Um die Stollen unter dem Auerbacher Goethepark zu entwässern, ist bereits im Frühjahr ein Kanal angelegt worden, durch den das Wasser in die Göltzsch fließt. Foto:
Foto: Joachim Thoss
Bergleute suchen Hohlräume am Gericht
Bergbauexperten fahnden unter dem Gelände des Goetheparkes
Auerbach. Die Fachleute des Schachtbaus Nordhausen wollen in den nächsten Tagen am Auerbacher Amtsgericht abteufen. "Dort wird ein Schacht angelegt, über den die Arbeiter von oben gefahrlos zu einem eingebrochenen Stollen vordringen können", übersetzt Michael Kühn den Begriff aus der Bergmannssprache. Der Bergingenieur, der in seinem Arbeitsleben bereits mehr als zehn Jahre unter Tage Erfahrungen gesammelt hat, ist als Sachbearbeiter im Sächsischen Oberbergamt in Freiberg für die Erkundung des Altbergbaus in Auerbach zuständig.
Beim Erforschen und Sichern der Stollen zwischen Göltzschtal- und Kaiserstraße sowie Schulstraße und dem Bereich des Amtsgerichtes hat es neue Erkenntnisse gegeben. "Der Heilige Brunnen Stollen endet am Gymnasium. Wassergefüllte Weitungsbaue haben wir dort nicht gefunden", sagt Kühn. Zu dem Ergebnis waren die Bergleute gekommen, nachdem sie einen Einbruch weggeräumt hatten. Wenige Meter nach der Einbruchstelle war der Stollen zu Ende. Der Auerbacher Helmut Martin hatte auf der Strecke von größeren Hohlräumen und mehreren seitlich abzweigenden Gängen berichtet. Der Heimathistoriker hatte die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Stollen einst im Zusammenhang mit der Kulturbundarbeit befahren.
Für Kühn ist diese neue Erkenntnis zu den Hohlräumen wichtig: "Wir nehmen an, dass die Bedeckung der Hohlräume relativ gering ist. Wenn sie sich nicht am Gymnasium befinden, brauchen wir uns dort wenigstens keine Sorgen mehr zu machen." Grundsätzlich anzweifeln will er den Wahrheitsgehalt der Aussagen des Heimatfroschers aber nicht: "Bisher hat alles gestimmt, was Helmut Martin berichtet hat."
Foto: Silke Keller-Thoß
Jetzt suchen Michael Kühn und die Mitarbeiter des Schachtbaus in einem zweiten Stollen nach den Weitungsbauen, dem Elisabethstollen. Das Problem dabei: "Es gibt dazu kaum schriftliche Quellen." Helmut Martin hat in seinen Aufzeichnungen davon gesprochen, dass sich die Hohlräume "in Höhe" des Gymnasiums befinden. Die Fachleute hoffen nun, sie in dem anderen Stollen zu finden. Doch dazu muss erst die in Höhe des Amtsgerichtes eingebrochene Erde beseitigt werden. Kühn schätzt, dass der eingebrochene Abschnitt etwa in anderthalb bis zwei Monaten freigeräumt ist. Dazu wird am Amtsgericht in den nächsten Tagen ein Kran aufgestellt. Der als Teufe bezeichnete senkrechte Zugang wird in den nächsten Tagen eingebracht, damit die Bergleute das Material aus dem Stollen räumen können. Unter Tage würde die Gefahr bestehen, dass Erdreich nachrutscht und die Leute begräbt. Die Sohle des etwa 1,80 Meter hohen Ganges befindet sich an der Stelle etwa 20 Meter unter der Erde. Der Einbruch hat inzwischen eine Höhe von rund zehn Metern erreicht.
Die Verwechslung zwischen Heiliger Brunnen Stollen und Elisabethstollen könnte Helmut Martin nach Ansicht Kühns unterlaufen sein, wenn er das Gesehene längere Zeit nach der Entdeckung niedergeschrieben hat. Da Martin die Entdeckung der wassergefüllten, größeren Hohlräume und mehrerer kurzer Seitengänge aber in einem mittleren Stollen beschreibt, geht Bergingenieur Kühn sogar davon aus, dass in Richtung Falkensteiner Straße noch ein weiterer Stollen zwischen Göltzschtal- und Kaiserstraße existiert.

