Die Grafik zeigt die bis zum 25. August erfassten stärksten Beben in der Region. Am Sonntag erreichte der Erdstoß die Stärke 3,8.Foto: Tilo Steiner
Beben im Vogtland erreicht Stärke 3,8
Erdstoß in vielen Orten der Region spürbar
Bad Brambach. Das Erdbeben vom Sonntagfrüh im Vogtland hatte eine Stärke von 3,8. Das hat das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie am Montag mitgeteilt. Damit war das Beben ein wenig schwächer als zunächst am Sonntag von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover gemeldet. Dort war man von einem Wert von 4,0 ausgegangen.
Erdstöße bis nach Thüringen spürbar
Die Erdstöße waren gegen 5.53 Uhr über 100 Kilometer bis Chemnitz und Altenburg in Thüringen spürbar. In Wildenfels im sächsischen Landkreis Zwickau klapperten beispielsweise gläserne Schiebetüren, zudem war ein leises Grollen zu vernehmen. Das Erdbeben sei auch deshalb von vielen Frühaufstehern bemerkt worden, weil es zu der Zeit in der Region sehr ruhig war und beispielsweise kaum Verkehr auf den Straßen herrschte, sagte der diensthabende Seismologe vom Seismologischen Zentralobservatorium der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, Nicolai Gestermann. Tagsüber würden solche Ereignisse weniger bemerkt.
Angaben über Schäden gibt es nicht. Bei der Polizeidirektion Südwestsachen sei lediglich ein Notruf eingegangen. Der Anrufer vermutete aufgrund der Geräusche eine Explosion.
Experten erwarten weitere Beben
Gestermann erwartet weitere Beben. Bei vergleichbaren Schwarmbeben im Jahr 2008 seien rund 20.000 Einzelerschütterungen im Vogtland registriert worden, sagte er. Die aktuelle Schwarmbebentätigkeit im sogenannten Herdgebiet von Novy Kostel (Neukirchen) in Nordwest-Böhmen, etwa zehn Kilometer von Bad Brambach entfernt, begann am 23. August 2011 in einer Tiefe von sieben bis zehn Kilometern.
Allerdings verschiebe sich das Zentrum der Aktivitäten leicht. Am 25. August war ein Beben mit der Magnitude über 3,8 auf der Richter-Skala gemessen worden. Danach seien für einige Tage keine Aktivitäten festgestellt worden, sodass die Seismologen zunächst von einem Ende der Serie ausgingen, erklärte Gestermann. Seit Freitag seien jedoch wieder kleinere Erschütterungen aufgezeichnet worden.
Schwarmbeben sind den Angaben zufolge im Vogtland eine typische Erscheinung. Sie sind Ausdruck der in der Erdkruste ablaufenden regionalen seismotektonischen Prozesse. In den Jahren 1985/86 sowie 2000 kam es in der Region zu größeren Beben, bei denen jedoch keine Personen zu Schaden kamen. Erdbebenschwärme werden in der Region seit 1899 beobachtet. Sie sind vermutlich vulkanischen Ursprungs, ausgelöst durch Flüssigkeiten oder Gase in der Erdkruste.
Die Region ist vor allem für ihre teilweise heißen Quellen bekannt, die für Heilzwecke genutzt werden. Zahlreiche teils weltbekannte Kurorte, wie Bad Elster, Bad Brambach, Franzensbad, Karlsbad und Marienbad, bieten seit dem 19. Jahrhundert Behandlungen gegen verschiedene Leiden an. (dapd/fp)