Anke Korbinsky betreibt am Unteren Bahnhof seit zwei Jahren "Anke's Schlemmer-Stube". Vor allem Handwerker schätzen die Adresse.
Foto: Ellen Liebner
Unterer Bahnhof in Plauen: Aufbruch am Abstellgleis
Bistro-Betreiberin will vergessenes Viertel nicht aufgeben
Plauen. Frische Blumen stehen auf den Tischen. Frisch, wie hier jeden Tag gekocht wird. Darauf legt Anke Korbinsky wert. Frisches fällt auf in diesem Umfeld: Draußen weht der Wind Knüllpapier über die Straße. Das Nachbargebäude - ein Abrisshaus. Gegenüber erwartet das Bahnhofsgebäude schon lange keine Fahrgäste mehr. Und auf den Bahnsteigen wuchert das Grün. "Vor zwei Jahren war es noch nicht so schlimm hier", sagt Anke Korbinsky. "Da war von der Bahn noch jemand da. Aber jetzt verkommt hier alles." Sie hat dennoch immer wieder Blumenkästen rausgestellt. Farbtupfer vor ihrer Schlemmer-Stube. Drei Stück, drei gleiche. "Wegen der Ansicht", sagt die Frau, die aus dem Erzgebirge stammt.
Anke Korbinksy war Umschülerin in der Euro-Schule am Unteren Bahnhof. Immer in den Pausen schwärmten ihre Mitschüler aus, um sich etwas zu Essen zu besorgen. Es gab nur nichts in der Nähe. Da entstand die Idee: Man müsste hier etwas aufmachen. Doch in diesem Umfeld eine Existenzgründung mit Ende vierzig? Anke Korbinsky war entschlossen. "Zu Hartz IV wollte ich es nicht kommen lassen." Die gelernte Verkäuferin hatte kaufmännische Erfahrung und kannte sich auch mit Hygienevorschriften aus. Und so packte sie ihr Projekt "Schlemmer-Stube" an. "Bis auf Arbeiten in Elektrik und Sanitär habe ich alles allein gemacht." 20.000 Euro von der Bank für die Ausstattung mussten reichen.
Das Geld reichte, "Anke's Schlemmer-Stube" wurde ein Erfolg. Handwerker entdeckten die Adresse am Unteren Bahnhof, wurden Stammkunden. Mittlerweile hat das Bistro zwei weitere Angestellte. Mittags wird sogar ausgeliefert. "Reich wird man natürlich nicht, aber ich komme hin."
Es läuft gut für Anke Korbinsky, doch sie macht sie Sorgen über das Umfeld. Das liegt nicht an der Nachbarschaft, die sei sogar sehr gut. Sie fürchtet ein weiteres Abrutschen des Viertels, wenn für das Bahnhofsgelände die Weichen nicht oder falsch gestellt werden. Ihre Ansprüche an die Stadt sind nicht hoch. "Wir wollen hier nicht vergessen werden", sagt sie. "Aber ich habe hier noch nie eine Politesse gesehen." Zu tun hätte die: Frei laufende Hunde und Hundekot sind ein Problem. Nichts kommen lässt sie auf die Bauaufsicht. Das Abrisshaus wird regelmäßig kontrolliert.
Sie hält die Fahne hoch, auch wenn es manchmal schwer ist. Ihre Blumenkästen wurden schon dreimal geklaut. "Jetzt überlege ich, ob ich nochmal welche hinstelle", sagt sie. Anke Korbinsky ist nachdenklich. Aber resignieren? Das passt nicht zu ihr. Sie wird wohl wieder Kästen bepflanzen. Denn welche Visitenkarte könnte schöner sein als frische Blumen.

