Kerstin Adam-Staron,  Regionalmanagerin. Kerstin Adam-Staron, Regionalmanagerin.

Foto: Andy Scharf/Archiv

"Das Marketing ist für uns das Wichtigste"

Regionalmanagerin verteidigt Nutzen ihrer neuen Stellen - Posten droht nach 2012 bereits das Aus

Rochlitz. Der Landkreis Mittelsachsen hat seit Jahresbeginn zwei weitere Mitarbeiter für die Wirtschaftsförderung. Politiker und Unternehmen zweifeln jedoch am Sinn der 750.000-Euro-Investition. Kerstin Adam-Staron sprach mit Andy Scharf über Zeitdruck, doppelte Strukturen und Fachkräfte.


Freie Presse: Frau Adam-Staron, als Regionalmanagerin wollen Sie den Kreis als Wirtschaftsstandort bekannter machen. Was haben Sie dafür bisher getan?

Kerstin Adam-Staron: Wir haben einiges angestoßen. Mit den Studien zu Fachkräften, Marketing und Technologietransfer haben wir eine solide Grundlage. Die Vorbereitungen zu einer Imagebroschüre und einem -film für Mittelsachsen laufen. Es gibt bereits eine Broschüre für Schüler, die unter anderem die regionale Identität fördern soll. Zudem wollen wir einen Preis für Mittelsachsens Wirtschaft ausloben. Kurz: Wir suchen nach der gemeinsamen Stärke, den Kreis zu vermarkten.

Freie Presse: Und die wäre?

Kerstin Adam-Staron: Mittelsachsen hat etwa 13.000 Unternehmen in vielen Branchen. Das macht es so schwer, die Strategie zu finden. Wir wollen den Kreis nachhaltig entwickeln. Dabei sind Stärken wie die Innovationskraft der Unternehmen, die ausgeprägte Nutzung erneuerbarer Energien oder auch mitarbeiterfreundliche Unternehmenskulturen wichtig.

Freie Presse: Sie sprechen von Broschüren und Werbefilmen, doch genau das brauchen die Unternehmer gerade nicht. Die Chefs wollen eine Verwaltung, die Bauanträge schnell bearbeitet und Investitionen den Weg ebnet.

Kerstin Adam-Staron: Das ist richtig. Nur: Ein Regionalmanagement setzt nicht am einzelnen Betrieb an, sondern verfolgt eher die mittel- und langfristige Entwicklung in der Region. Sicher könnten wir einiges mehr machen, aber wir haben nur bis Ende 2012 Zeit. Die Förderung für diese Stelle kann offenbar nicht verlängert werden, doch es wird andere Projekte geben. Daher ist das Marketing für uns das Wichtigste. Dazu zählt auch der Kampf um Fachkräfte. Wir benötigen Werbematerial, um den Menschen aufzuzeigen, was sie hier erwartet. Der einzelne Unternehmer wird kaum bemerken, dass sein neuer Mitarbeiter aufgrund des Regionalmarketings nach Mittelsachsen kam.

Freie Presse: Angesichts des kurzen Zeitfensters Ihrer Arbeit scheint die Initiative auf Sand gebaut.

Kerstin Adam-Staron: Von Sand kann keine Rede sein. Die Erkenntnisse aus Studien- und Umfrageergebnissen kann uns keiner nehmen. Wir wissen zum Beispiel nach der Auswertung, wie groß der Personalbedarf in einzelnen Branchen ist und was für Arbeitnehmer wichtig ist. Natürlich wäre es günstig, länger arbeiten zu können. Trotzdem: Der kurze Zeithorizont ist kein Grund, gar nicht erst damit zu beginnen. Es gibt spürbare Effekte. Sie treten nur nicht sofort ein, sondern erst nach fünf bis acht Jahren.

Freie Presse: Wie viele Unternehmen sitzen bisher mit im Boot?

Kerstin Adam-Staron: Am Mittelsachsen-Forum in Freiberg haben sich mehr als 100 Personen beteiligt, davon Vertreter von Firmen, Hochschulen und Kammern. Schaut man auf die 13.000 Unternehmen, klingt das wenig. Dennoch ist das für den Anfang gut.

Freie Presse: Die Zahlen zeugen nicht gerade von großem Interesse.

Kerstin Adam-Staron: Natürlich werden wir weitere akquirieren. Uns schwebt vor, unter anderem Manager und Köpfe der Gesellschaft als Botschafter zu gewinnen.

Freie Presse: Das Regionalmanagement im Erzgebirge ist vor zehn Jahren aus einem Referat des Landratsamtes hervorgegangen. Doch in Mittelsachsen existieren doppelte Strukturen weiter. Stehen Zusammenlegungen an?

Kerstin Adam-Staron: Welche doppelten Strukturen? Ganz gleich, ob die Saxonia Standortentwicklungsgesellschaft in Freiberg, Inno-Regio Mittelsachsen oder die Gründerzentren - alle haben spezielle Aufgaben. Es bleibt vorerst sicher auch dabei. Und: Die Regionalentwicklung des Erzgebirges hat ein ganzes Jahrzehnt Vorlauf.

Freie Presse: Was bleibt nach 2012 vom Regionalmanagement außer Kosten?

Kerstin Adam-Staron: Wir haben die Broschüren, den Film, die Internetseite und noch einiges mehr. Wir denken auch an eine Plattform. Auf dieser sollen Firmen Informationen zu Produkten und Leistungen ansässiger Unternehmen abrufen können.
 



 

 
erschienen am 09.08.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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