Neues Rathaus Der 1976 eingeweihte Neubau steht als Bestandteil des Kulturdenkmals Neues Rathaus unter Denkmalschutz. Das hat das Landesamt für Denkmalpflege jetzt klargestellt.

Foto: Ellen Liebner

Dresden redet Klartext: Glaskasten unter Denkmalschutz

Stadt hat keine freie Hand bei Rathaus-Zwischenbau aus den 1970er Jahren

Plauen. In der Debatte um die Neugestaltung des Rathauses hat sich jetzt das Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet. Die Behörde des Freistaates Sachsen macht darauf aufmerksam, dass das gesamte Verwaltungsgebäude unter Denkmalschutz steht - und damit auch der 35 Jahre alte Zwischenbau samt Glasfassade. Bislang war die Stadtverwaltung davon ausgegangen, nur der Bau von 1922 sowie das Historische Alte Rathaus seien denkmalgeschützt.

"Das Neue Rathaus aus dem Jahr 1922 ist ein Kulturdenkmal, der 1976 fertiggestellte Westflügel ist Bestandteil dieses Kulturdenkmals", stellt Thomas Noky klar. Er ist seit vorigen Sommer als Gebietsreferent für das Vogtland verantwortlich. Welche Konsequenzen der Fakt Denkmalschutz für die Debatte um Umbau, Neubau oder Nachbau hat, will er erst Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) und Bürgermeister Manfred Eberwein (SPD) mitteilen. Am 16. Februar gibt es dazu einen Termin.

Sind damit alle Träume um die Neugestaltung des Rathauses geplatzt? "Es hängt davon ab, was beantragt wird", sagt Noky. Im Klartext: Der Stadtrat hat bei der künftigen Gestaltung nicht das letzte Wort, sondern das Landesamt. Jegliche Entscheidung der Plauener ist vorbehaltlich einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung zu betrachten, so der Denkmalschützer. Ein Abriss des jetzigen Gebäudes sei möglich. Allerdings dürfe dies nur das Ergebnis eines Verfahrens sein.

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) gab sich gestern gelassen. Dass der Denkmalschutz mitredet, sei "ein ganz normaler Akt". Man habe in der Zusammenarbeit mit den Landesamt für Denkmalpflege stets positive Erfahrungen gemacht. "Es wurde bei Veränderungen an städtischen Gebäuden immer ein Einvernehmen erzielt, es ging immer um Begleitung, nicht ums Verhindern", sagte Oberdorfer. Dass das Gebäude insgesamt denkmalgeschützt ist, sei in der Fördermittelfrage ein großer Vorteil.

Mit dem 1973 in Betrieb genommenen Oberen Bahnhof steht in Plauen bereits ein Stadtbild prägendes Gebäude aus der Nachkriegszeit unter Denkmalschutz. Seit Sommer 2008 besteht dieser Status. "Einheitlich und nach modernsten Erkenntnissen gestalteter Bahnhof, zu seiner Entstehungszeit modernster Bahnhof der DDR", steht als Begründung im Denkmalverzeichnis. Der Plauener Bahnhof sei der bedeutendste Großbahnhof aus der Nachkriegszeit in Sachsen, sagte damals Ditte Koch, Referatsleiterin im Landesamt für Denkmalpflege

Über Kochs Schreibtisch geht jetzt ebenfalls die Bewertung des Rathauses. Der Stadtverwaltung wird in Kürze noch eine detailliertere Beschreibung des Denkmalwertes des Rathaus-Zwischenbaus zugehen. Die bislang vorliegende Begründung ließ offenbar eine verschiedene Lesart von Landesamt und Stadtverwaltung zu.

 
erschienen am 26.01.2012 ( Von Tino Beyer )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 31.01.2012
    09:05 Uhr

    gsx600: Da wird es wohl bei der Rekonstruktion der hässlichen Glasfront bleiben....
    Einzige Chance: Wiederaufbau des historischen Front, denn das zu untersagen wäre schäbig. Wie es dann im Inneren gestaltet wird ist eine ganz andere Frage.

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  • 27.01.2012
    19:06 Uhr

    crashy9708: SO WIRD'S GEMACHT...

    ...und das ist gut so!

    Fehlt nur noch, dass endlich der alte "Ratskeller" wieder eröffnet wird.

    Was ist ein Rathaus schon ohne seine öffentliche Gaststätte?

    Im "Roten Rathaus" in Berlin ist diese Restauration schon seit Jahren tot - wie der "Palast", der geschleift wurde.

    Geschichte ist eben nicht nur Geschichte vor 1949, sondern auch in der Zeit von 1949 bis zur Wende.

    Nur wer diese Geschichte nicht so schleift, wie einst die Kommunisten es oft taten, sondern auch die Geschichte der Anderen akzeptiert, der hat begriffen, dass Geschichtsaufarbeitung nicht einseitig, sondern nur in seiner Vielfalt zum Ziel führt:

    Die eigene Geschichte zu begreifen und nicht zu negieren.

    Wer die Geschichte der DDR negiert und nur mit Füßen tritt, der schändet auch das Lebenswerk vieler Menschen, die dafür gesorgt haben, dass trotz SED-Diktatur und Mangelwirtschaft das Leben in vielen Bereichen der Gesellschaft, besonders im individuellen Bereich, oft segensreicher war als es heute oft ist.

    Das ist keine Ostalgie - fragen Sie all jene Menschen, die heute schlechter leben als vor über 20 Jahren - auch die Rentner.

    Sollte es nicht allen Ostdeutschen besser gehen als vor der Wende?

    Aber zurück zum Thema:

    Politischem "Größenwahn" wird durch diese Entscheidung aus Dresden wenigstens ein Riegel vorgeschoben.

    Geschichtsaufbearbeitung beginnt im Klassenzimmer und in der Familie und nicht an der Fassade eines Bürgerhauses und da besteht immerhin noch Nachholebedarf, auch wenn in Sachsen bisher sehr viel Geld in die Schulimmobilien geflossen ist.

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