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Staatsanwalt: Glücksspiel-Geld am Finanzamt vorbeigeschleust

Steuerfahnder haben Spielhallen-Betreiber aus dem Vogtland im Visier - Chemnitzer Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Steuerhinterziehung

Plauen. Sein Geschäft mit dem Glücksspiel hat einen Plauener in Bedrängnis gebracht. Steuerfahnder haben eine Akte über den Spielhallen-Chef zusammengestellt, die mehr als 3000 Seiten umfasst. Demnach soll er das große Geld verdient haben, ohne dem Staat seinen Anteil abzugeben. Der Geschäftsmann sieht sich dagegen als Opfer.

Die für Wirtschaftsstraftaten zuständige Staatsanwaltschaft Chemnitz erhebt Anklage gegen den Plauener. Ihm wird Steuerhinterziehung und unerlaubtes Glücksspiel vorgeworfen. "Die Spielautomaten sind so manipuliert worden, dass sie nicht alle Einnahmen registriert haben", erklärt Michael Gräfenstein, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler gehen von "Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall" aus. Es gehe um eine beachtliche Summe Geld, umschreibt Gräfenstein. Der Plauener soll seine Umsätze verschleiert haben. Ein Teil seiner Spielautomaten wurde beschlagnahmt und soll vor Gericht als Beweis dienen: Floss das Geld, das die Spieler in den Schlitz steckten, direkt in seine Tasche?

Der Fall war zunächst in Plauen anhängig, wurde aber dann an die Spezialisten in Chemnitz übergeben. Dort liegt die Akte jetzt im Landgericht. Das Verfahren soll im Laufe des nächsten Jahres eröffnet und verhandelt werden, sagt ein Sprecher des Gerichts.

Der Spielhallen-Chef sieht sich als Opfer einer Kampagne gegen seine Branche. "Bei uns gibt es keine Manipulationen, ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagt er der "Freien Presse". Auch andere Branchenkenner beschreiben die Zählwerke in den Automaten als manipulationssicher. Jeder Cent, der die in den Geldschlitz gesteckt wird, wird registriert.

In den vergangenen vier Jahren sind die Geschäfte des Plaueners dreimal von Beamten gestürmt worden. Die Razzien waren Großeinsätze, bei denen bis zu 200 Fahnder mehrere Spielhallen durchsucht hatten. Auch auf dem Privatgrundstück des Mannes waren sie zugange: "Meine Kinder waren schockiert. Die Beamten, die mein Haus umstellt haben, trugen schusssichere Westen. Mit einem Hund haben sie stundenlang Schwarzgeld auf meinem Grundstück gesucht", sagt der Unternehmer. Mittlerweile beschäftige er drei Anwälte wegen des Falls. Wegen des vorgeworfenen Steuerbetrugs sei er auch im Gespräch im dem hiesigen Finanzamt.

Nach seinen eigenen Angaben unterhält er 20 Spielhallen, viele davon im Vogtlandkreis. Bereits bei der zweiten Razzia, die vor drei Jahren in der Vorweihnachtszeit stattfand, waren Automaten sichergestellt worden. Laut Staatsanwaltschaft hatten die Geräte keine Zulassung. Der frühere Vorwurf der Manipulation konnte durch ein Gutachten ausgeräumt werden.

 
erschienen am 20.12.2011 ( Von Manuela Müller )
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