Hannes Käseberg aus Oberhain ist begeistertes Mitglied der Jugendfeuerwehr in Langenleuba-Oberhain.
Foto: Mario Hösel
Jugendfeuerwehren boomen - trotzdem zu wenig Nachwuchs
Mehr junge Brandschützer als ein Jahr zuvor
Rochlitz. Die mittelsächsischen Brandschützer schlagen Alarm. Trotz gestiegener Mitgliederzahlen in den Jugendfeuerwehren haben viele Feuerwehren Nachwuchssorgen. Daran ändert auch die Kampagne "Helden gesucht" des sächsischen Innenministeriums nichts.
Zwar gab es Ende vorigen Jahres in Mittelsachsen 103 Jugendfeuerwehren mit 1288 Mitgliedern - zwei Wehren und 45 Mitglieder mehr als 2011. Aber laut dem Kreisfeuerwehrchef zeichnen sich Probleme ab. "Mit 16 wechseln die jungen Leute in die aktive Wehr. Doch nach der Lehre werden sie vom Betrieb oft nicht übernommen oder studieren - dann fallen sie bei uns weg", sagt Ehrenfried Keller. Schon jetzt wirke sich die Globalisierung der Arbeitswelt auf die Feuerwehren aus. "In manchen Gebieten auf dem flachen Land können wir die Tagbereitschaft nicht mehr absichern", zeigt Keller auf. Keinen Effekt bringe da die Helden-Kampagne mit ihren Flyern und Plakaten, die obendrein inzwischen ausgegangen seien.
Laut Dirk Geppert ist durch die Aktion des Freistaates nicht ein einziges Kind zur Feuerwehr in Langenleuba-Oberhain gekommen. "Wir kümmern uns selbst und haben zum Beispiel einen Werbetag in der Grundschule organisiert", sagt der Jugendwart. Als die Brandschützer mit ihrem Löschfahrzeug im Schulhof vorfuhren, sprang der Funke sofort über. Sechs Schüler kamen dann auch mit ihren Eltern zum Schnuppertag in der Feuerwache - und sind am Freitag in der Jugendfeuerwehr. "Ob alle dabei bleiben, wissen wir natürlich nicht", sagt Geppert. Hannes Käseberg zeigt sich überzeugt: "Ich werde auf jeden Fall ein Feuerwehrmann." Der Elfjährige gehört seit einem Dreivierteljahr der Jugendwehr in Langenleuba-Oberhain an. "Mein Papa ist auch in der Feuerwehr. Und ich interessiere mich für Technik", sagt der Gymnasiast. Zudem seien die jungen Brandschützer eine gute Truppe. "Wir verstehen uns super."
Laut Frank Kiesl sind die Flyer und Plakate der Helden-Kampagne nicht bis Etzdorf gelangt. "Wir haben ohnehin unsere eigenen Werbeaktionen und gehen in Kitas und Schulen", sagt der Etzdorfer Jugendwart. Die "Feuerwehr zum Anfassen" komme bei den Kindern an. "Und wir sind froh, wenn einige dann auch bei den Großen mitmischen." Mittweidas Feuerwehrchef René Schröter bläst ins selbe Horn: "Wir haben jetzt ein Mitglied mit einer Lehrstelle in der Region. Hoffentlich wird er übernommen und bleibt hier."
Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums wird die Helden-Kampagne fortgesetzt. "Es ist eine unterstützende Maßnahme für die Verantwortlichen vor Ort", sagte Sprecher Lothar Hofner. Als Anreiz für die Älteren nannte er Feuerwehrbälle und Ehrungen. Ob weitere Motivations-Kampagnen gestartet werden, werde noch geprüft.
Volker Uhlig (CDU) würdigt die Arbeit der Jugendwehren. "Nur damit wird ein Fortbestand der freiwilligen Feuerwehren gesichert", sagt der Landrat. Der Kreis unterstützt die Jugendwehren mit Zuschüssen an den Kreisfeuerwehrverband, der jährlich 35.000 Euro erhält.


21:42 Uhr
torschro: man sollte eher an dem schlechten Image der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten...was gerade nach der Wende an sozialer und geistiger Unterschicht dort aufgenommen wurde, das kann man nicht so einfach wegdiskutieren! das THW und die Bundeswehr haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen...