Da fehlen dem Naturschutzbeauftragten Eberhard Fröhlich die Worte. Derart ist in die zwischen der alten Lehmgrube und dem Limbacher Tierheim Mitte der 90er Jahre von Naturfreunden und ABM-Kräften gepflanzte Feldhecke eingegriffen worden. Die Agrargenossenschaft Am Kuhberg mit Sitz in Losa bedauert die Art und Weise der Aktion, spricht jedoch auch im Hinblick auf weitere Abschnitte von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Da fehlen dem Naturschutzbeauftragten Eberhard Fröhlich die Worte. Derart ist in die zwischen der alten Lehmgrube und dem Limbacher Tierheim Mitte der 90er Jahre von Naturfreunden und ABM-Kräften gepflanzte Feldhecke eingegriffen worden. Die Agrargenossenschaft Am Kuhberg mit Sitz in Losa bedauert die Art und Weise der Aktion, spricht jedoch auch im Hinblick auf weitere Abschnitte von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit.

Foto: Franko Martin

Naturschützer kritisieren Agrarbetrieb

Nach einem Eingriff in einen Feldhecken-Verbund sprechen Naturfreunde von Kahlschlag

Limbach/Losa. Für Eberhard Fröhlich steht fest: "So einen Eingriff habe ich in den 50 Jahren, in denen ich mich für den Naturschutz engagiere, noch nicht erlebt. Das ist absoluter Vandalismus und nicht nur für mich absolut nicht nachvollziehbar", wettert der Naturschutzbeauftragte des nördlichen Vogtlandes aus Netzschkau und spricht damit den kürzlich erfolgten Kahlschlag auf einem Abschnitt des von Naturfreunden und ABM-Kräften Mitte der 1990er-Jahre gepflanzten und etwa fünf Kilometer langen Heckenverbundes zwischen Limbach und Losa an. Etwa 100 Meter nach dem Limbacher Tierheim zur alten Lehmgrube hin hatte die mit Feldern anrainende Agrargenossenschaft Am Kuhberg Losa mit Technik die Hecke auf einem mehrere Meter langen Teilstück zurückgestutzt.

Ein preisgekröntes Eldorado

"Aber leider sind Hecken ja nicht geschützt. Dabei handelt es sich hier nicht um irgendeinen Eingriff", spricht Eberhard Fröhlich von zerstörtem Lebensraum für zahlreiche seltene Vogelarten wie Mönchsgrasmücke, Sumpfrohrsänger oder Goldammer. Auch Kleinsäuger würden so eines wichtigen Refugiums beraubt. "Zudem sehe ich darin eine Verhöhnung ehrenamtlicher Arbeit." Einer preisgekrönten sogar: Im Jahr 2004 hatte es für die Feldhecke innerhalb eines Naturschutz-Projekts der Dresdener Feldschlösschen-Brauerei den ersten Preis gegeben. Eberhard Fröhlich: "Die Hecke ist schon im Vorjahr beschnitten worden, ein derartiges Vorgehen ist aber beispiellos. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Agrargenossenschaft Leute ohne Sinn für Ökologie sitzen. Das sind doch akademisch gebildete Menschen." Ein Spaziergänger hatte jetzt den Eingriff in das Eldorado beobachtet und den Naturschützer informiert.

Anbaufläche geht verloren

In Losa sieht man den Eingriff selbstkritisch. "Es tut uns leid, dass die Sache so gelaufen ist", sagt Daniel Hirsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Agrargenossenschaft Am Kuhberg. Allerdings sei ein Eingriff in den auf einer Länge von etwa vier Kilometern an die Felder der Genossenschaft grenzenden Heckenverbund für den Agrarbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen alternativlos. "Obwohl wir überhaupt nichts gegen Hecken haben und ihre Funktion auch für ein funktionierendes Ökosystem natürlich kennen. Aber seit der Anpflanzung ist daran nichts gepflegt worden, sodass uns jährlich Erlöse in nicht unbeträchtlichem Umfang verloren gehen", sagt Daniel Hirsch: Teilweise mehrere Meter rage die Hecke mittlerweile auf die Felder. "Damit liegt dort landwirtschaftliche Nutzfläche brach. Den Ausfall zahlt uns keiner." Deshalb sei man auf der Suche nach einer Lösung, mit der im Landratsamt angesiedelten Naturschutzbehörde im Gespräch: Der Behörde gehören etwa 400 Meter des Heckengrundes an jener Stelle. Im nächsten Winter, so sei man übereingekommen, soll die Hecke auf diesem Abschnitt in Regie des Amtes beschnitten werden. Hirsch: "Uns ist auch klar, dass wir das Amt vor unserer Aktion hätten informieren müssen, das war unser Fehler. Die betroffenen Pflanzen werden in Absprache so zurechtgeschnitten, dass sie wieder frisch austreiben können."

