Hund Die Frankenberger Hundedame Elli hat Glück, dass sie nicht als Bullterrier auf die Welt gekommen ist. Denn dann müsste Frauchen Romy Höpfner ab 2012 für sie 500 Euro Hundesteuer zahlen.

Foto: Falk Bernhardt

"Rassen-Diskriminierung" mit Folgen

Extrem hohe Steuern sollen Halter von als "gefährlich" eingestuften Hunderassen abschrecken, Tierschützer schlagen Alarm

Frankenberg. Rosmarie Freudenberg vom Frankenberger Tierschutzverein ist außer sich vor Wut und schimpft wie ein Rohrspatz über die erst vor wenigen Tagen beschlossene Hundesteuersatzung der Stadt Frankenberg. "Was ist denn ein Kampfhund? Der Mensch macht ihn doch erst dazu. Ein schlecht erzogener Schäferhund beispielsweise ist viel gefährlicher als ein gut erzogener Pitbull", lautet die These der Tierfreundin. 500 Euro für einen "gefährlichen Hund" und gar 750 Euro, wenn sich jemand ein solches Tier als Zweithund hält - das findet sie überzogen. Vorige Woche hatte der Stadtrat dies per Satzung so festgelegt und die Steuer von zurzeit noch 234 Euro mehr als verdoppelt.

Firmenich verteidigt Satzung

"Das war der Wunsch einiger Stadträte. Und ich trage diese Entscheidung auch mit", verteidigt Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) die neue Satzung, die zum 1. Januar in Kraft tritt. Es habe in der Vergangenheit in Deutschland immer wieder schlimme Fälle gegeben, wo Kinder von Hunden gebissen worden sind. Frankenberg wolle mit dieser Steuer "eine abschreckende Wirkung" erzielen und somit gefährliche Hunderassen aus der Stadt fernhalten. Gefährliche Rassen sind laut Satzung American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier, ebenso Kreuzungen dieser Rassen untereinander. Im Vergleich: Halter der übrigen Hunderassen zahlen in Frankenberg 42 Euro für den ersten und 60 Euro ab dem zweiten Hund pro Jahr.

"Alles eine Frage der Erziehung"

Rosmarie Freudenberg, die sich selbst als Hundeexpertin bezeichnet, ist diese Art der Rassen-Diskriminierung zuwider. "Nur weil ein gut erzogener Hund auf dieser Liste steht, muss der Halter eine derart horrende Summe zahlen?" Das sieht sie nicht ein. Denn was sei die logische Folge? "Diese Tiere landen im Tierheim. Die Stadt will doch nur auf Kosten der Hundehalter ihre Kasse auffüllen", lautet ihr Vorwurf. Denn zu begründen sei diese hohe Steuer nicht. Auch sei statistisch erwiesen, dass die meisten Beißfälle bislang von nicht ordentlich erzogenen Schäferhunden ausgingen. Für die Tierschützerin durchaus nachvollziehbar, denn Schäferhunde sind nun mal zahlenmäßig mit am stärksten vertreten.

Dass Rosmarie Freudenberg durchaus Recht hat mit ihren Argumenten, kann Petra Häling vom Ostrauer Tierheim "Wiesengrund" in vollem Umfang bestätigen. Das Heim hat zur Aufnahme von Fundtieren Verträge mit etlichen Kommunen, so auch mit Frankenberg. "Wir merken das ganz deutlich. Immer dann, wenn die Hundesteuer steigt, steigt auch die Zahl der Hunde bei uns an", sagt die Tierheimmitarbeiterin. Sie und auch Rosmarie Freudenberg wissen aus ihrer täglichen Praxis, dass vor allem die als "gefährlich" eingestuften Hunde dann niemals mehr vermittelt werden - für die Tierschützer ein unhaltbarer Zustand. In Ostrau würden sogar Hundehalter aus Städten der Altbundesländer nachfragen, ob sie wegen der hohen Steuern dort ihre Hunde im Heim abgeben können. Petra Häling ärgert sich, wenn sie das Wort "Kampfhund" hört. Denn sie sollten nicht für ihre Rasse bestraft werden. Denn erst der Mensch habe sie doch zu dem gemacht.

Frankenberg hat in der Region mit die höchste Steuer bei den sogenannten "gefährlichen Hunden".

 
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"Rassen-Diskriminierung" mit Folgen
So machen es andere Orte
 
erschienen am 21.12.2011 ( Von Uwe Lemke )
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