Wohnen in Plauen ist so preiswert wie kaum in einer anderen Stadt. Die billigen Mieten stellen die Vermieter jedoch vor Problemen. Geld, um die Wohnungen an die Bedürfnisse der immer älter werdenden Bevölkerung anzupassen, fehlt deshalb.
Foto: Ellen Liebner
Probleme der Mieter nehmen zu
Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander, das merkt auch Wohnungsbaugesellschaft
Plauen. Wenn Hellfried Unglaub das Wort ergreift, dann sind die Ohren der Zuhörer meistens gespitzt. Der Geschäftsführer der Plauener Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und Vorstandsvorsitzende des Vereins Wohn- und Lebensräume nimmt nie ein Blatt vor den Mund und versteht es, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Genauso war es auch jüngst im Wohngebietstreff an der Mammenstraße, als das SPD-Mitglied vor Mitgliedern seiner Partei und Gästen zum Thema "Soziale Stadt" sprach.
"Wir haben die niedrigsten Mieten in ganz Deutschland", erinnerte er und nannte vier Euro pro Quadratmeter als Durchschnitt. Wolle man die Wohnräume jedoch bei einer immer älter werdenden Bevölkerung an die Lebensbedingungen im Alter anpassen, dann sei das "so nicht machbar". Höhere Mieten könnten sich viele jedoch nicht leisten. "Bei 700 Euro Rente hast Du keine Luft mehr", sagte er. Man müsse daher überlegen, wie man dieses Problem lösen könne. "Früher mussten wir uns Gedanken machen, wo wir die Kinderwagen abstellen können in den Häusern. Heute müssen wir überlegen: Wohin mit den Rollatoren." Außerdem verlangten immer mehr ältere Bürger nach Aufzügen selbst bei Gebäuden, die keine elf Stockwerke haben.
Die materiellen Dinge sind das eine. Die psychischen Probleme sind das andere. Genau die nehmen aber zu, sagt der Unternehmenschef. "Die Leute lassen bei uns ihren Frust raus." Was viele anderswo wie etwa im Arbeitsamt nicht über die Lippen bringen, das bekomme man dann zu hören: Arbeitslosigkeit, Geldnöte, Einsamkeit. Das treffe auch auf die ältere Generation zu. "Alte Menschen ohne soziale Bindung verwahrlosen, und diese Fälle nehmen zu", beschrieb Unglaub die Lage. Man rede hier von 30 bis 40 Fällen, die dem Niveau entsprechen.
Während für die einen das Aufbringen der monatlichen Miete kein Pappenstiel ist, verlangen aber auch immer mehr Kunden nach hochwertigem Wohnraum. "Auch die Reichen nehmen zu." Dieser hochwertige Wohnraum sei aber nicht im gewünschten Maße vorhanden. Auch hier müsse man etwas tun. Mehr arme Menschen und mehr Reiche heißt: die Mittelschicht geht zurück. Mittlere Jahreseinkommen von 27.000 Euro seien rückläufig.
Für Senioren baue die WBG zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt derzeit ein Seniorenzentrum am Kastanienweg auf, so Unglaub. Ein Generationen übergreifendes Projekt soll der Neubau an der Marktstraße werden.


