Schließung bedroht Vereinsleben
Macht das kleine Hallenbad in Rochlitz für immer dicht, könnte das der Tod für die Wassergymnastik sein
Rochlitz. Die Zukunft des Hallenbades in Rochlitz ist ungewisser denn je. Das dürfte mittlerweile jedem klar sein. Denn Oberbürgermeisterin Kerstin Arndt (FDP) hat kürzlich den Fortbestand des Lehrschwimmbeckens offen infrage gestellt. Die Gründe: erstens zu hohe Kosten. Das Bad verschlang laut Verwaltung zuletzt 117.000 Euro an Betriebskosten. Zweitens die geringe Nachfrage. Zuletzt wären es lediglich 900 Nutzungsstunden gewesen. Drittens das Becken überhaupt. Es sei zu klein und zu flach.
In der Muldestadt schlagen die Wellen seither hoch. Die Menschen, die in dem kleinen Becken in der Mittelschule seit Jahren trainieren, laufen Sturm und appellieren an Stadt und Stadträte, das Lehrschwimmbecken zu erhalten. Zuletzt der Schwimmtrainer des VfA Rochlitzer Berg, Gerald Goldhammer. Nun Mitglieder des BSC Motor Rochlitz und der Wasserwacht.
Gabriele Grigat: "Wir hören ständig: Das Bad muss weg." Die 62-jährige Frau, die seit Anfang der 1990er-Jahre Wassergymnastik macht, versteht die Welt nicht mehr. "Wir haben Anfang des Jahres eine zweite Gruppe gebildet. Wegen der hohen Nachfrage überlegen wir, eine dritte Gruppe aufzumachen." Dass die Nachfrage zu gering ist, wie die Stadt behauptet, scheint sich zumindest nicht auf die Wassergymnastikfrauen zu beziehen. Seit 1992 die Behindertensportabteilung des BSC Motor Rochlitz aufgebaut und geraume Zeit später in dieser Sparte die Wassergymnastik etabliert wurde, wächst deren Mitgliederzahl stetig. Aktuell frönen laut Grigat beinahe 50 Frauen regelmäßig diesem Sport. Wo trainieren, wenn das Bad dicht macht? Welche Alternative gibt es für die Frauen, etwas für ihre Gesundheit zu tun? Diese Fragen stellen sich der Rochlitzerin. Nach Burgstädt fahren, wäre laut Grigat auf Dauer zu teuer, für viele, vor allem ältere Frauen, auch zu anstrengend. Und ihre Schwimmkollegin Ute Schmidt ergänzt: "Es sollte alles getan werden, um das Bad zu erhalten."
Kritik kommt auch seitens der Wasserwacht. Vorsitzende Ute Merker-Fuhrmann: "Es gibt keine Alternative für uns." Allwöchentlich würden dort zwischen 35 und 40Mitglieder trainieren, um sich für ihren Dienst im Rochlitzer Freibad im Sommer vorzubereiten. Auch sie hält das Burgstädter Bad für zu teuer und sagt zudem, dass es zu weit weg wäre.
Oberbürgermeisterin Arndt fühlt sich indes missverstanden, sagt, es wäre nur ein Gedankenspiel, bemerkt aber im selben Atemzug: "Wir müssen darüber nachdenken, was zu tun ist, wenn das Ganze nicht mehr wirtschaftlich ist." Die Benutzungsentgelte und Betriebskosten klafften immer weiter auseinander.


