OB OB Oberdorfer (links) mit dem Juristen Jochen Weck.

Foto: Ellen Liebner

Zinswette: Jetzt Klage gegen Landesbank

Drohende Millionenverluste wegen riskanter Finanzgeschäfte: Nicht nur beim Zwav schlagen die Wogen hoch

Plauen. Er fühle sich abgezockt, ausgetrickst, übern Tisch gezogen, falsch beraten: Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP), auch Chef des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Vogtland (Zwav), hielt am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit seiner Kritik am Geschäftsgebaren der früheren Sächsischen Landesbank nicht hinterm Berg.

Die Banker hatten ihm 2007 eine hochriskante Zinswette angedreht, deren Vertragsende auf 2023 datiert ist und die dem Verband bis dahin einen Verlust von 61 Millionen Euro bescheren kann. Schlimmstenfalls könnte der Betrag auf 600 Millionen Euro steigen. Das will Oberdorfer nicht hinnehmen: So beschloss am Donnerstag die Verbandsversammlung einstimmig, den Weg für eine Klage gegen die Landesbank Baden-Württemberg als Nachfolgerin der Sachsen-LB frei zu machen.

Ganz bewusst ist Oberdorfer in die Öffentlichkeit gegangen, um seine Amtskollegen vor solchen Praktiken zu warnen oder ihnen Mut zu machen, ebenfalls den Klageweg zu beschreiten. Für den Zwav soll das Münchner Rechtsanwaltsbüro Rössner jetzt Schadensbegrenzung betreiben. Ziel sei die Rückabwicklung der sittenwidrigen Verträge, sagte Jurist Jochen Weck. Aber auch ein Vergleich sei möglich. Das Finanzrisiko beim Gang durch alle Instanzen liege bei maximal drei Millionen Euro - und zwar in Form von Kosten für Gerichte und Rechtsanwälte. Die drohenden negativen Auswirkungen der missglückten Zwav-Zinswette bezeichnete Weck als "krassesten Fall in Deutschland".

Laut Oberdorfer waren bei allen Gesprächsrunden mit der Sächsischen Landesbank "Finanzexperten der Sparkasse Vogtland zugegen". Die Geschäfte habe er vom ZwavVerwaltungsrat absegnen lassen.

 
erschienen am 14.06.2012 ( Von Rainer Räch )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
4
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  • 15.08.2012
    13:55 Uhr

    dercityhopper: der jurist schaut meiner meinung nach, etwas desillusioniert aus...

    vielleicht hätte man sich vorher besser informieren sollen? ach quatsch, warum? ist doch nicht meine kohle-raus damit!!!

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  • 15.07.2012
    20:13 Uhr

    saftpresse: Der Klageweg kann für Oberdorfer und den Verwaltungsrat des ZWAV auch nach hinten losgehen. Sollte das Gericht feststellen, dass die Sachsen LB ihren Beratungsverpflichtungen in Sachen Zinsswap nachgekommen ist, sind die Aussichten auf einen Prozessgewinn illusorisch.
    Welches Licht diesbezüglich auf die beratende Sparkasse Vogtland fällt steht noch auf einen ganz anderen Blatt. Wie viel Sachverstand mag da wohl vorhanden sein, wenn man seine Klientel derart schlecht berät?
    Aber auch darauf allein kann sich Herr Oberdoerfer und sein Verwaltungsrat nach meiner Ansicht nicht herausreden. Es obliegt voll und ganz seiner Verantwortung sich verschiedener Quellen zur Informationsgewinnung bei seiner Meinungsbildung zu bedienen. Der Verwaltungsrat hätte alsdann natürlich die Erkenntnisse hinterfragen dürfen und müssen. Was also ist hier schief gelaufen.
    Dazu zumindest kann das Gericht eventuell mehr Licht ins Dunkel bringen. Frei von gänzlicher Schuld sehe ich hier keinen der beteiligten.

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  • 16.06.2012
    11:05 Uhr

    crashy9708: ER fühlt sich "abgezockt"?

    Jeder Steuerzahler mit etwas Sachverstand recherchiert ert einmal selber im Internet bevor er sich auf solche Dinge einläßt.

    Das Fot zu der Nachricht spricht Bände:

    Der Eine will sich rechtfertigen, in des der andere Aussieht wie ein "D..."!

    Bilder können bekanntlich nicht lügen - außer es ist eine Fotomontage.

    Hier scheint mir aber der Fotografin ein wirklich reeller "Schnappschuß" gelungen zu sein.

    Oder wie sagte schon Humphrey Bogart in "CASABLANCA":

    ?Schau mir in die Augen, Kleines? und ?Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen?.

    Na, dann nehmen wir uns doch mal unsere amerikanischen Freunde endlich auch hier zum Vorbild.

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  • 16.06.2012
    10:59 Uhr

    finnas: Irgendwo in der kommunalen Gesetzgebung las ich, daß das Spekulieren mit öffentlichen Geldern verboten sei. Trotzdem haben kommunale Politiker riskante Anlagengeschäfte gemacht und keine Kommunalaufsicht hat sie aufgehalten. Wenn sie heute gegen die Berater oder irgendwelche Institutionen vorgehen, sollten sie auch die Konsequenzen aus ihrer eigenen Dummheit und Verantwortungslosigkeit ziehen und ihren Hut nehmen. Oder der Wähler ...... na ja !

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