Triebeler weckt die Buchstaben

Junger Innenarchitekt hat in Berlin das Buchstabenmuseum neu gestaltet

Triebel/Berlin. Diplom-Arbeiten verstauben gern in Uni-Bibliotheken - die von Marcus Hahn aus Triebel dagegen kann in Zentrum von Berlin besucht werden. Der 28-jährige Innenarchitekt hat als Abschluss seines Studiums an der Hochschule Coburg das Buchstabenmuseum unweit von Alexanderplatz und Fernsehturm umgestaltet. Hinter dem 2005 eröffneten Museum steht ein eingetragener Verein, der sich für den Erhalt von Buchstaben einsetzt.

Das klingt nur aufs Erste profan. "Buchstaben erzählen Geschichten", so Marcus Hahn, daran haben er und sein Mitstreiter Wolfram Schmeisser sich auch bei der Neugestaltung des früheren Kosmetikstudios im Berlin-Karree gehalten. "Die Idee war, sich ganz stark zurückzunehmen, die Buchstaben wirken zu lassen", erzählt der junge Vogtländer. Die Böden, Decken und Wände sind schwarz. Die Raumgestalter arbeiten viel mit Licht, teils leuchten die Buchstaben selbst, teils werden sie angestrahlt. Auf einer Art Laufsteg wandelt der Besucher durch die Räume, sieht den Hertie-Schriftzug, der einst in der Spree versenkt wurde, ein E aus dem im Tarantino-Streifen "Inglorious Bastards" explodierenden Kino, das Q des untergegangenen Versandhandhauses Quelle, den kurz vor der Vernichtung geretteten Robotron-Schriftzug aus Dresden oder die Initialen HAUP - sie kommen vom früheren Hauptbahnhof Berlin, der im vereinigen Deutschland zum Ostbahnhof wurde.

Auch nach tausenden Stunden Arbeit bis zur Eröffnung am 2. Juli haben sich noch nicht alle Wünsche von Marcus Hahn erfüllt. Ein Konsum- oder Mitropa-Zeichen hätte er gern, und auch für einen bekannten Plauener Schriftzug interessiert er sich. Es geht um die Leuchtwerbung für die Plauener Spitze auf dem Fabrikbau an der Dürerstraße. Dazu gibt es Gespräche, betont Hahn und will bestehende Kontakte aktivieren.

Als Marcus Hahn 2009 bei einem Workshop erstmals mit "Szenografie im Raum" zu tun hatte, "waren wir noch ganz unbedarft". Die Ergebnisse führten zu einer Anfrage, ob die Studenten das Museum umgestalten wollen. Nach einem Besuch in Berlin kamen Planung, Entwurf, Dramaturgie und Bauphase. Am Raumkonzept arbeiteten unter Leitung von Hahn und Schmeisser weitere zwölf Studente. Im Mai waren die Entwürfe fertig, dann trieben die Studenten noch Sponsoren dafür auf, denn Geld fehlte dem Trägerverein des Buchstabenmuseums. Ihre Idee ist so konzipiert, dass die Schau einfach auseinanderzunehmen und andernorts aufzubauen ist. Das wird schon 2012 gebraucht, wenn das Berlin-Karree umgebaut wird. Für Marcus Hahn ist das Thema der Diplomarbeit die Idee für seinen Berufsstart: Raum- und Gestaltungskonzepte für Museen. Derzeit schreibt er an seinen Bewerbungen.

 
erschienen am 01.11.2011 ( Von Ronny Hager )
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