Das Klinikum behandelt pro Jahr mehr als 400 Schlaganfall-Patienten.
Foto: Ellen Liebner/Archiv
Plauen: Krankenhaus-Ärztin muss gehen
Mann mit Schlaganfall wartete im Vogtland-Klinikum stundenlang, bis er behandelt wurde
Eine Extremsituation in der Rettungsstelle: Binnen eineinhalb Stunden sind an einem Sonntagabend fünf schwere Notfälle eingeliefert worden - vier mit Verdacht auf Schlaganfall. Der letzte davon musste mehr als drei Stunden auf die Fachärztin warten. "Das hätte nicht passieren dürfen", sagt Marcus Sommer, Geschäftsführer des Helios Vogtland-Klinikums. Weil er den Fehler auf menschliches Versagen zurückführt, trennte sich der Konzern von der Ärztin. Bisher habe sie sich allerdings nichts zu Schulden kommen lassen.
Für den 64-jährigen Patienten habe die lange Wartezeit keine Folgen, so die Klinikleitung. Er sei bereits mit Halbseitenlähmung eingeliefert worden - ein Zustand, der sich nicht rückgängig machen lasse. Sein Schwager Klaus Seidel gibt sich damit nicht zufrieden. Er hat Anzeige erstattet wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Patient liegt jetzt in einer Reha-Klinik des Konzerns.
"Was passiert ist, ist schlimm. Aber es ist nicht angebracht, dadurch eine ganze Abteilung zu schädigen", sagt Dr. Frank Hendrich, der stellvertretende Ärztliche Direktor. Bei der Behandlung von Schlaganfällen sei das Plauener Krankenhaus erfolgreicher als die Kliniken im Bundesdurchschnitt. Das belegten Statistiken zur Sterblichkeit von Schlaganfall-Patienten.
Sommers Aussagen zufolge hat die Ärztin die Situation falsch eingeschätzt: "Sie war der Meinung, dass sie alles im Griff hat." Statt Hilfe anzufordern, habe sie die Patienten nacheinander behandelt.
Das Notdienst-System hat für solche Extremsituationen jedoch eine Sicherung eingebaut. Demnach gibt es neben dem Arzt, der Notdienst hat und im Krankenhaus ist, einen sogenannten Hintergrunddienst. Der ist zwar daheim, kann aber jederzeit geholt werden.
Der Verdacht auf Schlaganfall hatte sich bei drei der vier Patienten bestätigt. Das sind deutlich mehr als üblich. Im vergangenen Jahr waren im Plauener Vogtland-Klinikum 415 Schlaganfälle behandelt worden. Für etwa sieben von 100 endet der Schlag tödlich. Bundesweit sterben etwa neun von 100 Schlaganfall-Patienten.



19:35 Uhr
Schlauberger: Hallo!
Zuerst ein großes Lob an "ZwischenDenZeilen", dessen Meinung ich voll teile!!
Ich bin auch kein Arzt.
Was wäre in Untergöltzsch anders gewesen? Vermutungen,oder??? Desweiteren Patientenverfügung..."Durchdrücken" ist hier bestimmt das falsche Wort und steckt voller Emotionen.
Dann die Frage nach den "mehr als 15 Minuten (wenn überhaupt)" vor Ort...wenn ihr mich fragt ziemlich unüberlegt die Frage! Warum heißt Hintergrunddienst wohl Hintergrunddienst?? Die Krankenhäuser wären wohl bald pleite wenn ständig 10 Ärzte auf eventuell kommende 9 Patienten warten ( im übertragenen Sinne zu verstehen).
Meiner Meinung nach sollte niemand so starke Kritik üben,wenn er nicht einen zumindest geringen Einblick ins Geschehen hat. Außerdem finde ich dass in dem Kommentar von crashy9708 schon sehr starke Kritik am medizinischen Personal geübt wird!!!
Eine Frechheit finde ich, dass Sie behaupten "Die MA im Gesundheitswesen arbeiten vorrangig für die Statistik und die Bilanz ihrer AG und Krankenkassen." Das ist eine bösartige Unterstellung und macht die Kritik in Ihrem Artikel zu einer Farce!!!
Man sollte sich immermal in die Lage des Anderen versetzen, sowohl Angehörige als natürlich auch Personal.
18:42 Uhr
ZwischenDenZeilen86: Werte Vorposterin.
