Der 23-jährige Benjamin Frenzel bekommt dreimal in der Woche Besuch von Roland Weber. Auf dem Plan stehen gemeinsame Spaziergänge, spielen, aber auch regelmäßiges Üben.
Foto: Mario Hösel/Archiv
Projekt füllt Lücke in Behindertenhilfe
Menschen mit Handicap zu helfen und sie zu fördern, ist das Anliegen des Assistenzdienstes in der Diakonie Rochlitz
Rochlitz. Es gibt Förderschulen, Heime, betreutes Wohnen und auch Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Was aber, wenn ein solcher Mensch nicht in diese Angebote "passt"? Dann stieß man bei der Suche nach Hilfe bislang schnell an Grenzen. Diese Lücke füllt nun der sogenannte Assistenzdienst der Diakonie Rochlitz. Nach zwei Jahren Aufbauphase steht er jetzt auf eigenen Füßen. Das heißt, er wird nicht mehr als Projekt vom Freistaat Sachen gefördert, sondern trägt sich selbst und ist in die mobile Behindertenhilfe des Diakonischen Werkes Rochlitz eingegliedert.
Wie es ist, auf einmal ziemlich allein dazustehen - diese Erfahrung haben Dirk und Susann Frenzel machen müssen. Ihr Sohn Benjamin, inzwischen 23, hatte als 19-Jähriger einen schweren Unfall. Nach Klinikaufenthalt und Reha kam er im Rollstuhl und geistig behindert nach Hause zurück. "Das einzige, was er allein konnte, war atmen", sagen die Eltern. Mittlerweile hat ihr Sohn mithilfe der Familie und den Therapeuten große Schritte nach vorn gemacht: Er läuft, lernt lesen und schreiben, kann sich unterhalten, kleine Alltagsdinge und Körperhygiene selbst beherrschen. Aber ganz allein bleiben kann er nur bedingte Zeit. Und er braucht nicht nur Betreuung, sondern auch Förderung: Das tägliche Üben, damit es weiter bergauf geht. Und das in seinem gewohnten Umfeld, damit er lernt, sich auch außer Haus wieder zu orientieren. Die Frage, wie das machbar ist, blieb unbeantwortet - bis die Eltern in einem Zeitungsartikel von dem Assistenzdienst lasen. Egon, ein körperlich und geistig behinderter Junge, wurde von einem jungen Mann über diesen Dienst betreut und fand in ihm einen Freund, der ihn fördert und fordert. So einen hat auch Benjamin seit einiger Zeit. Dreimal in der Woche kommt er für eine Stunde zu ihm, geht mit ihm spazieren, übt und spielt mit ihm.
"Unser Angebot ist ganz individuell auf die Betroffenen zugeschnitten", sagt Doreen Lägel. Sie leitet das Projekt, das vor zwei Jahren anlief. Damals mit vier sogenannten Assistenznehmern (Menschen, die die Hilfe in Anspruch nehmen) und einem Assistenten. Inzwischen bieten 18 Assistenten ihre Dienste an, 28 Menschen werden betreut - vom Schulkind, das Hilfe im lebenspraktischen Bereich zum Beispiel beim Ankleiden braucht, über Jugendliche und junge Erwachsene bis hin zu älteren Leuten mit körperlichen Behinderungen. "Dort ist es dann oft auch eine Kombination aus Haushaltsleistungen und Begleitung in der Freizeit", erklärt Doreen Lägel.
Wichtig ist: "Der Behinderte gibt vor, was er möchte." So wird versucht, aus einer Gruppe von Assistenten den Passenden zu finden. "Da ist unter anderem das Alter zu beachten und auch, gerade bei pflegerischen Leistungen, das Geschlecht. Wenn die Chemie zwischen beiden stimmt, kann es losgehen", erklärt Lägel. Für die Leistungen stehen den Betroffenen Gelder vom Sozialamt oder der Krankenkasse zur Verfügung oder sie zahlen selbst. "Auch dazu beraten wir."
Assistent werden kann jeder, der auf diese Weise helfen möchte. Das Betätigungsfeld - ob eher Unterstützung im Haushalt oder Betreuung und Begleitung im Freizeitbereich - bestimmt er selbst.
Informationen zum Assistenzdienst gibt es bei Doreen Lägel unter Telefon 03737 449184 oder per E-Mail an assistenz@diakonie-rochlitz.de


