Zeisig-Ampel mutiert zum Spielball der Behörden
Der Peniger Knotenpunkt avanciert immer mehr zur Verwaltungsposse
Penig. Sieben Mal hat es am Knotenpunkt Am Zeisig binnen der vergangenen zwölf Monate gekracht. Allein diese Tatsache sollte für die verantwortlichen Behörden doch Anlass genug sein, die alte Ampelanlage schnell wieder zu installieren, glaubt der Peniger Stadtrat Martin Bergmann (Freie Wähler). Doch weit gefehlt: Statt zu handeln, schieben drei Ämter die Verantwortung weiter munter hin und her.
Autobahnamt ist am Zug
Derzeit liegt der Spielball beim Autobahnamt in Dresden. Die mittelsächsische Kreisbehörde hatte vergangene Woche angeordnet, eine neue Ampel Am Zeisig zu installieren. Die Kosten dafür soll das Amt in der Landeshauptstadt tragen. "Wir prüfen momentan den Sachverhalt", teilte Sprecher Michael Stritzke auf Anfrage mit. Ihn verwundere das Theater um die Licht- signalanlage jedoch auch. "Schließlich steht die Verkehrssicherheit im Vordergrund. Und der Zeisig ist nun einmal ein Unfallschwerpunkt", sagte Stritzke.
Scheint so, als stünde die Startampel für das Vorhaben mittlerweile zumindest auf Gelb. Doch die bisher ans Tageslicht gekommenen Widersprüche deuten daraufhin, dass ein zeitnaher Wiederaufbau der Anlage längst nicht feststeht. Am Mittwoch teilte Bernhard Wiedmaier vom Straßenbauamt Chemnitz mit, dass "der Rückbau der Ampel vom Autobahnamt Sachsen beantragt und vom Landratsamt Mittelsachsen angeordnet" worden war. Ergo: "Wir haben momentan mit dem Wiederaufbau nichts zu tun", sagte Wiedmaier.
Widersprüche bleiben
Recherchen der Mitarbeiter des Straßenbehörde in Mittelsachsen ergaben nun jedoch, dass das Chemnitzer Amt sehr wohl "am 18. Mai 2009 in einem Schreiben den Abbau der Zeisig-Ampel verfügt hat", sagte Jürgen Zimmermann, Abteilungsleiter Straßen im Landratsamt. Dem waren damals zwei Unfälle binnen eines Monats vorangegangen.
Geheimnis ist gelüftet
Uwe Himpel, Juniorchef des Gasthofes "Zum Zeisig", fragt sich schon lange, warum überhaupt ein Behörden-Zwist um die Finanzierung einer neuen Ampel entfacht ist. Schließlich müsse der Verursacher doch eine Versicherung gehabt haben. Dieses Geheimnis ist nun zumindest teilweise gelüftet. "Die Versicherung hat nach dem ersten Crash die Installation einer provisorischen Ampel unter unserer Regie mitfinanziert", sagt Jürgen Zimmermann. Kaum war die Anlage erneuert, krachte es am Zeisig im Frühjahr 2009 erneut. "Wir hatten den Reparaturauftrag bereits ausgelöst, als das Chemnitzer Straßenbauamt mit dem Abbau aufwartete. Ob die Versicherung noch gezahlt hat, weiß ich nicht", sagt Zimmermann. Kann er auch nicht - denn abgebaut hat die Anlage ja die Chemnitzer Behörde. Wahrscheinlich wurde die Kohle der Versicherung auch dafür verwendet.
Ämter: Autofahrer sind schuld
Bei allen Ungereimtheiten in diesem diffusen Zusammenspiel dreier Behörden gibt es am Ende dennoch einen gemeinsamen Nenner. Sowohl der Chemnitzer Behörden-Vize als auch Mittelsachsens Straßenchef sind sich nämlich einig: Würden sich die Autofahrer an die Verkehrsregeln halten, gebe es auch keine Häufung von Unfällen. "Am Stoppschild muss man anhalten. Doch einige rollen drüber, und dann kracht es", ärgert sich Zimmermann. Abhilfe schafft nur eine Ampel - die es schon einmal gab, aber die nun keiner bezahlen will.


