Brigadegeneral Gerd Kropf und Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich beglückwünschten sich am Mittwoch auf dem Kasernengelände, dass sich die Bundeswehr-Spitze zum Standort Frankenberg bekannt hat.
Foto: Falk Bernhardt
Wettiner Kaserne muss Federn lassen
Statt 1170 Dienstposten in Zukunft nur noch 890
Frankenberg. Die Gesichter der Soldaten in der Frankenberger Kaserne sprachen am Mittwoch Bände. Die einen schienen zufrieden, andere wiederum sahen betrübt aus. Am trüben und tristen Wetter lag das allerdings keineswegs. Am Vormittag hatte das Kabinett in Berlin die Pläne von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) gebilligt, in denen nach monatelangen Spekulation verkündet wurde, welche Bundeswehrkasernen geschlossen und welche verkleinert werden.
Frankenberg bleibt zwar als Standort erhalten, muss aber deutlich Federn lassen. Von den bislang 1170 Dienstposten bleiben nach der Bundesreform nur mehr 870 erhalten. Das Fernmeldebataillon 701 wird ebenso wie das Kraftfahrausbildungszentrum aufgelöst. Dafür wird in Zukunft in der Wettiner Kaserne eine Ausbildungs- und Unterstützungskompanie untergebracht sein. Das heißt für einige Soldaten, dass sie in absehbarer Zeit woanders stationiert sein werden, womöglich ein Umzug mit der Familie ansteht.
Trotzdem setzte Brigadegeneral Gerd Kropf am Mittwoch ein Lächeln auf: "Wir freuen uns, in Frankenberg bleiben zu dürfen." Wie vielen Soldaten es ähnlich geht, sei dahingestellt. Fakt ist: das Gros der in der Kaserne stationierten Soldaten und zivilen Beschäftigten kommt aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. 80 Prozent davon sind Pendler, 20 Prozent leben in der Region. Heute wird der General zusammen mit anderen Generälen aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin mit Bundesverteidigungsminister de Maizière über die Reformpläne sprechen. "Wir werden tiefer ins Detail gehen", erklärte Kropf.
Auch Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) war erleichtert, nachdem er von der Entscheidung erfahren hatte: "Es ist ein guter Tag für Frankenberg und für die Kaserne." Hoffentlich sei die Standortdiskussion nun ein- für allemal beendet. In einer Stadt, in der seit fast 100 Jahren das Militär zum Stadtbild gehört, ja deren Identität mit prägte, wird auf Schließungspläne äußerst sensibel reagiert. 2004 gingen sogar 4000 Menschen auf die Straße und demonstrierten für den Erhalt der Kaserne. Das mag womöglich an einer Sache gelegen haben, die Firmenich treffend auf den Punkt brachte: "Die Soldaten gehen hier zum Bäcker, zum Frisör, ins Restaurant, fahren mit dem Auto in die Werkstatt und so fort." Welche Bedeutung die Kaserne für den Wirtschaftsstandort hat, sieht man an der Wohnungsgesellschaft Frankenberg. Allein für 370.000 Euro bezieht die Kaserne Strom von deren Heizkraftwerk.
Einer, der ebenfalls gut Lachen hatte, war Lutz Schröder, Vorstandsvorsitzender der Allgemeinen Wohnungsgenossenschaft (AWG): "50 bis 60 Wohnungen sind an Soldaten vermietet - und das seit Jahren." Ilona Roth, Geschäftsführerin für Handel und Dienstleistungen bei der IHK Chemnitz, bemerkte denn auch: "Viele Wirtschaftszweige profitieren von der Kaserne." Sie verwies nicht nur auf den Einzelhandel, sondern unter anderem auch auf das Handwerk. "Aufträge für Bauarbeiten oder Reparaturen binden Firmen und Arbeitsplätze", erklärte sie. Elko Schulze, Inhaber des gleichnamigen Cafés, gab zu bedenken: "Zu DDR-Zeiten sind die Soldaten in der Stadt gewesen, haben hier eingekauft. Heute fahren sie nach Dienstschluss nach Hause."
Kritik kam von der mittelsächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten, Veronika Bellmann: "Der Standort Frankenberg ist von den Kürzungsplänen überproportional betroffen." Mit der Auflösung des Fernmeldebataillons würden Stadt und Vereine einen wichtigen Paten verlieren. Solche Patenschaften bestehen etwa mit dem Ortsteil Altenhain und der Stadt Mittweida. Kritik gab es ebenfalls vom Döbelner Landtagsabgeordneten Henning Homann (SPD): "Sachsen wird bei der Berücksichtigung mit Bundeswehrstandorten klar benachteiligt."


