Bäckermeister Uwe Paulig aus Altmittweida liebt seinen Beruf.
Foto: Falk Bernhardt
Bäcker backen weiter kleinere Brötchen
Gewerkschaft macht in Backstuben für mehr Lohn mobil, doch Unternehmer der Region sind skeptisch
Hainichen/Freiberg . Für die rund 550 Beschäftigten in den mittelsächsischen Bäckerstuben und -läden konnte seit acht Jahren kein neuer Tarifvertrag mit der Landesinnung abgeschlossen werden. Viel zu lange, findet jetzt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und macht Druck für höhere Löhne.
Minister warnt vor festem Tarif
"Ein junger Geselle wird heute mit einem Stundenlohn von 6,32 Euro abgespeist", sagt Volkmar Heinrich, NGG-Geschäftsführer für die Region Dresden-Chemnitz. Eine junge Fachverkäuferin komme sogar nur auf 6,11 Euro; ohne Ausbildung seien es 5,56 Euro. Heinrich meint: "Dass ausgerechnet diejenigen, die das Brot verkaufen, oftmals ohne staatliche Unterstützung gar nicht leben können, ist ein Skandal." Die Gewerkschaft fordert deshalb die Anhebung des Stundenlohns im Bäckerhandwerk auf 8,50 Euro.
Beim Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks ist man prinzipiell zu höheren Löhnen bereit. Aber: "Wir wollen, dass der Tarifvertrag allgemein verbindlich für die gesamte Branche wird", sagt Wolfgang Hesse, Geschäftsführer der Saxonia-Innung. Zwar sind nach seinen Angaben etwa drei Viertel der rund 1200 sächsischen Bäckereien in der Innung organisiert. Dennoch befürchtet Hesse, dass ohne einheitliche Tarife die Nichtmitglieder mit niedrigeren Löhnen Wettbewerbsvorteile bekommen. Zudem drohe, dass die Innung Mitglieder verliert.
Über einen verbindlichen Tarifvertrag, der einem Mindestlohn für die Branche gleichkommt, entscheidet nach Einigung in der Tarifkommission der zuständige Ressortchef in der Landesregierung. Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) warnte am Mittwoch jedoch davor, den Abschluss eines Tarifvertrages von einer Allgemeinverbindlicherklärung abhängig zu machen. "Das ist ein sehr langwieriges Verfahren mit sehr hohen Hürden, dessen Ausgang offen ist", sagte Morlok der "Freien Presse". Zudem drohe durch den Eingriff in den freien Wettbewerb der Verlust von Arbeitsplätzen. Indessen verweist die Landesinnung auf eine Tarifempfehlung an ihre Mitglieder. Danach sollen die Bäcker an ihre Gesellen ab Januar einen Ecklohn von 7,60 Euro zahlen, ab fünf Jahren Betriebszugehörigkeit 8 Euro.
Die Gellertstadt Backwaren GmbH in Hainichen mit 150 Beschäftigten ist schon vor einiger Zeit aus der Saxonia-Innung ausgetreten. "Und wir zahlen trotzdem gute Löhne", sagte Geschäftsführer Guido Rill. Die lägen deutlich höher als die von der Gewerkschaft jetzt veröffentlichten Zahlen und nur knapp unter dem geforderten Mindestlohn von 8,50 Euro für Fachkräfte in der Backstube. "Wir werden die Verhandlungen verfolgen", sagte er.
"Leute sind leidensfähig"
"Wir können uns der Entwicklung nicht verschließen und damit auch nicht den Forderungen nach mehr Lohn", sagt Uwe Paulig, Obermeister der Bäckerinnung Mittweida, in der 33 Bäcker aus dem Altkreis vereinigt sind. Doch müsse man die Lage realistisch einschätzen. Sven Krause, Bäcker in Rochlitz mit fünf Beschäftigten, sieht zwei Seiten: Die Notwendigkeit steigender Löhne und die Tatsache, dass zugleich die Abgabenlast zunimmt, die Nebenkosten für Strom und Rohstoffpreise steigen. "Ebenso wünsche ich mir einen fairen Wettbewerb, der nicht von Dumpingpreisen bestimmt wird." Derzeit für nicht umsetzbar hält auch Bäcker Alfred Kreyßig, der in Crossen ein Geschäft und eine Filiale in Geringswalde betreibt, die 8,50-Euro-Forderung. Natürlich sei der Wunsch da, aber auch er verweist auf steigende Belastungen. Vor diesem Hintergrund schließt er Preiserhöhungen für die Kunden in Zukunft nicht aus.
Die NGG berichtet indes von wachsendem Protest. Drohen nun Streiks? Auf Nachfrage sagt Gewerkschaftssekretär Michael Brunner: "Die Leute hier in der Region sind sehr leidensfähig."


