Während vorne ein Grabungshelfer noch Mauerreste frei legt, ist im hinteren Teil des Bildes bereits das neue Pflaster zu sehen.Foto: Mario Hösel
Mauerreste auf Schloss Rochlitz erzählen Geschichten
Archäologenteam findet Spuren eines Brandes aus dem 13. Jahrhundert
Rochlitz. Mauerreste, die aus zig Steinen bestehen - mehr kann der Laie im Innenhof des Rochlitzer Schlosses in diesen Tagen nicht erkennen. Für den Fachmann sind sie jedoch eine Offenbarung. "Es ist schon sehr spannend, was wir hier bis jetzt alles entdeckt haben", sagte am Freitag Angelika Salmen, die Grabungsleiterin einer siebenköpfigen Gruppe von Archäologen, die seit März auf einer fast 1200 Quadratmeter großen Fläche nach und nach Erdschicht um Erdschicht abtragen. "Wir gehen dabei in eine Tiefe bis etwa 60 Zentimeter", erklärte sie.
Das Gefundene lässt aufhorchen. An der Südseite der nördlichen Ringmauer zwischen dem Fürstenhaus und dem westlichen Querhaus wurden in den zurückliegenden Wochen Grundmauern verschiedener älterer Burggebäude freigelegt. Die Fundamente lassen sich laut Salmen in die Zeit vom 13. bis in das 20. Jahrhundert einordnen. Sie geht von fünf Bauphasen aus. Das Besondere daran: Einst muss dort ein Feuer, wenn nicht im Laufe der Zeit sogar mehrere, gewütet haben. "Das älteste Gebäude aus dem 13. Jahrhundert fiel teilweise einem Brand zum Opfer, auch an weiteren Stellen des Hofes sind Spuren eines größeren Brandereignisses erfasst", bemerkte die Forscherin und verwies auf Brandschuttplanierungen und Reste verkohlter Bauhölzer.
Regelmäßig fördern die Grabungen in dem mehr als 1000 Jahre alten Schloss Überraschungen zu Tage. Unmittelbar neben dem Eingang zum Burghof stießen die Forscher gleich zu Beginn der Arbeiten auf Teile eines bis dato unbekannten Gebäudes. In den dortigen Erdschichten befand sich Keramik aus dem 11., spätestens aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Da nimmt es nicht weiter wunder, dass am Freitag auch Landesarchäologin Regina Smolnik geradezu ins Schwärmen geriet. "Neben dem Burgberg in Meißen sind die Arbeiten in Rochlitz die bedeutendste archäologische Grabung auf einer sächsischen Burg", sagte sie. Fast 200Befunde seien seit dem Frühjahr dokumentiert worden, das heißt, die Umstände eines Fundes werden fotografisch, zeichnerisch und in Textform festgehalten. Die Grabungsmitarbeiter haben dabei nicht nur Keramik, Beschläge und Nägel aus dem Boden geholt, auch Reste von Kinderspielzeug zeugen vom früheren Leben auf der Burg. Sind diese Kleinfunde ebenso wie die restlichen Befunde erst zeitlich eingeordnet und von den Wissenschaftlern ausgewertet, erhofft sich das Landesamt für Archäologie, die Baugeschichte der Anlage rekonstruieren zu können.
Für die Auswertung ist Zeit vorhanden. Bei den Grabungen indes ist Eile geboten. Denn parallel zu diesen lässt der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) für rund 1,2 Millionen Euro den Innenhof neu pflastern, das westliche Querhaus und Außenanlagen auf Vordermann bringen. Das Archäologenteam muss deshalb im September abrücken. Eine sichtbare Konservierung der Mauern ist laut Landesarchäologin Smolnik nicht geplant. Was jetzt nicht gefunden wird, bleibt also unentdeckt. Die Mauerreste würden, wie Grabungsleiterin Salmen hinzufügte, mit einer Schicht aus einem Lehm-Ton-Gemisch verschüttet, mit Folie abgedeckt, darauf werde Schotter aufgebracht, dann das Pflaster verlegt. Der Leiter des Schlosses, Peter Knierriem, möchte aber, dass die Grabungen in der neuen Dauerausstellung in Form von Plänen, Fotos und Modellen einen Platz erhalten. Eröffnet werden soll diese im April 2013.
Service:
Gelegenheit,einmal einen Blick auf die Grabungen auf Schloss Rochlitz zu werfen, bietet sich Mittwoch, 15. August, ab 17 Uhr bei einer kostenlosen Führung.

