gebäude, dieselben Produkte, dieselbe Verwaltung und dieselbe Führung." Verstehen kann er eine solch harte Blockadehaltung des Geschäftsführers ohnehin nicht, denn die Hauptforderungen des Betriebsrates seien nicht übertrieben: flexiblere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen.
Schuler schaut auf Frankenberg
Stattdessen ist das Betriebsklima nach Wohlfelds Einschätzung "rapide gesunken". Mehr als 15 Abmahnungen habe Timmel bislang gegen die Initiatoren der Betriebsratswahl ausgesprochen. Laut Betriebsrätin Monika Fleischer sind zwischen 22 und 26 Mitarbeiter ständig krank. "Einen Betriebsrat will er nicht, die Gewerkschaft schon gar nicht. Dann macht er lieber seinen Laden dicht", schildert Monika Fleischer die Äußerungen Timmels. Gegenüber der "Freien Presse" wollte sich der Geschäftsführer nicht äußern. Nur so viel: "Es gibt noch vier offene Verfahren. Vorher sage ich nichts."
Timmels Phobie gegenüber einer Arbeitnehmervertretung sorgt mittlerweile sogar deutschlandweit für Aufsehen. Die Belegschaft der im baden-württembergischen Waghäusel ansässigen Firma Schuler hat als Kunde von EPM die Vorgehensweise scharf kritisiert. Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerrechten sei ein Eckpfeiler der Demokratie. Das erwarte Schuler auch von seinen Lieferanten.


14:31 Uhr
Arbeitsunrecht01: Vorbildlicher Artikel. Gut recherchiert. Name des Verantwortlichen Geschäftsführers Hubert Timmel genannt, Möglichkeiten der Gegenwehr (Boykott) aufgezeigt. Kompliment!
00:08 Uhr
petrah: Es gibt doch immer wieder Leute, die alles auf die alte Ost West Leier runterbrechen. Wieviel wissen die eigentlich von der Wirtschaft in den verschiedenen Bundesländern? Schon mal von Nord-Süd Gefälle gehört? Es gibt überall schlechtes und gutes Management - schaut Euch endlich mal mit offenen Augen um. Ja es ist ganz schlechtes Management von beiden Seiten, wenn keine Kommunikation stattfindet. Darunter werden beide Seiten leiden und das Image des gesamten Unternehmens Schaden nehmen. Ein Mediator wäre hier besser als jedes Gericht.
20:42 Uhr
torschro: BerthaH sorry, aber das ist geballter Unsinn...sowas hat nichts mit Ost oder West zu tun. das gibt es überall. als Unternehmer mit einem Betriebsrat im Nacken, die Gewerkschaft im Hintergrund, unzähligen Gesetzen, Berufsgenossenschaften etc kannst du gleich die weisse Flagge hissen.
aber Hauptsache der Arbeitnehmer ist rundum zufrieden. und wenn er dann auf der Strasse sitzt weil die Firmen abwandern, dann ist das Geschrei auch wieder groß
20:35 Uhr
derExAdmin: Meiner Meinung nach wird hier von beiden Seiten (Geschäftsleitung und Betriebsrat) mit falschen Karten gespielt. Unbestritten sind die niedrigen Löhne, ebenso wie einige Arbeitsbedingungen. Jedoch ist die ganze "Geschichte" differenzierter zu betrachten. Timmel ist kein schlechter Mensch, er setzt nur seine Prioritäten falsch. Auch einige Allüren sind unbestreitbar. Aber mal Hand aufs Herz, wer hat die nicht?
Was nun die Wahl des Betriebsrates anbelangt muss man sich ehrlich fragen, Qui bono (wem nützt es)? Der Belegschaft etwa? Oder ist es nicht eher ein Rachefeldzug von Hr. Pautz? Jeder hat die Möglichkeit selbst zu recherchieren.
Warum schließt der Betriebsrat den größten Teil der Belegschaft aus? Das ist fürwahr eine gute Frage, denn es wird selektiert! Worum geht es der Belegschaft wirklich? Der Betriebsrat hat eine eindeutige Funktion. Er soll eine Vermittlerrolle zwischen Belegschaft und Geschäftsleitung einnehmen, also die Funktion eises Schlichters.
Verfolgt man nun die Aktivitäten eines Hr. Pautz kommt man nicht umhin zu bemerken, dass seine Aktionen einen massiven Angriff auf das Betriebsklima darstellen. Die Belegschaft leidet darunter! Wieviel Artikel gab es bis jetzt in der Freien Pessen, waren drei oder vier? Allesamt waren negativ und so muss sich für den Leser zwangsläufig das Bild eines unmenschlichen Geschäftsführers offenbaren. Dem ist aber nicht so und ich spreche aus Erfahrung, auch aus schmerzlicher Erfahrung!
Reden wir über Fakten. Timmel hat loyale, qualifizierte, engagierte und fleißige Mitarbeiter. Diese Eigenschaften spiegeln sich nicht in den Löhnen und Gehältern wider. Das ist der Dreh- und Angelpunkt! Fakt ist aber auch, dass Gehälter eine Verhandlungsbasis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind. Wer nicht sein Gehalt selbst verhandelt und denk "der Betriebsrat" wird das schon machen, ist definitiv falsch gewickelt. Nur um seinem Unmut Luft zu machen sollte man nicht seine eigene Verantwortung vergessen und alles einem vermeintlich starkem Gegenspieler überlassen.
Ich kenne fast jeden Mitarbeiter aus der alten Belegschaft, kenne ihre Nöte und Sorgen, kenne ihre Forderungen und ihre Ängste. Aber ich kenne auch Herr Timmel. Beiden Seiten möchte ich einen Rat geben. Herr Timmel sollte ernsthaft prüfen ob ein angemessenes Gehalt für jene möglich ist, die seinen Wohlstand erarbeiten. Die Belegschaft muss im Gegenzug klare Linie beziehen und auch ausdrücken, was jeder Einzelne will. Sich hinter Floskeln und allgemeinem Unmut zu verstecken reicht bei weitem nicht aus, dies sind schließlich die Ergebnisse jahrelangen Nichthandelns.
An beide Parteien appeliere ich, deeskalierend zu wirken und es nicht auf die Spitze zu treiben. Die Vertantwortung liegt auf beiden Seiten!
MfG
13:31 Uhr
BertaH: Ich stimme Erzgebirgler zu ... hier im Osten dieses Landes wird gegen derartige Willkür nur selten der Widerstand geprobt. Liegt wohl auch daran, dass derartige Chefs nichts auf dem Kasten haben und nur mit Dumping Löhnen und Druck auf Mitarbeiter erfolg haben können. Tja wenn die Kreativität und die Innovation fehlt. Hier hat einzig und allein der Unternehmer versagt. Man muss erkennen das gerade zufriedene Mitarbeiter gute Mitarbeiter sind und unzufriedene .... naja. Muss Herr Timmel wohl noch lernen. Sowas ist Geschäftsführer --- für mich als Selbständiger Unternehmer eine glatte Fehlbesetzung!