Sicher ist es keine einfache Situaion ein Elternteil zu verlieren und sicher haben Sie schwere Stunden erlitten. Desweiteren gehe ich davon aus, dass Sie nur begrenzte Fachkenntnisse besitzen.
Deshalb ist aus einer anderen Perspektive, nämlich mit Fachkenntnissen und ohne persönliche Emotionen, die Situation wohl etwas anders einzuschätzen. Natürlich habe ich keinerlei genauere Informationen zu Ihrem Fall und möchte auch keine Stellung beziehen. Trotzdem sollte man sich als Angehöriger im Klaren darüber sein, dass es einem als Laie nicht annähernd möglich ist sämtliche medizinisch relevanten Abläufe, Verfahren und Besonderheiten zu überschauen und einzuschätzen.
Sicherlich ist die Situation der Ärzte & Schwestern heutzutage nicht einfach, umso grenzwertiger finde ich die Frage nach dem Verdienst z.B. im Hintergrund.
Abschließend möchte ich noch zu Bedenken geben, dass es vor der Wende sicherlich erheblich weniger Therapiemöglichkeiten und Erfolgsaussichten bei entsprechender Diagnose gab. Und ausschließlich die Zeit die man für den Mensch hat heilt leider nicht alle Erkrankungen. Dafür brauchen wir die "hypermoderne" Medizin.
Ich bin übrigens kein Arzt!!!
Man sollte sich nicht einer allgemeinen Stimmung hingeben.
Der Patient ist niemals "schmückendes Beiwerk". Jeder der im medizinischen oder pflegerischen Bereich tätig ist arbeitet FÜR das Wohle seiner Patienten.
Amen!!!
Ich hoffe Sie fühlen sich nicht persönlich angegriffen, aber gelegentlich ist es vielleicht sinnvoll, dass jemand die Realitäten erklärt.
Alles Gute für Sie!
19:32 Uhr
crashy9708: BAUERNOPFER
Vor über einem Jahr starb mein Vater unter Umständen, die darauf hindeuteten, dass er mehrere kleine Schlaganfälle hatte.
Anstatt dass man ihn nach Rodewisch/Untergöltzsch eingeliefert hätte, wurde er ins andere Krankenhaus eingeliefert und ich konnte mit ihm sogar noch tlefonieren und mitbekommen, dass es Tag für Tag schlechter um ihn stand.
Letztendlich musste ich seine Patientenverfügung durchdrücken - meine Mutter wäre nicht dazu in der Lage gewesen.
Vielleicht hätte man ihm helfen können, wenn er sofort in die richtige Klinik eingeliefert worden wäre.
Darüber zu streiten - es wäre vielleicht eine Genugtuung.
Aber wem sollte es noch nützen? Niemand!
Er hat sein Leben gelebt - nur der Tod war noch grausamerr als der Verlust seines Arbeitsplatzes als Berufskraftfahrers über die "Wende".
Dem medizinischen Personal mache ich keine Vorwürfe - meine Vorwürfe gelten eine kranken Gesundheitssystem, das seine Ärzte, Schwestern und Pfleger aus Kostengründen "verheizt" und deren Erholungsphasen auf solch ein Minimum beschränkt, dass fehler vorprogrammiert werden.
Selber arbeitete ich bis zur "Wende" im Gesundheitswesen in Berlin (Ost).
Damals waren wir zwar nicht hypermodern ausgerüstet, aber wir hatten Zeit für den Menschen.
Heute ist es eher umgekehrt:
Die MA im Gesundheitswesen arbeiten vorrangig für die Statistik und die Bilanz ihrer AG und Krankenkassen.
Der Patient bleibt oft nur noch als schmückendes Beiwewrk außen vor!
Fragt sich nur:
Wäre überhaupt rechtzeitig die Unterstützung für diese Ärztin am Ort gewesen?
Darüber finde ich keine eindeutigue Aussage in dem Artikel!
Was nützt mir ein "Hintergrund-Dienst", der erst nach mehr als 15 Minuten (wenn überhaupt) am Ort des Geschehens eingetroffen wäre?
Übrigens:
Mich würde mal interessieren, welchen Stundenlohn ein Hintergrunddienst im Krankenhaus und einer, der zu Hause ist, erhält!
Dann werden sich so manche offenen Fragen von Verantwortung und Schuldzuweisung von allein beantworten.