Claudia Sarnes hat mit ihrem kleinen Opel Corsa keine Probleme mit den Parklücken auf dem Markt in Mittweida.
Foto: Falk Bernhardt
Parklücken sind zu eng für dicke Autos
Autos werden immer länger und breiter - Stellflächen wachsen nicht mit
Mittweida/Hainichen. Wer kennt das nicht: Die Wagentür öffnet sich nur einen Spalt. Dann knallt sie schon ans benachbarte Auto. Der Autofahrer quält sich durch eine schmale Öffnung aus dem Cockpit seines Gefährts. Ist der Parkplatz zu schmal, das Auto zu wuchtig oder sind die Einparkkünste der Piloten beschränkt? Wahrscheinlich ist ein bisschen von jedem Ursache für die Bredouille von immer mehr Autofahrern. Denn: Die Breite der Lücken reicht schon lange nicht mehr aus, findet Andreas Schuster, Direktor des Instituts für Verkehrssystemtechnik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Eine Studie des Wissenschaftlers kommt zu dem Ergebnis, dass die Autos immer größer werden. "In den Musterverordnungen für den Straßenbau stehen zum Teil die uralten Maße von vor 40 Jahren drin", so Schuster.
Das bestätigt Mittweidas Bauamtschef Sebastian Killisch. Doch seine Schlüsse aus dieser Studie sind andere. "Warum sollen Stadtplaner eine teils Jahrhunderte alte Infrastruktur nun plötzlich über den Haufen werfen, nur weil die Autoindustrie immer größere Fahrzeuge baut?", fragt er. Die Stellflächen in der Stadt werden 2,50 Meter breit gebaut. Das ist das Maß, was die Kölner Forschungsgesellschaft für Straßenbau und Verkehr als Richtwert nennt. Kleiner und größer geht jedoch auch. Killisch: "2,30 Meter funktionieren auch, es wird aber eng. Diese Größe setzen wir nur um, wenn es Platzprobleme gibt." Bisher habe es über den Komfort der Parktaschen noch keine Beschwerden gegeben.
Auch nicht in Hainichen, wie Rathauschef Dieter Greysinger (SPD) sagt. Nach seinem USA-Urlaub räumt er jedoch ein: "Unsere Plätze sind schon ziemlich eng." Handlungsbedarf sieht er aber nicht. "Dann würden Buchten wegfallen, obwohl es schon wenige in der Innenstadt gibt." Anders sieht das Manuela Tschök-Engelhardt. Die Sprecherin der Peniger Stadtverwaltung plädiert für größere Stellplätze. Braucht Frau im Straßenverkehr etwa mehr Platz? "Nein", entgegnet sie. Vielmehr sind ihre Argumente vor allem pragmatischer Natur. "Es gibt immer mehr ältere Menschen. Die brauchen oft mehr Platz beim Ein- und Aussteigen. Das trifft auf Behinderte ebenso zu wie auf Mütter, die die Babyschale aus dem Auto holen müssen", zeigt Tschök-Engelhardt auf. Eine Mitarbeiterin eines überregional agierenden Planungsbüros hält die Regelbreite von 2,50 Meter unterdessen für ausreichend. "Das ist aber reine Ansichtssache. Fakt ist: Wer mit Fördermitteln bauen möchte, muss sich ohnehin an die geforderten Maße halten."
Fest steht: Werden die Stellflächen breiter, würde die Anzahl zurückgehen. "Das gefällt vielen sicher nicht", betont der Mittweidaer Sebastian Killisch. Er verweist darauf, dass in Sachsen fünf Hektar Fläche bebaut werden - pro Tag. Politisches Ziel sei es, dies auf unter zwei Hektar zu begrenzen. "Wir pflastern immer mehr Grundstücke zu, obwohl die Bevölkerung schrumpft - ein Widerspruch", zeigt Killisch auf.

