Telekom bringt schnelles Internet
Kommunikationsriese bringt fast allen Mittelsachsen das World Wide Web - Doch es gibt auch Kritik
Freiberg/Mittweida. Für die Kunden ist es ein Segen: Bis Ende 2013 baut die Telekom das Breitbandnetz in Mittelsachsen aus. Start ist wohl im Januar. Dann soll im gesamten Kreis nahezu flächendeckend schnelles Internet verfügbar sein - egal ob in Städten, auf Dörfern oder in abgeschotteten Bergorten. Auf mindestens 97 Prozent der Landkreisfläche kann künftig schnell gesurft werden. In fast drei Viertel der Haushalte mit Festnetzanschlüssen liegen dann mindestens 16 Megabit pro Sekunde an, 61 Prozent surfen sogar mit 25 Megabit und mehr.
Die Kreisräte ebneten diesem Vorhaben in der vergangenen Sitzung den Weg. Auftraggeber und Finanziers sind indes die Städte und Gemeinden. 90 Prozent der Gesamtkosten sind allerdings Fördergelder der EU. Als einziger Interessent hat die Telekom für 9,6 Millionen Euro den Zuschlag erhalten. Dabei sah es zwischenzeitlich nicht gut aus. "Das Ursprungsangebot lag etwa neun Millionen über dem gesetzten Limit", sagte Matthias Pohler, Geschäftsführer der Tele-Kabel-Ingenieurgesellschaft (THI) aus Chemnitz, welche den Bedarf in Mittelsachsen analysiert und das Projekt vorbereitet hat. Mehrkosten für die Kommunen seien nun aber ausgeschlossen. "Das ist ein Festpreis", versicherte Pohler.
Die 9,6 Millionen Euro sind allerdings nicht die Gesamtkosten des gigantischen Ausbauprojektes. Der öffentliche Beitrag schließt lediglich die Wirtschaftlichkeitslücke. Sonst hätte sich wohl kaum ein Unternehmen gefunden, den ländlichen Raum zu erschließen - aufgrund der geringen Einwohnerdichte sind keine großen Gewinne möglich. Damit das Budget reicht, greift die Telekom auf verschiedene Technologien zurück. "Einige Ortsteile werden über Festnetz analog der DSL-Technik angeschlossen, andere via Mobilfunk. Außerdem gibt es Regionen, wo beide Varianten genutzt werden", erklärte Matthias Pohler. Damit zumindest an den Hauptfunkmasten ein starkes Signal ankommt, sollen sie mit Glasfaserkabeln erschlossen werden.
Die Telekom setzt zudem auf die Zukunftstechnologie Long Term Evolution (LTE). Dabei senden Funkmasten Signale in die Haushalte. Die Empfänger, ähnlich den Speedports mit kleiner Plastikantenne, nehmen diese auf und ermöglichen teilweise sogar den schnurlosen Zugang zum Internet. Von jedem Funkturm können Haushalte im Umkreis von etwa zehn Kilometern versorgt werden. Die Telekom setzt wie Vodafone bereits auf diese Technologie. Sie ist bereits in Mittweida, Claußnitz sowie in den Regionen Oederan, Rochlitz, Lunzenau und Penig verfügbar. "Schaffen wir dadurch nicht Doppelstrukturen?", fragte Hainichens Rathauschef Dieter Greysinger (SPD). Ja. "Aber Wettbewerb kann nur gut für die Kunden sein", sagte Matthias Pohler.
Auf Kritik stößt die kommunale Initiative indes bei Unternehmern der IT-Branche. Philipp Lissel und Mario Oehme versorgen zwischen Frauenstein und Rechenberg-Bienenmühle etwa 700 Haushalte und Firmen mit schnellem Internet via Funk. Sie fürchten um Kunden. "Das ist Steuergeldverschwendung und verzerrt den Wettbewerb", hadert Lissel mit dem subventionierten Ausbau des Breitbandnetzes. Seit 2005 ist das Unternehmer-Duo am Markt und hat einen "mittleren sechsstelligen Betrag" in den Netzausbau investiert -- "ohne Subventionen". Mario Oehme befürchtete nun eine Preisspirale nach unten: "Wir haben selbst in abgelegenen Regionen meist eine Lösung gefunden. Durch die kommunale Initiative wird künstlich Konkurrenz geschaffen. Dies drückt auch die Preise." Eine mögliche Folge: Kleine Unternehmer verlieren Kunden an die Konkurrenz. Laut einer Firmenstudie gilt etwa die Hälfte der 466 Ortsteile bisher als unterversorgt.


