Sven Krause vom Rochlitzer Geschichtsverein während seiner Rede in der Kirche.
Foto: Mario Hösel
Erinnern mit Mut und Herz
300 Menschen verfolgen Gedenkveranstaltung für Holocaust-Opfer in der Rochlitzer Petri-Kirche
Rochlitz. Bisher einzigartig wird die Veranstaltung "Zukunft braucht Erinnerung" am Holocaust-Gedenktag am Freitagabend in der Rochlitzer Petri-Kirche bei vielen Besuchern nachhaltige Spuren hinterlassen. Die Symbiose aus gesprochenem Wort und Musik aus dem weltbekannten Film "Schindlers Liste" ging tief unter die Haut. Und machte selbst die Kälte im nahezu unbeheizten Gotteshaus zeitweise fast vergessen.
"Ja, es ist kalt hier drin, und wir widmen uns heute einem Thema, bei dem einem auch nicht unbedingt warm wird", kommentierte Sven Krause vom Rochlitzer Geschichtsverein die frostigen Temperaturen. Das Gedenken an die zahllosen Opfer gehöre jedoch wie kein anderes an diesem sakralen, besinnlichen Ort. Der Geschichtsverein wolle Verantwortung dafür übernehmen, die nachfolgenden Generationen darüber ins Bild zu setzen, was damals vor 60 Jahren in Rochlitz geschah. "Der Holocaust zeigte sich bereits weit vor der Machtergreifung der Nazis, dem Boykott gegen den jüdischen Geschäftsmann Christian Urbach und Drangsalierungen, denen sein Sohn Christian ausgesetzt war", blickt Krause zurück. Er erinnerte an die unrühmliche Geschichte des Rochlitzer Außenlagers des Konzentrationslagers Flossenbürg. "Wer heute im 'Mulde-Center' einkaufen geht, sollte sich bewusst machen, dass auf dem Gelände mehr als 400 Mädchen und Frauen Zwangsarbeit im hiesigen Rüstungsbetrieb leisten mussten." Der Hobby-Historiker forderte zum Aussprechen von Missständen auf: "Wir wollen zeigen, dass hier Menschen leben, die sich gegen braunen Terror wenden. Sicher werden wir von unserem kleinen Rochlitz aus die Entwicklung nicht global beeinflussen können. Aber wir müssen darauf aufmerksam machen, dass etwas nicht stimmt - hier in Deutschland."
Kerstin Arndt (FDP), Oberbürgermeisterin der Stadt Rochlitz, untermauerte die Aufforderung. "Wir dürfen nicht wegschauen, wenn rechte Parolen an die Wände geschmiert werden. In Rochlitz ist kein Platz für Nazis." Mit dem Gedenktag wolle man denen Mut machen, die sich gegen jede Form der Gewalt wendeten, gegen die Verunglimpfung von Homosexuellen und Andersdenkenden angingen und die Werte der Demokratie schützten. Noch sitze die NPD im Landtag. "Doch lassen Sie uns mit Kraft, Mut und Herz immer wieder darauf hinweisen, dass unsere Gegend keine rechte Hochburg ist", betonte Arndt. "Unser schlimmster Feind ist die Gleichgültigkeit. Unsere Zukunft soll vor der Missachtung von Menschenrechten geschützt werden."
Und René Beier vom Kirchenvorstand des Kirchspiels Rochlitzer Land warnte mit Worten aus dem biblischen Römerbrief vor allgemeiner Teilnahmslosigkeit und Resignation. "Wir sind zum Gegenhalten aufgefordert", unterstrich er. Die Welt lasse sich nun mal nicht in Gut und Böse einteilen. "Die Linien verschwimmen, jeder Mensch trägt einen Schatten in sich." Extremismus habe seine Ursachen. "Und deshalb müssen wir im Gespräch bleiben, so, wie wir das heute hier tun."
Die Veranstaltung brachte eine Kollekte von 450 Euro. Die Spende kommt geistig und körperlich behinderten Menschen im "Haus Bethanien" in Königsfeld zugute.


