Der Filmemacher Claus Dunsch (rechts) und "Freie Presse"-Radakteur Thorald Meisel. 
Der Filmemacher Claus Dunsch (rechts) und "Freie Presse"-Radakteur Thorald Meisel.

Foto: Eckhard Sommer

Eisenbahn lebt im Film auf

125 Jahre grenzüberschreitender Eisenbahnverkehr in Klingenthal - Sonderausstellung und Vortrag erinnern daran

Klingenthal. Am 1. Oktober 1886 wurde in der Geschichte von Klingenthal ein neues Kapitel geschrieben: Inbetriebnahme des Bahnhofs und Eröffnung der Eisenbahnstrecke nach Graslitz. Am Freitag wurde aus diesem Anlass im Musik- und Wintersportmuseum eine Sonderausstellung eröffnet.

Gestaltet wurde sie vom Verein der Briefmarken- und Ansichtskartenfreunde Auerbach. Die Sammler um ihren Vorsitzenden Günther Feustel haben eine Vielzahl von Briefmarken, historischen Fotos und Dokumenten zusammengetragen, die einen kleinen Einblick geben in die wechselvolle Geschichte des Eisenbahnverkehrs in und um Klingenthal. Unter anderem gehören diverse Ersttagsbriefe dazu, aber auch Fahrpläne, Frachtbriefe und andere amtliche Schreiben.

Einen Vortrag zur Ausstellung hielten der Filmemacher Claus Dunsch und "Freie Presse"-Redakteur Thorald Meisel. Er wusste beispielsweise zu erzählen, dass der Bahnhof seinerzeit für eine Million Reichsmark gebaut und mit großem Prunk eingeweiht wurde und wie wichtig die Eisenbahnverbindung für die wirtschaftliche Entwicklung war. Geprägt war sie vor allem durch die Einfuhr böhmischer Braunkohle nach Sachsen. Bis zum Ersten Weltkrieg kamen in Spitzenzeiten täglich 50 bis 75 Waggons mit rund 300.000 Tonnen Braunkohle über die Grenze und 1930 wurden nur im Grenzverkehr 26.000 Güterwagen in Klingenthal abgefertigt. Auch das Personenaufkommen stieg an. Bereits 1893 war der erste Zug mit Touristen aus Chemnitz nach Klingenthal gekommen.

Das Ende des Krieges bedeutete auch das Ende des grenzüberschreitenden Verkehrs und Klingenthal wurde ein Endbahnhof. Das änderte sich erst im Mai 2000 durch die erneute Aufnahme des durchgehenden Zugverkehrs. Der Bahnhof hatte aber inzwischen seine ursprüngliche Bedeutung längst verloren, zumal Ende 1994 auch die Einstellung des Güterverkehrs erfolgt war.

Was Thorald Meisel erzählte, wurde von Claus Dunsch veranschaulicht. Er zeigte Ausschnitte aus einem Film, den er über viele Jahre selbst gedreht hat und mit historischen Aufnahmen ergänzte.

Wie Dunsch ankündigte, soll der komplette Film rechtzeitig vor Weihnachten als DVD vorliegen und dann im Musik- und Wintersportmuseum erhältlich sein.

Ironie der Geschichte: 125 Jahre nach seiner Eröffnung wird der Bahnhof abgerissen, nachdem sich alle Pläne für eine weitere Nutzung als unrealistisch erwiesen hatten: Am 18. September um 21.30 Uhr griffen die Bagger zu. Übrig bleiben nur noch die Buchstaben des Schriftzuges "Klingenthal". Diese wurden am Freitag von Bauamtsleiter Jürgen Leonhardt dem Klingenthaler Museum übergeben und sollen dort einen würdigen Platz erhalten.

Die Ausstellung im Museum wird bis Ende Oktober gezeigt. Geöffnet ist sie Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 16 Uhr.

 
erschienen am 03.10.2011 ( Von Eckhard Sommer )
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