Mitarbeiter Marketingfrau Carola Schwarze und Schloss-Chef Peter Knierriem schlüpfen am Abend der Jubiläumsfeier zu Ehren von Elisabeth von Rochlitz in die Rolle des Küchenmeisters und seiner Magd. Dort werden Gerichte aus dieser Zeit den Besuchern gereicht.

Foto: Schloss

Jubiläum: Fürstin Elisabeth von Rochlitz wird 510 Jahre

Im Schloss finden am 4. März zu Ehren der mutigen Frau mehrere Veranstaltungen statt

Rochlitz. Er hat ihr Leben studiert und die von ihr verfassten Briefe genauestens analysiert. "Der Schriftverkehr war immens. Es sind mehrere tausend Briefe, die in Archiven in Dresden, Weimar und Marburg aufbewahrt werden", sagt André Thieme vom Staatsbetrieb Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen.

"Sie sind politisch sehr bedeutsam", betont der Chef-Museologe immer wieder. Begründen will das der 42-Jährige während seines Vortrags am 4. März im Rochlitzer Schloss, wo die Herzogin 1537 "ihren Witwensitz antreten musste".

Hatte die Schlossleitung zum 500. Geburtstag der Schwiegertochter des großen Luther-Gegners, Herzog Georg des Bärtigen, noch ein Kolloquium auf die Beine gestellt, so soll der 510. Ehrentag am 4. März mit einem bunten Strauß an Veranstaltungen begangen werden.

Neben dem Vortrag sind laut Marketingfrau Carola Schwarze noch ein Konzert, das in die Zeit der Renaissance entführt, und ein aufschlussreicher Abend unter anderem mit dem Schlossherrn Peter Knierriem im Programm. Als Küchenmeister will er sein Publikum mit interessanten Geschichten und Gerichten über die außergewöhnliche Herzogin unterhalten.

Damit nicht genug: Das Schlossteam arbeitet bereits mit Chef-Museologe Thieme an einem weiteren Projekt, das bis 2014 umgesetzt werden soll. Dann nämlich ist eine große Ausstellung in der Muldestadt zu sehen, die die sächsischen Powerfrauen der vergangenen Jahrhunderte zeigt und vorstellt. Bisheriger Arbeitstitel der Schau: Frauen in der Reformation.

Chef André Thieme, Chef-Museologe des Staatsbetriebes Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten.

Foto: PF

Eine von ihnen ist zweifelsohne die Herzogin Elisabeth von Rochlitz. Sie habe die Aufbruchstimmung ihrer Zeit genutzt, "um ihre traditionelle Rolle aufzuweichen", sagt der Historiker Thieme. Sie sei eine der farbigsten und widersprüchlichsten Frauen der damaligen Zeit gewesen. In ihren Briefen haben sie sogar die Menschen beschimpft - ein Zeichen ihrer Emanzipation. "Und: Sie hat sich nicht vorschreiben lassen, was sie zu glauben hat", sagt Thieme.

Immerhin sei die Herzogin eine treue Anhängerin Martin Luthers gewesen, während ihr Schwiegervater streng an den Katholizismus festhielt. Daher soll die Ausstellung, die anlässlich des Jubiläums des 500. Jahrestags des Thesenanschlags von Martin Luther im Jahr 2017 erarbeitet wird, im Schloss Rochlitz gezeigt werden.

 
erschienen am 22.02.2012 ( Von Jochen Walther )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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