Hunderte Beschäftigte des Manroland-Werkes in Plauen sind am Freitag erneut für den Erhalt ihres Betriebs auf die Straße gegangen.Foto: dapd
Manroland-Mitarbeiter bangen um ihre Existenz
Beschäftigte demonstrieren für Erhalt der Arbeitsplätze
Plauen. Der Himmel ist von grauen Wolken verhangen an diesem Freitagmorgen, auf den Straßen und Wegen liegen Reste von nassem Schnee. Es ist kurz nach 9 Uhr. Am Postplatz in der Plauener Innenstadt haben sich einige Hundert Menschen im Halbkreis vor einem Transporter aufgestellt. Die meisten von ihnen tragen grüne Schutzwesten, auf deren Rückseite steht: "Platt machen geht nicht". Das ist Symbolik, die man hier nicht groß erklären muss. Die Plamag, wie man das Werk des Druckmaschinenbauers Manroland in Plauen immer noch nennt, ist der größte Industriebetrieb der Stadt. Ob das auch in der Zukunft gilt, ist offen. Wie ein Damoklesschwert hängt die Insolvenz über dem Werk. Seit 49 Tagen.
Am Freitag endete die Angebotsfrist für die potenziellen Käufer. Insolvenzverwalter Werner Schneider wird die Unterlagen am Wochenende prüfen - und wohl schon am Montag ein Ergebnis verkünden, zumindest vor den beteiligten Gremien. Der Zwickauer IG-Metall-Chef Stefan Kademann und der Plauener Betriebsratsvorsitzende Udo Meier wissen jedenfalls, was am Montag auf sie wartet: Sitzungen hinter verschlossenen Türen in Augsburg, am Stammsitz von Manroland.
Heute jedoch stehen beide auf dem Transporter, auf dessen Ladefläche Lautsprecherboxen festgezurrt sind. Der Anlass ist klar: "Es darf kein schwarzer Freitag werden" lautet das Motto des Protestzuges mit Blick auf das Datum, den 13. Januar, und das Ende der Bieterfrist. "Würde der Konzern sterben, wäre das grausam für die Region, die ohnehin schon von Abwanderung und fehlenden Industriearbeitsplätzen gebeutelt ist", ruft Kademann in das Mikrofon. Es sei wichtig, dass "das alle kapiert haben", sagt er und fügt hinzu: "Wir wollen eine zukunftsfähige Lösung in Plauen. Das muss das Signal sein, das von hier ausgeht."
Gegen 9.30 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Es geht die Straße rauf in Richtung der Agentur für Arbeit. Ruhig, ohne Trillerpfeifen und Getöse. Auf rund 700 Teilnehmer schätzt Kademann die Menge. Der Großteil von ihnen kommt von Manroland. Gut 800 Mitarbeiter sind hier noch beschäftigt. Kay Kretzschmann ist einer von ihnen. Seit 1989 arbeitet er bei der Plamag. Der Programmierer ist damals aus Werdau ins Vogtland gezogen - wegen des Jobs. Und er hängt nach wie vor an seinem Arbeitsplatz. "Deswegen ist es wichtig, Gesicht zu zeigen", sagt Kretzschmann. Er weiß, dass es schwer werden wird, einen gleichwertigen Job in der Region zu finden.
Ebenso wie er hofft Martina Stellmacher, dass der Betrieb wieder in ruhiges Fahrwasser kommt. Was die Plamag für sie bedeutet? "Sie ist mein Leben", platzt es aus ihr heraus. Seit 33 Jahren verdient Martina Stellmacher ihre Brötchen in dem Werk. Als Ingenieurin schreibt sie Arbeitspläne, gibt Normen vor und kümmert sich um Werkzeugbeschaffung. "Und ich würde auch gern noch weiter hier arbeiten."
