Entwicklung der Schülerzahlen Die Entwicklung der Schülerzahlen an Berufsschulen im Vogtland in den letzten zehn Jahren.

Foto: Tilo Steiner

Berufsschulzentren drohen Einschnitte

Geplante Strukturreform soll die Ausbildungslandschaft im Vogtland verändern

Rodewisch/Falkenstein. Die Berufsschulzentren (BSZ) in Rodewisch und Falkenstein bangen um ihre Eigenständigkeit. Das Landratsamt bereitet eine Reform der Bildungslandschaft im Vogtland vor, die zwei der bislang fünf Hauptstandorte zu Außenstellen herabstufen würde. Berufsschulen befinden sich in Trägerschaft des Landkreises.

Vor ein paar Tagen berieten die Schulleiter in Plauen über mögliche Zusammenschlüsse und entschieden sich nach Informationen von "Freie Presse" für eine Variante, bei der Falkenstein an das Plauener BSZ "Anne Frank" und Rodewisch an Reichenbach fällt (Lösung A). Der Kreistag soll das neue Modell im nächsten Jahr beschließen.

Beide vom Landratsamt vorgeschlagenen Varianten sehen jedoch als zentrale Änderung den Verlust der Selbstständigkeit von Rodewisch und Falkenstein vor, die bislang neben den BSZ in Reichenbach und den beiden in Plauen gleichwertig rangieren. Das beinhaltet ein bislang unveröffentlichtes Papier, das der Redaktion vorliegt. An den betroffenen Schulen wird das Thema schon jetzt diskutiert. "Die Kollegen sorgen sich, dass die Zusammenlegung nur ein erster Schritt ist", sagte Jens Vulturius auf Nachfrage. Er ist Personalrat am BSZ für Wirtschaft in Rodewisch. "Und dass langfristig Standorte fallen." Dies könnte den Verlust von Stellen bedeuten.

Schließungen seien jedoch nicht vorgesehen. Das sagte Wirtschaftsdezernent Lars Beck der "Freien Presse" auf Anfrage. Die Reform soll zum Schuljahr 2013/2014 greifen, weil die Bildungsagentur die Änderung erst genehmigen muss. Beck begründet die Maßnahme mit sinkenden Schülerzahlen.

Mit einem Rückgang der Auszubildenden kämpfen alle Einrichtungen im Vogtland: Im Vorjahr waren im Vergleich zum Jahr 2000 nur noch 60 Prozent der einstigen Zahl an Berufsschülern eingeschrieben. Das ergibt eine Auswertung von Zahlen des Statistischen Landesamtes. Kurzfristige Anstiege erklären sich vor allem durch Standortfusionen in der Vergangenheit.

Mit ähnlichen Problemen sehen sich nicht nur die Einrichtungen im Vogtland konfrontiert. Die Schulnetzplanung der Berufsschulzentren wird deshalb derzeit für ganz Sachsen diskutiert. Im Kultusministerium in Dresden liegen bereits Pläne anderer Landkreise vor. So stehen auch im Erzgebirge Einschnitte an. Darüber informierte Kultusminister Roland Wöller (CDU) vorigen Monat in der Antwort auf eine Anfrage der SPD. Ziel der Reform ist es, für jeden Ausbildungsberuf mindestens einen Standort so festzulegen, "dass langfristig Folgeinvestitionen minimal, die erwartete Akzeptanz bei der Wirtschaft und den Auszubildenden maximal und die Folgerung für die Regionalentwicklung optimal sein sollten". Die Schließung von Berufsschulen sei nicht das Ziel, sagte auch Wöller. "Vielmehr sollen die Standorte der beruflichen Bildung ausgewogen auch im ländlichen Raum gestärkt werden."

Ein Plan für das Vogtland fehlt in Dresden noch. Doch die Reform für die Berufsschulen ist keine Pflicht. Ob es überhaupt zu Strukturänderungen kommt, legt der Landkreis selbst fest, so eine Ministeriumssprecherin. Welche Summe damit eingespart werden kann, will Wirtschaftsdezernent Beck erst mit der Vorlage für den Kreistag angeben. Ob damit auch Angebote an Standorten wegfallen, liegt im nächsten Schritt bei der Bildungsagentur.

 
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Berufsschulzentren drohen Einschnitte
Diskutierte Varianten zur Strukturreform
 
erschienen am 27.12.2011 ( Von Nicole Jähn )
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