Zumindest die Bergbrüderschaft Schneeberg scheint dank Bastian (vorn) und anderer Bergknappen keine Nachwuchssorgen zu haben.
Foto: Silke Keller-Thoss
Bergbrüder fühlen sich in Auerbach wohl
Rappelvoll ist der Weihnachtsmarkt, wenn die Bergleute durch die Stadt marschieren.
Auerbach. Kurz nach 14 Uhr bietet sich am Treffpunkt neben dem Rathaus noch ein buntes Bild. Zwanzig Minuten später kommt Bewegung in die 145 Habitträger: Höchste Zeit, sich seiner Truppe anzuschließen. Wie jedes Jahr am dritten Advent reihen sich vier Bergbrüderschaften zur Parade aneinander. Sie kommen aus Zwickau, Schneeberg, Sosa und Oelsnitz im Erzgebirge.
Mittendrin steht Karl-Heinz Thate in schlichter Arbeitskluft. Am Mann sind Eisen, Täschchen, Schlägel, Stichel und ein kleines Messer. "Damit sind früher untertage auch Bemmen geschmiert worden", sagt er. Beim Erzählen kann der Hüttelsgrüner auf eigene Erinnerungen zurückgreifen. Immerhin 33 Arbeitsjahre im Zwickauer Steinkohlebergbau liegen hinter ihm. Keiner Auerbacher Bergparade sind er und seine knapp 50 Kumpel bisher freiwillig fern geblieben. Weil man sich auch jenseits von Chemnitz, Schneeberg und Annaberg wohl fühlt: "Das hier ist eine kleinere Parade und es geht gemütlicher zu. Hinter den größeren braucht sie sich aber nicht zu verstecken", steht für den 72-Jährigen fest. Dann nimmt Thate die Beine in die Hand und seinen Stammplatz zwischen den anderen Vereinskameraden ein.
Am Start stehen die Zuschauer noch dünn gesät. Kurz vor dem Ziel wird es dann richtig eng. Das ist nach zehn Marschminuten an geöffneten Läden vorbei auf dem Neumarkt erreicht. Zum Abschlusszeremoniell gehören wie üblich Bergmannslieder und Grußworte von Auerbachs Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos). Beides setzt dem Weihnachtsmarkt ein feierliches Ende.
Vordere Plätze im Gedränge konnten sich Dieter und Sigrun Wintersig sichern. Die Fans der vogtlandweit einzigen Bergparade nahmen dafür die vielleicht weiteste Anreise in Kauf. "Mit Vergnügen", wie beide versichern. Und nicht als einzige. Denn zwei Delegationen aus Auerbachs Partnerstadt Grevenbroich statteten der Drei-Türme-Stadt am Wochenende einen Besuch ab. Die offizielle mit Bürgermeisterin Ursula Kwasny musste bereits am Sonntagvormittag zurück. Dieter und Sigrun Wintersig gehörten einer 13-köpfigen Gruppe an, die bis heute bleibt und das Vogtland und Erzgebirge gerne noch privat erkundet. "Wir sind auch ein Bergbaugebiet, bei uns wird Braunkohle im Tagebau abgebaut. Aber Bergparaden gibt es keine, dafür Schützenfeste", berichten sie vom Niederrhein. Angetan hat es den Besuchern noch ein anderer Brauch: "Man sieht kaum ein Fenster, in dem kein Schwibbogen leuchtet. So ausgeprägt ist das bei uns nicht."