30 Kilometer Konfliktpotenzial

Die Agrargenossenschaft sieht indes auch die Naturschützer in Bezug auf die Pflege des Heckenverbunds gefordert. Schließlich raint die Hecke abzüglich des Behördenparts noch etwa dreieinhalb Kilometer an die Kuhberg-Felder. Überhaupt stellen Grenzbepflanzungen für das Unternehmen ein nicht unerhebliches Problem dar. Daniel Hirsch bilanziert bis zu 30 Kilometer, an denen Erlös-Verluste auflaufen. Zudem sorgen zugewachsene Zufahrten auf Privatgrund dafür, dass damit wiederum Nutzfläche kostende Umwege zu Feldern inkauf zu nehmen sind. "Das ganze summiert sich also. Bei 58 Mitarbeitern, die alle etwas in der Lohntüte haben wollen, kein Pappenstil." Fast schon schizophren sei in diesem Zusammenhang die Praxis von Ausgleichspflanzungen zu bezeichnen: "Ein Beispiel nur: Da ist vor zwei Jahren in Foschenroda ein Ausgleich für eine Maßnahme in Plauen geschaffen worden. Statt in der Stadt das Grün zu halten, verlagert man es ins Grüne."

 
erschienen am 01.03.2013 ( Von Gerd Möckel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
9
(Anmeldung erforderlich)
  • 08.03.2013
    12:39 Uhr

    Nixe: @finnas: Gegenseitige Beschimpfung: Ich möchte nur noch mal auf den ersten Kommentar von Nervzwerg verweisen. Erstens fand ich es gegenüber dem Mann sehr unfair und geschmacklos, zweitens ärgere ich mich über sowas, drittens wollte ich eigentlich etwas zum Thema sagen (natürlich kann man auch drittens voran stellen ;-) ). Tut mir leid, wenn ich dann nicht immer diplomatisch bleiben kann. (Wie es in den Wald hineinschallt...)

    0 2
     
  • 07.03.2013
    19:34 Uhr

    finnas: Wenn die Diskussion in gegenseitigen Beschimpfungen ausartet, sollte vielleicht doch so eine Art Zensur greifen.
    Aber zur Sache:
    Die ökologische Bedeutung von Hecken kann nicht hoch genug bewertet werden. Sie müßten besser geschützt werden und es sollte auch mehr Neuanpflanzungen geben, um die Sünden der Vergangenheit wieder auszugleichen. Man muß aber auch in Rechnung stellen, dass wir eine Kulturlandschaft mit intensiver Landwirtschaft haben, in der es klare Abgrenzungen geben muß. Hecken haben die Tendenz, sich zu verbreitern. Werden sie nicht ständig begrenzt, wuchern angrenzende Flächen nach und nach zu. Der Landwirt muß deshalb regelmäßig seine Furche ziehen, wo die Hecke enden soll. Dabei kann auch einmal ein zu weit überhängender Ast entfernt werden müssen. Dass aber die Hecke gestutzt wird und zu einer Bonsai-Ausgabe verkümmert, geht zu weit.
    Wenn Hecke und Landwirtschaftsfläche nicht in einem Besitz sind, bedarf es ordentlicher Absprachen. Das hat hie offenbar gefehlt.

    0 2
     
  • 07.03.2013
    18:57 Uhr

    wuehlmaus: @Nervzwerg: Klar will die Argrargenossenschaft nicht, dass ihre Fläche sich immer weiter verkleinert. Es ist aber ein Unterschied, ob man eine Hecke zurückschneidet oder abholzt. Man kann nur hoffen, dass die abgebildeten Sträucher sich wieder erholen.
    Hecken an Feldrainen sind früher von den Bauern angelegt und gepflegt worden. Sie wurden besonders wegen des Windschutzes geschätzt, dadurch wird auch Bodenerosion vermieden. Ganz nebenbei haben die Bauern dabei auch was für die Natur getan. Die heutigen Genossenschaften tun gut daran, diese Tradition zu erhalten.

    0 3
     
  • 07.03.2013
    08:02 Uhr

    Nervzwerg: Kann man nur mit dem Kopf schütteln!!!

    2 1
     
  • 06.03.2013
    18:09 Uhr

    Nixe: @Nervzwerg: Dito! (für dich übersetzt: "Ebenso")
    Selber schuld, wenn sie sich die Spiegel zerdeppern...:-), hat ihnen doch keiner gesagt das zu machen. Ja, das Brot wächst zur Zeit im Supermarkt. Ob ich das billigste immer kaufe weißt du nicht, und darüber brauche ich keine Belehrung mehr von dir, die Zusammenhänge kenne ich auch - trotzdem!!
    Setz du mal eine andere Brille auf, damit du mehr Durchblick bekommst, aber leider hilft die Brille nicht immer das Hirn auf Vordermann zu bringen!

    0 4
     

 
 
 
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