Ob sie das kann, wird sie spätestens am 31. Januar wissen. Dann werde der Insolvenzverwalter jedem Einzelnen sagen können, wie es weitergeht, erklärt Betriebsratschef Udo Meier der Menge, die vor der Arbeitsagentur Halt gemacht hat. Schon jetzt steht fest: Wie auch immer die Zukunft aussieht, für alle Mitarbeiter wird sie nicht reichen. Erst diese Woche war die Gewerkschaft mit der Information an die Öffentlichkeit gegangen, dass jeder fünfte der 800 Beschäftigten seinen Job womöglich verlieren wird. Bereits der vor gut einem Jahr eingeleitete Umbau war mit einem personellen Aderlass verbunden. Damals hatte die Konzernleitung beschlossen, dass das Werk Plauen nicht mehr eigenständig Druckmaschinen produziert, sondern als Zulieferer für Augsburg und Offenbach fungiert. Seit einiger Zeit ist die gesamte Druckmaschinenindustrie angeschlagen. Die Branche leidet unter Überkapazitäten, der Markt ist nur noch halb so groß wie vor 2008. Für Kademann sind es die Auswirkungen eines "Finanz- und Kasinokapitalismus", der dazu geführt hat, dass der südeuropäische Absatzmarkt zusammengebrochen ist.
Zwei Angebote liegen nun auf dem Tisch des Insolvenzverwalters, heißt es. Der eine, ein Investor aus der Industrie, will aber wohl nur das in Augsburg angesiedelte Geschäft mit Rollendruck-Maschinen übernehmen. Der andere, ein Finanzinvestor, interessiert sich zwar für alle drei Standorte. Er habe aber, so Kademann, noch kein Konzept vorgelegt. Als wahrscheinlicher gilt, dass der Erstgenannte den Zuschlag erhält. Das würde eine Zerschlagung von Manroland bedeuten. Plauen hätte die Chance, als Zulieferer für das Werk Augsburg weiter zu produzieren. Es wäre aber nicht die gesamte Produktion damit abgesichert.
Gegen 10.45 Uhr ist der Demonstrationszug wieder am Ausgangspunkt angelangt. Der IG-Metall-Chef versucht es zum Abschluss mit einigen aufmunternden Worten. "Klasse, ihr seid gut gewesen." Als sich schließlich die Sonne ein Stück durch die graue Wand schiebt, muss Kademann nicht lange überlegen: "Jetzt kommt auch noch die Sonne raus, wenn das kein Zeichen ist."



12:56 Uhr
crashy9708: "KEINEM WIRD ES SCHLECHTER GEHEN ALS VORHER!"
Wie wahr doch dieser Satz ist.
Denn heute darf Jeder wegen Allem demonstrieren und seine Plakate in die Luft heben.
Nur hätte vor über 20 Jahren niemand daran gedacht, dass er einmal um den Erhalt seines Arbeitsplatzes und seiner persönlichen Existenz sogar freiwillig zu einer Demo geht.
Tja, die Zeiten haben sich geändert und die Verhältnisse auch und das nicht gerade immer zum Wohle des Einzelnen, obwohl manch Einzelner wieder davon profitieren wird.
Nur schade, dass heute keine "Bürgerrechtler" mehr an der Spitze solcher Demonstrationen stehen.
Die haben ja ihre Saläre in "trockenen Tüchern".
Ausserdem:
Diese Leute brauchen wir nicht mehr, denn wir sind ja jetzt schlau genug, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.
Der Eine geht halt in Hartz IV und der Andere fällt vielleicht wieder "auf die Füße".
Das ist er halt - der Preis der Freiheit vom abgeschafften Recht auf Arbeit.
Nun ja, glücklich soll doch DER sein, DER noch genug Geld im "Säck'l" hat, um wenigstens doch noch eine große Reise zu buchen - bevor der Staat das Geld später noch auf Hartz IV anrechnen wird.
Trotz alledem:
Ich wünsche keinem Betroffenen, dass dieser seinen Arbeitsplatz verliert - aus eigener Erfahrung.
... und so drücke ich den Menschen die Daumen, dass doch noch ein Wunder geschieht...